Reinach

Im Reinacher Wohngebiet soll Tempo 30 eingeführt werden – Gmeind entscheidet über 275'000-Franken-Kredit

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Innerhalb von acht Jahren ereigneten sich in Reinach 288 Unfälle. Davon 123 auf Gemeindestrassen – mit sechs Schwerverletzten. Seit über zwei Jahren ist man, unter Einbezug der Bevölkerung, daran, ein Verkehrssicherheitskonzept zu erstellen. Die Arbeiten sind so weit fortgeschritten, dass das Konzept vom Gemeinderat verabschiedet werden konnte und der Gemeindeversammlung vom 10. Juni vorgelegt werden kann. Es ist ein Kredit von 275000 Franken notwendig. Wichtigste Massnahme ist die Einführung von Tempo 30 im nahezu ganzen Wohngebiet. Exklusive auf den Kantonsstrassen (der Kanton lässt Tempo 30 nicht zu). Und: «Die Industriezone im Norden von Reinach sowie einzelne kleinere Gebiete entlang der Kantonsstrassen werden nicht in die Tempo-30-Zone integriert», heisst es im Bericht zum Verkehrsicherheitskonzept vom 11. Februar.

Der Verkehr wird sicherer und deutlich ruhiger

Im Bericht sind die Vorteile von Tempo 30 detailliert aufgelistet: «Die Unfallschwere wird durch den von 41 Meter bei Tempo 50 auf 21 Meter bei Tempo 30 verkürzten Anhalteweg deutlich reduziert», heisst es. «Im Weiteren konzentriert sich der Autofahrer durch die geringere Geschwindigkeit und infolge allfälliger Massnahmen auf einen viel grösseren Nahbereich als bei Tempo 50 in einer geraden Strasse.» Mit der Einführung von Tempo-30-Zonen werde die Geschwindigkeit den vorhandenen Verhältnissen angepasst und die Wohn- und Aufenthaltsqualität in den Quartieren verbessere sich.

Neben dem Sicherheits- gibt es einen angenehmen Nebeneffekt: «Durch die Absenkung der Geschwindigkeit von 50 auf 30 km/h kann die Lärmemission um 2 bis 4,5 Dezibel reduziert werden. Dies entspricht einer Halbierung der Lärmbelastung.»

Punktuell bauliche Massnahmen

Neben der Signalisation von Tempo 30 sollen «punktuelle Verbesserungen bei lokalen Gefahrenstellen» vorgenommen werden. Etwa von Markierungen oder mit Signalisationen. Weiter ist im Bericht die Rede von «Einengungen einbauen (zum Beispiel Titlisstrasse oder Tunaustrasse beim Chaletweg) oder versetzen (zum Beispiel Gigerstrasse), um unübersichtliche Stellen zu entschärfen, und/oder um Temporeduktionen zu erwirken».

Angeregt wird zudem die «farbliche Gestaltung der Strassenoberfläche und/oder bauliche Massnahmen (zum Beispiel Rabatten), um die Nutzung und Verkehrsführung auf Strassenabschnitten zu verdeutlichen oder anzupassen (zum Beispiel Veloweg bei Neudorfstrasse oder Tunaustrasse beim Geschäft Musik Frey)».

Im besten Fall ab Ende 2020 erste Tempo-30-Zonen

Stimmen die Reinacher dem Verkehrsicherheitskonzept an der Gemeindeversammlung vom 10. Juni und gibt es kein Referendum zu, müssen die Tempo-30-Zonen in einem Baugesuchsverfahren ausgeschrieben werden. Einsprachen können da zu erheblichen Verzögerungen führen. Selbst im optimalen Fall kann die Umsetzung frühestens Ende 2020 beginnen. «Bis das ganze Konzept umgesetzt ist, kann es bis Ende 2021 dauern», erklärte Gemeinderat Ruedi Lanz (SP) dem «Wynentaler Blatt».

Der Gemeinderat ist optimistisch, dass er das Verkehrssicherheitskonzept durchbringen kann. Nicht zuletzt, weil die Bevölkerung zweimal im Rahmen von Mitwirkungsverfahren Anregungen einbringen konnte. Es gab zuerst 61 Rückmeldungen und dann nochmals gut 10 Anträge. (uhg)

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