Bezirksgericht Kulm

IV-Rentner betrügt mit Tumbler-Masche: Schwindel in der Höhe von fast 150'000 Franken

(Symbolbild)

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Der 50-Jährige kaufte unter falschem Namen Haushaltsgeräte und Dienstleistungen für fast 150'000 Franken.

Max F. (Name geändert) bestellte bei einem Elektrogeschäft per E-Mail einen Wäschetrockner. Dabei gab er sich als Thomas M, einer von seinen fünf Decknamen, aus. Der gutgläubige Kleinunternehmer lieferte ihm die Maschine – auf das Geld wartete er vergebens. Max F. verkaufte den Tumbler sofort auf Ricardo. Das war 2013. Max F. merkte, wie leicht er mit dieser Masche an Bares kam. Bis 2015 erwarb der IV-Bezüger (50) 18 Waschmaschinen und Wäschetrockner. Davon verkaufte der Schweizer 13 weiter. Einige Geräte wurden ihm nicht geliefert, bei allen anderen schöpften die KMU keinen Verdacht.

Relaxsessel ergaunert

Der Waschmaschinen-Handel war dem Angeklagten bald zu wenig lukrativ. Er begann, andere Gegenstände zu kaufen, die er nie bezahlte – Kaffeemaschinen, Rasenmäher, Barhocker, ja sogar einen Relaxsessel. Der Angeklagte ging so weit, dass er Dienstleistungen unter falschem Namen bezog, er liess Elektroarbeiten ausführen und seine Tische und Stühle bei sich zu Hause reparieren.

Lange flog der Schwindel nicht auf. Vielleicht auch, weil ihm aufgrund seiner fast kindlichen, schüchternen Art niemand solch ein durchdachtes Verbrechen zutrauen würde.

Ein einfacher Bauernbub

Im Saal das Bezirksgerichts Kulm sitzt der Sohn eines Bauern aus dem Berner Oberland in Handschellen. Er erzählt von seiner schwierigen Kindheit. Bis zur dritten Klasse hat er die öffentliche Schule besucht, danach ging es vom Heim zum Internat und von da zu verschiedenen Sonderschulen. «Ich hatte es schon immer schwierig», sagt er mit schnarrender Stimme. «Bis vor kurzem hatte ich auch Blockaden beim Sprechen. Durch meine Therapien konnte ich diese aber lösen.» Nachdem er eine Kochlehre begonnen und diese wieder abgebrochen hatte, arbeitete er schliesslich am Flughafen, wo er Flugzeuge reinigte. 2004 musste er die Stelle am Flughafen aus psychischen Gründen aufgeben und erhielt ab da eine IV-Rente.

Angeklagter ist geständig

Max F. scheint in der Entwicklung etwas zurückgeblieben, er wartet lange, bevor er spricht, und dann redet er langsam und zögerlich. Der Gerichtspräsident belehrt Max F. wie ein kleines Kind: «So was darf nach Ihrer Haft nicht mehr passieren, es gibt klare Regeln.»

Der Verteidiger nimmt den Waschmaschinen-Betrüger in Schutz: «Der Angeklagte hat alle seine Taten zugegeben und sogar noch solche, die von den Unternehmen nicht gemeldet worden waren.» Der Staatsanwalt setzt sich hingegen für die geschädigten KMU ein: «Sie litten unter den wirtschaftlichen Einbussen, mit dem Geld hätten sie zum Beispiel einen schönen Mitarbeiteranlass organisieren können.» Er spricht von einem kriminellen Verhaltensmuster, das nur durch Haft gestoppt werden kann.

«Ich möchte in ein Kloster»

Der Pflichtverteidiger sagt: «Das Gericht kann zwar Strafen verteilen, aber es kümmert sich nicht um die Reintegration nach der Haft.» Max F. brauche einen klaren Tagesablauf, um nicht wieder in den alten Trott zu verfallen. Der Angeklagte stimmt zu: «Am liebsten möchte ich nach der Haft in ein Kloster oder eine Brüdergemeinschaft eintreten. Wenn ich eine Aufgabe habe, geht es mir besser.»

Der Angeklagte sagt während der Verhandlung immer wieder: «Es tut mir leid.» Der Bezirksrichter lässt sich jedoch nicht beeindrucken. Er verurteilte Max F. wegen gewerbsmässigen Betrugs zu viereinhalb Jahren Haft. Genau so viel hatte der Staatsanwalt beantragt.

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