Fahrdienst
Holziken hat jetzt ein Rentner-Taxi – Freiwillige gesucht

Das Angebot von «Fürenand – Mitenand» wird regelmässig genutzt – jetzt brauchts Verstärkung.

Flurina Dünki
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Peter Weber kann bei der Freiwilligenarbeit seine Leidenschaft ausleben. fdu

Peter Weber kann bei der Freiwilligenarbeit seine Leidenschaft ausleben. fdu

Flurina Dünki

Durch die Glastüre ist sie von aussen bereits erkennbar. Die zierliche alte Dame mit Stock, die im Entrée des Mehrfamilienhauses steht. Als sie am Arm des Fahrers ins Freie tritt, stützt sich kaum auf ihn und verzichtet auch auf Hilfe, als sie ins wartende Auto einsteigt. Doch selber fahren, das kann sie mit 94 Jahren nicht mehr. Zu ihrem Arztbesuch nach Gränichen wird sie deshalb chauffiert.

Ihr Chauffeur ist Peter Weber. Der 62-Jährige bietet Holzikern mit eingeschränkter Mobilität im Rahmen des Projekts Fürenand – Mitenand seine Fahrdienste an (siehe Text unten). Die Seniorin, die lieber nicht mit Namen genannt werden will, hat er schon mehrmals gefahren. Vor kurzem war sie im Spital und muss nun zur Nachkontrolle. «Wir sind beide in Gränichen aufgewachsen und später nach Holziken gekommen», sagt Weber. Und so geht die Reise an diesem Morgen nicht nur zum Arzt und retour, sondern zurück in Zeiten, in denen die einzigen Autobesitzer in Gränichen die Migros-Chauffeure waren und jeder hoffte, beim Nachhauseweg von ihnen mitgenommen zu werden.

Freiwillige gesucht

«Fürenand – Mitenand» ist eine Plattform für Freiwilligendienste, die durch die Spitex Holziken ins Leben gerufen wurde. Sie ist jedoch organisatorisch von der Spitex getrennt. Dort werden seit März 2017 Dienste wie Korrespondenz, Schneeschaufeln oder Gartenarbeiten angeboten. Je nach Einsatz betragen die Kosten zwischen 5 und 20 Franken. Der Fahrdienst gehört zu den beliebtesten Angeboten. Neben Peter Weber ist auch der alt Gemeinderat Claude Georges freiwilliger Fahrer. Interessenten können sich bei Jacqueline Lüscher melden, Tel. 062 721 14 31.

Flexibilität wird geschätzt

«Nachdem ich das Billett freiwillig abgegeben hatte, hat mein Mann mich gefahren, solange er noch bei Gesundheit war», erzählt die Seniorin, die inzwischen verwitwet ist. Heute fährt sie ihr Sohn und wenn er nicht kann, kommt Peter Weber vorgefahren. Bevor das Holziker Freiwilligenprojekt im März letzten Jahres anlief, hat sie den Fahrdienst vom Roten Kreuz beansprucht. «Dort muss man sich aber mindestens zwei Tage zuvor anmelden.» Bei «Fürenand – Mitenand» könne man bei kurzfristigen Terminen anfragen.

Das Auto fährt beim Arzt vor. Weber macht keine Anstalten, seinem Fahrgast aus dem Wagen zu helfen. «Eine Abmachung zwischen uns, ich darf nur im Notfall helfen», sagt er. Alles, was die Dame noch eigenständig schafft, möchte sie auch selber machen. Der Untersuch geht schnell. Ein paar Minuten, dann steigt die Patientin – ohne Hilfe – wieder ins Auto.

Nostalgie auf dem «Rütihof»

Für den Rückweg hat Weber eine Überraschung eingeplant: «Wollen wir über den Hoger?» Fragt er die Beifahrerin. Die Dame beginnt zu strahlen. Auf dem Rütihof, über den der Rückweg führen wird, ist sie aufgewachsen. «Halten Sie kurz», bittet sie den Fahrer und zeigt auf ihr ehemaliges Zuhause am Hügel. «Nach Gränichen runter zum Einkaufen gingen wir damals zu Fuss.» Der Fahrer nickt zustimmend. Auch er lief die Strecke hoch, die er jetzt in Windeseile im Auto zurücklegt. Die 45-minütige Fahrt zum Arzt und zurück ist weit mehr als nur ein Transport. «Das Plaudern bereichert auch den Alltag der Fahrgäste, die sonst den ganzen Tag zu Hause wären», sagt Weber.

Autofahren ist eines von Webers liebsten Steckenpferden. Als er nach seiner Frühpensionierung vor ein paar Jahren «doch noch etwas machen» wollte, war Freiwilligenfahrer naheliegend.

Etwa dreimal im Monat werden Webers Fahrdienste in Anspruch genommen. Er hätte noch für mehr Fahrten Kapazität und trotzdem suchen die Projektverantwortlichen aktiv Fahrer-Verstärkung. «Manchmal gibt es spontane Anfragen und dann kann es sein, dass gerade keiner der beiden verfügbar ist.

Diskretion gegenüber den Fahrgästen werde grossgeschrieben. «Über Krankheiten frage ich die Leute nur, wenn sie von sich aus zu erzählen beginnen», sagt Weber.

Sicher bringt der Fahrer die Kurvenstrasse hinter sich und biegt wenige Minuten später wieder ins Quartier seiner Mitfahrerin ein. Beim nächsten Arzttermin werden sie erneut den Rütihof besuchen.

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