Attelwil
«Jetzt kann ich einmal etwas zurückgeben»

Alexandra Stahel sammelt auf eigene Faust für die Operation eines brandverletzten Mädchens aus Ecuador. Sei will 50000 Franken zusammenbekomen, damit das Mädchen in Zürich operiert werden kann.

Barbara Vogt
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Alexandra Stahel zeigt Bilder von Merilyn: «Die Brandnarben sind hässlich.»

Alexandra Stahel zeigt Bilder von Merilyn: «Die Brandnarben sind hässlich.»

Eigentlich würde diese Geschichte besser in die Weihnachtszeit passen, so berührend ist sie: Alexandra Stahel (29) hilft dem ecuadorianischen Mädchen Merilyn, das hässliche Brandnarben aufweist. 50000 Franken will sie zusammenbekommen, damit Merilyn in die Schweiz reisen und sich im Zentrum für brandverletzte Kinder in Zürich operieren lassen kann.

Alexandra Stahel hats beinahe geschafft: 38000 Franken liegen auf dem Spendenkonto. Das ist wie ein Traum für die junge Frau, «damit hätte ich nie gerechnet».

Zum Anfang der Geschichte: Alexandra Stahel ist fasziniert von Ecuador und absolviert 2009 ein Praktikum bei einer ökologischen Stiftung. Dort lernt sie den Vater von Merilyn kennen, sie werden Freunde.

Später in der Schweiz erhält Alexandra Stahel von ihm eine Hiobsbotschaft: Tochter Merilyn erlitt schlimme Verbrennungen am Hals, im Gesicht und an den Armen, weil an der Schule ein Experiment durchgeführt wurde und es dabei zu einer Explosion kam. Merilyn stand am nächsten beim Lehrer, fing Feuer.

Lange Zeit im Spital

Lange Zeit musste das Mädchen im Spital bleiben, schmerzhafte Behandlungen und erste Hautverpflanzungen über sich ergehen lassen. Während dies Alexandra Stahel erzählt, reicht sie Bilder von Merilyn herum. Von einem Mädchen, das fürs Leben gebrandmarkt, traumatisiert ist. «Merilyn hat die Pubertät vor sich. Ihr Traum war es, Tänzerin zu werden.»

Es sei problematisch, dass sich das Mädchen noch im Wachstum befindet, gibt Alexandra Stahel zu bedenken. Das spröde und kontrahierte Narbengewerbe würde ohne weitere Behandlung reissen. Ausserdem sei der Narbenreifungsprozess noch nicht abgeschlossen.

Deshalb nahm sie mit dem Zentrum für brandverletzte Kinder in Zürich Kontakt auf. Sie wollte wissen, ob sich Merilyns Hautbild verschönern lässt. Könne man schon, war die Antwort eines Facharztes. Zumindest die Beweglichkeit sowie ursprüngliche Gesichts- und Halskonturen wiederherstellen und ästhetische Defizite verbessern. Kostenpunkt: 50000 Franken.

Die Hilfsorganisation macht mit

Wie Alexandra Stahel zu so viel Geld kommen sollte, wusste sie selbst nicht so recht. Ihr Bekanntenkreis traute ihr dies nicht zu, und auch die Hoffnung, Geld von humanitären Institutionen zu erhalten, zerschlug sich rasch. Eine Tür nach der andern sei ihr vor der Nase zugeknallt worden, «ich erhielt nicht einmal die Chance, mein Projekt vorzustellen».

Doch dann begannen sich Fenster zu öffnen, das erste bei der Hilfsorganisation Luftfahrt ohne Grenzen «Wings of Help». Dort durfte Alexandra Stahel ein Spendenkonto einrichten. Langsam tröpfelte Geld ein.

Am Geburtstagsfest von ihrer Gotte gabs statt Geschenke eine Spende von 2500 Franken. Am Weihnachtsmarkt Brugg kam ebenso viel Geld zusammen. Da hatte sie auch ein schönes Erlebnis, mit einer Familie, die erst zehn Franken gab, später der Sohn mit einer Hunderternote zurückkam.

Eine Schreinerei aus Brugg sicherte Alexandra Stahel 10000 Franken zu. In der Zwischenzeit reisten der Vater und Familienmitglieder von Merilyn mit dem Fahrrad quer durchs Land und trugen T-Shirts, um auf den Vorfall aufmerksam zu machen. Eines mit einer strahlenden und eines mit einer verunstalteten Merilyn: «Warum wurden meine Träume zerstört?», stand auf den Shirts. «Wir sind mit dir, gib dich nicht auf.»

Freundschaft mit Merilyn

Erst vor kurzem kam Alexandra Stahel von einem Besuch aus Ecuador zurück. In dieser Zeit vertiefte sich die Freundschaft mit Merilyn. Beinahe hätte sie den Bus verpasst, weil das Mädchen sie nicht gehen lassen wollte.

Sobald Alexandra Stahel die nötige Summe von 50000 Franken zusammen hat, möchte sie Merilyn und ihren Vater in die Schweiz holen. Die Behandlung im Zentrum für brandverletzte Kinder würde mehrere Monate dauern. Als Wohltäterin sieht sich Stahel längst nicht. «Als Reisende konnte ich stets profitieren, jetzt kann ich endlich einmal etwas zurückgeben.»