Das prächtige trächtige Holsteinrind Dahlia frisst Äpfel unter dem Apfelbaum. Trotz Schatten muss es sich der Fliegen erwehren. Ein prächtiges Wetter, sagt auch Leutwyler Martin vom organisierenden Schwingklub Kreis Kulm. «Klub mit k», sagt er und lacht, «wir sind doch hier in der Schweiz.» Da sind die Mitglieder des Motorradclubs Switzerland Maniacs, die mit ihren Harley-Davidson und Triumph-Boliden auf den Homberg geknattert sind, nicht heikel. Sie tragen das «C» für Club stolz auf ihren Westen zur Schau.

Wetter und Klub hin oder her; auch am 52. Homberg-Schwinget in Reinach geht es in erster Linie um den Triumph. Doch ausgerechnet der Mit-Favorit vom Schwingklub Zofingen, Räbmatter Patrick aus Uerkheim, legt einen Fehlstart hin. Auf dem Sägemehl sind Überraschungen leicht möglich. Ein Start nach Mass hingegen gelingt dem Buchser Vieira Tiago vom Schwingklub Aarau: Der über 150 Kilogramm schwere Senn macht mit seinem Gegner, einem Turner, kurzen Prozess: wenige Sekunden genügen. «Kurz», nennt der Fachmann den finalen Zug.

Nicht-Schweizer als Eidgenosse?

Eine Doppelbürger-Diskussion wie bei den Fussballern ist bei den Schwingern nicht in Sicht. Vieira ist Portugiese und gedenkt dies zu bleiben. Was der 27-Jährige, wenn er gut trainiert und Wettkampfglück hat, allerdings erreichen könnte: Eidgenosse werden, ohne Schweizer zu sein. Dazu müsste er freilich an einem eidgenössischen Schwingfest einen Kranz gewinnen.

Auf dem Homberg bekommt der Sieger das Rind Dahlia (von Hauptsponsor EWS Energie AG). Es gibt aber noch einen zweiten Lebenspreis: ein Schaf. Man kann auch das Geld nehmen. Fürs Schaf 200 Franken. Der Gabentisch nimmt sich schön aus; die Sponsoren haben sich nicht lumpen lassen. Das soll so bleiben, und Vereinspräsident André Bergmann ermahnt am Morgen hinter dem Zelt die Schwinger, sich anständig zu bedanken bei den Sponsoren: «Machts gleich morgen; dann vergesst ihrs nicht.»

Koloss gegen Athlet

«Die Disziplin lässt leider auch im Schwingsport nach», sagt Rytz Wolfgang, Redaktor der Schwingerzeitung «Schlussgang». Von 60 angemeldeten Schwingern sind nur 48 vor Ort. Seis drum: Wer da ist, geniesst die gute Stimmung. Und auch Räbmatter Patrick greift nach einer Frust-Zigarette wieder an. Beinahe gelingt es ihm, Vieira Tiago zu besiegen. Fast ist nicht ganz. «Ich konnte nicht zu viel riskieren», sagt Räbmatter und weiss: Mit zwei Niederlagen bist du weg vom Fenster. «Der Beste soll gewinnen», hatte er noch nach der Startniederlage gesagt. Aber auch Vieira findet im vierten Gang seinen Meister: im Zuger Bieri Marcel, dem späteren Sieger des 52. Homberg-Schwingets.

Koloss gegen Athlet. Gewicht gegen Kraft und Technik. Auf dem Homberg sind viele solche Duelle zu sehen, und das Publikum (750 Zuschauer) spendet grossen Applaus, wenn der Schmächtige das Schwergewicht überwindet. Speaker Härri Max orientiert über den Zwischenstand am Bernischen Kantonalen, wo auch der letztjährige Homberg-Sieger Alpiger Nick schwitzt.

Bunt durchmischt ist das Publikum. Familien, Fans. Die Velo fahrende «Sonntagsgruppe Seetal». Für zwei junge Wynentaler gehört der Anlass zum Jahresprogramm: «Da geht man einfach hin.» Ein Zofinger Hell’s Angel ist Fan von Räbmatter und vom eidgenössischen Brauchtum. Das kommt mit Alphorn, volkstümlichem Schlager und Trachtentanz zum Zug.