Muhen
Hier gibt es Genossenschafts-Delikatessen für Sau und Kuh

Die Landwirtschaftliche Genossenschaft Muhen erwirtschaftete letztes Jahr das beste Ergebnis ihrer Geschichte. Bekannt sind die Landi-Läden vor allem als Lebensmittelläden für den raschen Einkauf: Kafi für unterwegs und eine Tiefkühl-Pizza zum Znacht

Aline Wüst
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Hans Müller, pensionierte Bauer aus Kirchleerau, kauft regelmässig in der LG Muhen ein.

Hans Müller, pensionierte Bauer aus Kirchleerau, kauft regelmässig in der LG Muhen ein.

Aline Wüst

Urchiger geht es bei der 1890 gegründeten Landwirtschaftlichen Genossenschaft Muhen (LG Muhen) zu und her. Der Laden ist ungeheizt und Geschäftsführer Thomas Bieli sitzt hinter einer grossen Glasscheibe auf seinem Bürostuhl und verarbeitet die Bestellungen seiner 140 Genossenschafter.

Erfolg nützt auch dem Portemonnaie

Als Hans Müller, pensionierter Bauer aus Kirchleerau, gestern Vormittag in die Gnossi kommt, schiebt Bieli das grosse Glasfenster zu Seite und Müller gibt seine Bestellung auf: zwei Säckli Kaninchenfutter und ein Sack Korn gewalzt. Geschäftsführer Bieli tippt alles in den Computer und lässt einen Lieferschein raus. Kafi und Gipfeli gibt es nicht. Und trotzdem ist die LG Muhen immer noch ein Erfolgsmodell.

Letztes Jahr erwirtschaftete sie das beste Ergebnis aller Zeiten. In der Gnossi gibt man sich bescheiden: «Das bringt dem Genossenschafter eigentlich nicht so viel, wenn wir einen guten Abschluss machen», sagt Geschäftsführer Bieli. Das stimmt nicht ganz. In den letzten drei Jahren konnte die LG Muhen fünfmal die Preise für Futtermittel senken. Eine direkte Auswirkung auf das Portemonnaie des Bauers.

Jeder Kuh ihr eigenes Futter

Die LG Muhen ist der Dreh- und Angelpunkt der Landwirte in der Region. Hier werden Informationen ausgetauscht. Hauptsächlich wird aber übers Futter gesprochen. Denn das kaufen die Bauern dort und damit wird in der Gnossi der grösste Teil des Geldes verdient. Erstaunlich für Laien ist, dass die Kuh von Bauer Müller nicht das Gleiche frisst wie die Kuh vom Landwirt Meier. Fast jeder Bauer hat sein eigenes Rezept. In einem grossen Ordner sind über 100 Rezepte abgelegt.

Also kein 08/15-Futter für Berta und Co. «Genau das macht uns stark», ist Bieli überzeugt. Stark macht die Gnossi auch, dass sie ihre Landwirte noch persönlich kennt. Bieli selbst, Geschäftsführer seit 2010, hat schon viele Landwirte auf ihren Höfen besucht. In einer grossen Landi mit 500 Betrieben und Abteilungsleitern gehe diese Nähe verloren.

Zwar ist auch die LG Muhen Mitglied der Fenaco. Also der Gesellschaft, welche die bekannten Landi-Läden betreibt. Gewirtschaftet wird aber eigenständig. Und das solle auch so bleiben, sagt Bieli. «Solange es uns so gut geht, kann auch niemand Druck ausüben.» Eine Fusion mit einer anderen Landi ist daher kein Thema.

Die ergiebige Benzinkuh

«Vereinigung macht stark», so hiess das Leitwort der Gründungsversammlung der LG Muhen vom 2. November 1890. 29 Mannen waren an dieser Gründungsversammlung anwesend, ist in der Chronik festgehalten. Seither steht man sich bei: Schon im Gründungsjahr organisierte die Gnossi Vorträge zum Thema Düngen, 1929 beschloss man, das Obst gemeinsam zu vermark-
ten. Und in den Kriegsjahren verteilte die Gnossi das noch vorhandene Hafer gerecht unter ihren Mitgliedern auf.

Ein wichtiger Meilenstein war die Eröffnung der Tankstelle. In der Chronik steht darüber: «Die Tankstelle erweist sich als sehr ergiebige Milch- beziehungsweise Benzinkuh – Glück muss man haben.» Doch nicht Glück, sondern seriöse Geschäftsführung bescherte der LG Muhen das gute Ergebnis im vergangenen Jahr, wie Bieli betont. Das heisst aber nicht, dass die Gewinnmaximierung an oberster Stelle steht.

Anders als in den bekannten Landi-Filialen kauft die LG Muhen die Futterzutaten wo möglich direkt vor der Haustür ein. «Wir nehmen in Kauf, dass diese Zutaten teurer und unsere Margen kleiner sind», sagt Bieli. Dafür wissen die Bauern, dass sie Futter aus den Zutaten bekommen, die sie in den Monaten zuvor angeliefert haben. «Das ist doch der Grundgedanke einer Genossenschaft», meint Bieli.

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