Rund 10 Tage vor dem wichtigen Entscheid über die Bildung der Kreisschule aargauSüd zeichnet sich ab, dass lokale Befindlichkeiten beim Ausgang der Abstimmung eine zentrale Rolle spielen. Die ersten wegweisenden Entscheide zur Oberstufen-Kreisschule fallen am 6. Juni. Dann stimmen Reinach und Menziken an ihren Gemeindeversammlungen darüber ab. Wenn eine der drei Standortgemeinden Menziken, Reinach oder Unterkulm die Gründung der Kreisschule ablehnt, ist das ganze Projekt gescheitert. Nur wenn alle Standortgemeinden und die Mehrheit der Mitgliedsgemeinden (Beinwil am See, Birrwil, Burg, Gontenschwil, Leimbach, Oberkulm, Teufenthal und Zetzwil) zustimmen, kommt es zur Bildung der Kreisschule aargauSüd mit knapp 1000 Schülern und etwa 150 Lehrkräften.

In Menziken ist Ausgang offen

Niemand wagt eine Prognose, wie der Entscheid in Menziken ausfallen wird. Die Gemeinde hat aktuell drei Bezirksschulklassen und drei Sekundar- und Realschulklassen (SeReal). Bei einem Ja wird die Bez aus Menziken verschwinden und nach Reinach verlegt, dafür erhält Menziken zu den bestehenden SeReal-Abteilungen als Kompensation drei zusätzliche. Die gesetzlichen Vorgaben des Kantons verdammen Schulen zu einer gewissen Grösse. Ein Oberstufenzentrum muss künftig mindestens sechs Abteilungen, also von jeder Stufe je zwei Klassen, führen. Bei der Bez muss eine Klasse mindestens 18 Schüler zählen, bei der Sek mindestens 15 und bei der Real 13. Dass sich in Menziken ein knappes Resultat abzeichnen könnte, zeigt nicht zuletzt der Brief, den die örtliche Schulpflege vergangene Woche an die Eltern der Menziker Schüler verschickt hat. Darin verkündet sie zwar, dass sie zum Projekt eine neutrale Haltung einnimmt, trotzdem lässt das Schreiben Interpretationsspielraum. Durch die Bildung der Kreisschule wird Menziken ein Stück Autonomie verlieren und die Schulpflege weniger zu sagen haben – über beides scheint sich die Schulpflege nicht zu freuen. Sie erklärt, dass die Menziker Schule als Gesamtschule organisiert ist: vom Kindergarten bis zur 9. Klasse plus Anschlusslösung. Die Trennung der Oberstufe von den übrigen Stufen sei zwangsläufig mit Kosten zulasten der Gemeinde verbunden. Die Schulpflege ruft die Bevölkerung dazu auf, an der Gmeind teilzunehmen, um einen möglichst breit abgestützten Entscheid zu erwirken.

Opposition in Gontenschwil

Das grösste Opfer im Projekt Kreisschule bringt Gontenschwil. Die Gemeinde verliert ihren Oberstufenstandort. Aktuell führt Gontenschwil zwar noch fünf SeReal-Klassen mit 80 Schülern, wovon jedoch nur 23 Schüler aus Gontenschwil stammen. 25 kommen aus den Nachbargemeinden Zetzwil (20) und Leimbach (5), 32 aus Reinach. «Die Zahlen sind im Moment nicht der Freund von Gontenschwil», sagte Dieter Heuscher, Vertreter des Projekts, anlässlich der Infoveranstaltung in Gontenschwil Mitte Mai. Niemand wusste damals genau, wie viel Schulgeld im Falle eines Beitritts an die neue Kreisschule bezahlt werden muss und wie viel es die Gemeinde schlussendlich kosten wird. Gemeindeammann Renate Gautschy bezifferte das Schulgeld mit über 300'000 Franken. In einem Artikel des «Wynentaler Blatts» ist sogar die Rede von insgesamt zwölf Steuerprozenten. Renate Gautschy bestätigt gegenüber der AZ diese Zahl. Sie wurde seit dem Infoanlass von vielen Bürgern kontaktiert und hat zahlreiche Gespräche geführt. «Der Gemeinderat Gontenschwil hat die Aufgabe, sich mit der Opposition der Stimmbürger und Stimmbürgerinnen auseinanderzusetzen, die seit dem Informationsanlass entstanden ist», sagt sie. «Es wird nicht so weit kommen, dass das unausgereifte Projekt alle Lasten auf dem Buckel einer Gemeinde abladen kann.» Und weiter: «Die Bevölkerung bestimmt an der Gemeindeversammlung über 12 Prozent mehr Steuern oder sagt Nein zu diesem – wie es aus der Bevölkerung heisst – ‹selbstgefälligen und unsolidarischen Schulprojekt›.»

Fakt ist: Gontenschwil verliert seine Oberstufe über kurz oder lang sowieso, weil die «alte» Kreisschule Homberg ihr die Schüler wegnehmen wird. Der Schulstandort ist nur noch für zwei Jahre garantiert.

Unterkulm müsste zittern

Ganz anders tönt es aus Unterkulm. Ebenfalls im «Wynentaler» wirbt der Schulleiter der Kreisschule Mittleres Wynental, Alois Zwyssig, für die Gründung der Kreisschule. Er zeigt auf, wie viel in Unterkulm auf dem Spiel steht: Das Projekt, das jetzt zur Abstimmung komme, sei auf politischer Ebene mit einer Absichtserklärung entstanden, die einen Bez-Standort für Reinach und Unterkulm garantiere. Für das kommende Jahr habe Unterkulm eine Ausnahmebewilligung vom Kanton erhalten, nur die fünf bestehenden Bez-Abteilungen zu führen. Wenn die Kreisschule aargauSüd scheitere, dann sei der Bezirksschulstandort Unterkulm wieder infrage gestellt, so Zwyssig. Und es könnte passieren, dass es künftig nur noch einen Bez-Standort in der Region geben werde: denjenigen in Reinach. Der Zusammenschluss sei nicht nur in schulorganisatorischer Hinsicht sinnvoll. Sondern auch aus pädagogischer: je grösser die Schule, umso grösser das Angebot an Freifächern.