Am Schluss war Karin Bertschi dann doch wehmütig, vielleicht sogar etwas traurig, als sie gestern um 10 Uhr ein letztes Mal als Parlamentarierin das Grossratsgebäude in Aarau betrat. Ihr Rücktritt war längst bekannt, das offizielle Rücktrittsschreiben reichte sie aber erst am Montag ein. «Unser Familienunternehmen ‹Recycling-Paradies› ist auf Expansionskurs», schreibt die abtretende SVP-Grossrätin. Am 10. August eröffnen die Bertschis in Spreitenbach ihre 4. Filiale. Das Baugesuch der 5. Filiale ist in Arbeit.

Im Rücktrittsschreiben der Unternehmerin heisst es weiter: «Mir übertragene Aufgaben möchte ich mit vollstem Engagement und Hingabe erfüllen. Mit meiner heutigen Verantwortung im Unternehmen sowie meinem Wirken in Kirche und Politik würde ich diesem Anspruch in Zukunft nicht mehr gerecht.» Deshalb habe sie sich für den Rückzug aus dem Grossen Rat entschieden.

Karin Bertschi ist im Herbst 2017 auf Anhieb mit dem besten Resultat im Bezirk Kulm in den Grossen Rat gewählt worden. Sie hat faktisch den Sitz selber gemacht – und ihrer Partei zu einem Sitzgewinn verholfen. Unter anderem dank der Popularität, die sie schon damals als «Müll-Prinzessin» («Schweizer Illustrierte») hatte. Sie engagierte sich aber auch in und für die Region: Etwa, indem sie in ihrer Wohngemeinde Leimbach nach dem Ausfall der offiziellen Feier kurzerhand ein 1.-August-Fest in ihrem Garten organisierte. Oder mit Vorstössen beispielsweise zum Böhlerknoten in Unterkulm. 

Karin Bertschi hat in den 2,5 Jahren ihrer Grossratstätigkeit an keiner Parlamentssitzung gefehlt. Sie war keine stramme SVP-Politikerin, widersetzte sich etwa bei Kürzungsanträgen bei der Dargebotenen Hand oder der Schuldenberatung der Parteimeinung. Und die Wynentalerin lebte vor, dass man sich als SVP-Exponentin auch mit anständiger und freundlicher Sprache Gehör verschaffen kann. (uhg)