Holziken
Die Kiesgrube «am Schöftler»: Ein Naturparadies, das schützt

Wie in Holziken eine Kiesgrube renaturiert und ein Hochwasserschutz geschaffen wird.

Natasha Hähni
Drucken
Teilen
Stefan Bürgler, Geschäftsführer der Kieas AG Suhrental.

Stefan Bürgler, Geschäftsführer der Kieas AG Suhrental.

Valentin Hehli / WYS

Das Hochwasser aus dem Wald ist in Holziken seit je her ein Problem. Das Auffangbecken, das deshalb errichtet wurde, entspricht längst nicht mehr den Anforderungen. Ein Lösungsvorschlag wurde von der Gemeindeversammlung abgelehnt, weil er den Holzikerinnen und Holzikern zu teuer war. «Wenn Ingenieurbüros und Subunternehmer hinzugezogen werden, sind Kosten über 100000 Franken nicht unüblich», so Stefan Bürgler, Geschäftsführer der Kies AG Suhrental.

Sein Unternehmen hat die Lösung für das Problem. Von 2008 bis 2014 baut die Firma Kies«am Schöftler» in Holziken ab. Seit sechs Jahren sind sie mit dem Auffüllen der Grube beschäftigt. Das Nebenprodukt: «Das Wasser, das vom Hügel her in Richtung Dorf fliesst, wird in der Kiesgrube abgefangen und in ein Weihersystem geleitet, wo es dann versickern kann», so Bürgler – eine Art natürliches Auffangbecken.

Die gesamte Renaturierung der Grube – inklusive Oberflächenwasser-Entlastung – kostet gerade mal 10'000 Franken. Unter anderem, weil keine weitere Firma, etwa für den Unterhalt, engagiert werden musste. «In unserem Business hat jeder eine Ahnung von Ökologie und Gestaltung. Wir machen diese Arbeit tagtäglich.»

«Es ist schön,der Natur etwas zurückzugeben»

Dennoch, eine Seitenmoräne wie die in Holziken abzutragen, hört sich nicht sehr schön an – ein Eindruck, dem Bürgler entgegentreten will, schliesslich sei die Nachfrage nach Kies hoch und der Rohstoff bleibe in der Region. Trotzdem findet Bürgler aber,man sei der Natur etwas schuldig. «Schliesslich nehmen wir ja etwas aus der Natur, da ist es schön, wenn wir mal was zurückgeben können.»

Seit 2015 wird die Grube in Holziken wieder aufgeschüttet.

Seit 2015 wird die Grube in Holziken wieder aufgeschüttet.

Valentin Hehli / WYS

Das machen sie in Form eines Biotops auf dem Gebiet. Oft werden Kiesgruben nach dem Abbau zu Ackerland oder Bauland. Anders als die meisten Kiesgruben in der Region, ist die Kiesgrube in Holziken aber kein Graben im Boden. «Hier wurde die Seitenmoräne abgetragen.»

Vögel, Amphibien und Reptilien sowie viele Pflanzenarten finden hier schon jetzt ihr neues Zuhause. Dieses wird sich in den nächsten Jahren noch weiter verändern. «Wir werden den Böschungsfuss in derselben Schräge, wie er vorher war, aufschütten», sagt Bürgler. Mit «vorher» meint er die Zeit vor den 1950er-Jahren, als noch kein Kiesabbau betreiben wurde.

Die Kiesgrube Holziken: Seit etwa 70 Jahren tragen Menschen hier Kies ab.

Die Kiesgrube Holziken: Seit etwa 70 Jahren tragen Menschen hier Kies ab.

Stefan Bürgler / ZVG

«In der Felswand nisten Vögel»

Warum die Seitenmoräne nicht ganz so hoch aufgeschüttet wird, wie sie einmal war, ist einfach zu erklären: «In der Felswand nisten Vögel.» Bisher habe man schon rund 20 Meter aufgebaut. Wann das Biotop fertig sein wird, weiss Bürgler heute noch nicht. Überstürzen dürfe man den Prozess aber auf keinen Fall. «Das Ganze muss ja auch stabil sein, sonst laufen wir Gefahr, dass die Erde bei starkem Regen ins Dorf geschwemmt wird.»

Schon jetzt wirkt das Areal ziemlich grün. Bäume würde aber keine gepflanzt werden. «Die Natur kommt schnell zurück. Die eine Fläche ist zwei, die andere vier Jahre alt», sagt Bürgler, während er auf zwei stark bewachsene Flächen zeigt.

Die Grünfläche ist zwei Jahre alt, angepflanzt habe man nichts. In der Feswand dahinter nisten Vögel.

Die Grünfläche ist zwei Jahre alt, angepflanzt habe man nichts. In der Feswand dahinter nisten Vögel.

Valentin Hehli / WYS

Aktuelle Nachrichten