Am Sonntag, wenn die Rennfahrer zum 54. Mal über die Reitnauer Bergstrecke düsen, wird es 35 Grad heiss. Dann werden sich wohl einige Besucher stöhnend die Schweisstropfen von der Stirn wischen und sich an ihren Wasserflaschen festklammern. Härter als die Besucher, die unter Sonnenschirmen sitzen können, haben es die Piloten in den Cockpits ihrer Rennwagen. Denn dort können Temperaturen bis zu 70 Grad herrschen. «Das liegt daran, dass die Boliden meist keine Isolation bieten, auch die Abwärme der Motoren spielt eine Rolle. Zudem tragen die Fahrer feuerfeste Kleidung», sagt Thomas Kohler vom Automobil Club der Schweiz (ACS). Er organisiert das Bergrennen und ist Vize-Rennleiter.

Die Hitze im Cockpit verlange von den Piloten Topkondition und Vorbereitung. «Es gibt spezielle Kältesprays oder Kühlwesten. Ich denke, unsere Fahrer werden sich eher mit einem nassen Tuch im Nacken abkühlen oder den Kopf in den Brunnen tunken.» Auf der 1.6 Kilometer langen Strecke, die die Fahrer in durchschnittlich einer Minute bewältigen, sei die Hitze für die Piloten keine grosse Herausforderung. Problematisch seien die Standzeiten. «Wir bemühen uns, diese möglichst kurz zu halten». Weiter liege das Ziel des Rennens in einem Waldstück, in dem es kühler sei. «Und wir sorgen für genügend Wasser», sagt Kohler.

Badis als Konkurrenten

Während die Hitze dem Menschen zu schaffen macht, leidet die Technik der Rennboliden kaum darunter. Im Gegenteil: «Für Reifen normaler PWs wird der Belag einer warmen Strasse schnell rutschig. Für die speziellen Reifen eines Rennautos wird der Belag schön griffig», so Kohler. Weiter bestehe absolut keine Gefahr, dass die Reifen wegen der Hitze platzen könnten, das sei ein Mythos. Und auch die Motoren halten laut Kohler viel aus. «Bei heissen Temperaturen sind die Piloten stärker gefordert, als die Technik.»

Etwas Sorgen macht sich Kohler wegen der Besucherzahlen. In den letzten Jahren standen zwischen 10 000 und 12 000 Rennsportfreunde an der Strecke. «Ich hoffe, die Badis machen uns keine Konkurrenz», sagt er. Er erläutert die Vorzüge des Veranstaltungsorts: «In Reitnau windet es meistens und der nahegelegene Wald spendet Schatten.» Sollte einem Besucher die Hitze trotzdem zu schaffen machen: «Die Samariter sind bestens vorbereitet». Kohler organisiert das Bergrennen schon seit 20 Jahren: «Das heisse Wetter stellt uns vor keine grossen organisatorischen Probleme».

«Klimafeindlich und sinnlos»

Nach der Formel-E in Bern, die am letzten Wochenende stattfand, wurde Kritik von Klimaaktivisten laut. Auch weil die Elektroboliden zu viel Energie verbrauchen würden. Kritik am Bergrennen Reitnau äussert Sandro Covo, Klimaaktivist und Vorstandsmitglied der SP Bremgarten. «Autorennen sind klimafeindlich, sinnlos, sie verschwenden Energie und sind nicht nachhaltig. Rennen mit Elektroautos sind ein bisschen besser, aber auch nur, wenn diese mit nachhaltiger Energie betrieben werden.» Über das Bergrennen Reitnau sagt der ehemalige Präsident der Aargauer Juso: «Rennen, die weder auf den Aspekt der Nachhaltigkeit aufmerksam machen noch den CO2-Ausstoss kompensieren, sind nicht zeitgemäss.»

Thomas Kohler sagt dazu: «Über eine CO2 Kompensation wird momentan im ACS diskutiert.» Weiter müsse in Reitnau, anders als in Bern, keine Infrastruktur für die Strecke aufgestellt werden. Kohler betont, dass die Hochleistungsmotoren im Rennsport wenig CO2 ausstossen. Schon seit über 20 Jahren fahre man mit Katalysatoren. «Der Treibstoff, der beim Bergrennen verbraucht wird, passt in ein paar Kanister. Deswegen kann die CO2-Diskussion bei jedem Grossanlass, sogar bei einem Velorennen, geführt werden», so Kohler. Er freue sich jetzt auf ein unfallfreies Rennen und hoffe, dass die Besucher das schönen Wetter geniessen werden.

53. Bergrennen in Reitnau: Wenn die Reifen quietschen und die Motoren dröhnen

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Tausende Rennsportfreaks pilgerten am Sonntag bei bestem Wetter an das Autospektakel. Dort ist man so nahe an den Piloten wie kaum an einem anderen Rennen.