Wynental/Seetal
Jeder zweite Baum aus dem südlichen Aargau wird nach Asien verschifft

Der Forstbetrieb aargauSüd verkauft knapp die Hälfte seiner Bäume in den Fernen Osten – der Transport eines Baumes vom Reinacher Wald ins Zwischenlager in Brugg kostet etwa gleich viel wie der Schiffstransport Rotterdam-Shanghai.

Pascal Meier
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Auf Containerschiffen wird auch Holz aus der Region über die Weltmeere transportiert.

Auf Containerschiffen wird auch Holz aus der Region über die Weltmeere transportiert.

CHRIS ISELI

Sie sind die Giganten der Weltmeere: Containerschiffe, mehrere hundert Meter lang und bis zur Reling vollgepackt mit Gütern.

In einigen der Container, die von der Nordsee über Gibraltar, Mittelmeer und Suezkanal in den asiatischen Raum verschifft werden, steckt Holz aus dem Seetal und Wynental.

Der Forstbetrieb aargauSüd verkauft knapp die Hälfte seiner Bäume in den Fernen Osten. «Schweizer Holz hat eine grosse Zukunft im asiatischen Raum», sagt Holzhändler Jürg Wüst aus Möriken, der eng mit dem Forstbetrieb aargauSüd zusammenarbeitet. Diesem gehören die Gemeinden Reinach, Menziken, Beinwil am See, Birrwil, Burg und Leimbach an sowie private Waldeigentümer.

Jürg Wüst rechnet für die az vor, wie viel Holz in welche Regionen verkauft wird: «Die Wälder des Forstgebietes umfassen je etwa zur Hälfte Nadel- und Laubhölzer.» Nadelhölzer wie Tannen und Fichten würden grösstenteils in der Schweiz für den Bau verkauft, der Rest gehe in Nachbarländer (siehe Grafik).

«Anders ist dies bei Laubhölzern wie Buchen, Eichen und Eschen: Drei Viertel verkaufen wir in den Fernen Osten, einen Viertel in die Schweiz und EU.»

In diese Regionen geht das Holz vom Forstbetrieb aargau Süd

In diese Regionen geht das Holz vom Forstbetrieb aargau Süd

Forstbetrieb aargau Süd

Spottbilliger Transport nach Asien

Der Forstbetrieb aargauSüd ist damit in bester Gesellschaft. In anderen Wäldern der Region zeigt sich eine ähnliche Situation. «Der Mix der Abnehmerländer schwankt zwar zwischen den einzelnen Holzhändler, der Trend geht aber klar Richtung Ferner Osten», so Jürg Wüst.

Begonnen hat dieser Trend vor etwa zehn Jahren. Grund ist der gestiegene Wohlstand in asiatischen Ländern wie Indien, Vietnam, Südkorea China oder Indonesien. Immer mehr Menschen brauchen immer mehr Wohnraum, Möbel und leisten sich auch mehr Luxus. Holz gibt es aber zu wenig. Und wenn doch, fehlen Infrastruktur und Know-how, um dieses kostengünstig zu ernten.

Zudem sind die Transportkosten von Europa nach Fernost spottbillig. Der Transport eines Baumes vom Reinacher Wald ins Zwischenlager in Brugg kostet etwa gleich viel wie der Schifftransport von Rotterdam nach Schanghai.

«Ein Schiff kann mehrere 10 000 Tonnen transportieren, was den Preis für den einzelnen Container sehr günstig macht», erklärt Jürg Wüst. Zudem sei der Transport Richtung Asien billiger als umgekehrt, weil von Europa oft leere Container nach Asien zurückgeführt würden.

Sturm «Lothar» änderte alles

Noch vor vierzig Jahren war die Situation in der Schweizer Forstwirtschaft anders. Auch im Forstbetrieb aargauSüd. «In den 1970er-Jahren hatten wir noch lokale Sägewerke und Holzverarbeiter als feste Kunden», sagt Betriebsleiter Urs Wanderon.

«Was exportiert wurde, ging nach Italien. Die Italiener waren stark in der Möbelproduktion, hatten aber zu wenig Holz.»

Um die Jahrtausendwende kam dann der Umbruch: China trat immer aggressiver auf dem Markt auf. Schliesslich stellte der 26. Dezember 1999 alles auf den Kopf: Der Jahrhundertsturm «Lothar» hinterliess eine Schneise der Verwüstung im Land, ganze Waldstücke lagen am Boden und die Holzpreise sackten in den Keller.

Diese haben sich seither wieder etwas stabilisiert, «aber auf sehr viel tieferem Niveau», wie Jürg Wüst festhält. An die Zukunft des Schweizer Holzes glaubt Wüst jedoch nach wie vor, auch dank der Nachfrage im Fernen Osten. «Wir haben hier im internationalen Markt gute Karten.»

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