Zetzwil
Krise nach Vierfach-Rücktritt – doch der Gemeinderat schweigt sich darüber aus

Urs Helbling
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«Ich spüre auch Vertrauen seitens der Gemeinde», sagt Daniel Heggli. (Archiv)

«Ich spüre auch Vertrauen seitens der Gemeinde», sagt Daniel Heggli. (Archiv)

Rahel Plüss

Am 10. November enthüllte die AZ, dass die Gemeinde Zetzwil (1329 Einwohner) im ersten Jahr des neuen Gemeindeammanns, eines Quereinsteigers, in eine Führungskrise gerutscht ist. Zwei Gemeinderäte haben demissioniert, ebenso die Gemeindeschreiberin und die Finanzverwalterin. Am 23. November fand eine spezielle Gemeindeversammlung statt. Es kamen 120 Teilnehmer – nahezu doppelt so viele wie normal. Laut Gemeindeammann Daniel Heggli (55, parteilos) haben die Demissionen und die Steuerfusserhöhung um 5 auf 118 Prozent zum Grossaufmarsch geführt.

Verabschiedung verweigert

Über die Führungskrise erfuhren die Zetzwiler nahezu nichts. Aber sie wurden Zeugen eines seltsamen Schauspiels. Der zurücktretende Vizeammann Beat Heinzer erklärte, von seinen 21 Jahren im Gemeinderat seien 20 positiv verlaufen. «Weil die Stimmung und Situation jetzt anders ist, wünschen Roger Stenz und ich keine Verabschiedung.» Also demonstrativ keine Geschenke und keine Blumen für die Partnerinnen.

Beat Heinzer (69, parteilos) und Roger Stenz (36, parteilos) bleiben bis zum Zeitpunkt ihrer Ersetzung im Amt. Die Wahlen finden am 10. Februar statt. Interessant wird sein, wie viele Kandidaten sich bis zum 28. Dezember anmelden werden.

Abschreckend dürfte der Rücktritt des Zetzbuer Polit-Urgesteins Beat Heinzer wirken. Er hat in den 21 Jahren unter drei Gemeindeammännern (einmal 8, einmal 12, einmal 1 Jahr) gedient. Er war Gründungsmitglied und über zehn Jahre Präsident der «Freien Wähler», einer dem Freisinn nahestehenden Gruppierung.

Was hat denn zum Zerwürfnis geführt? Alle Beteiligten sind übereingekommen, dazu nichts zu sagen. Daran hält sich auch Beat Heinzer. Selbst am Dienstag, nach seinem bemerkenswerten Auftritt an der Gmeind und nach einem sehr speziellen Interview des Gemeindeammanns im «Wynentaler Blatt», mochte Beat Heinzer nicht ins Detail gehen: «Ich habe keinen Erklärungsnotstand. Ich habe an der Gemeindeversammlung alles gesagt.»

In Leutwil braucht es sogar drei Neue

Noch schwieriger als in Zetzwil ist die Lage in Leutwil (761 Einwohner), wo Monika Müller in ihrem ersten Jahr als Gemeindeammann all ihre vier Ratskollegen verloren hat (die AZ berichtete). Und dazu die Gemeindeschreiberin und zwei Verwaltungsangestellte. Auch Monika Müller will durchhalten: «Im Moment denke ich nicht an Demission.» Ob sich diese Absicht aufrechterhalten lässt? Jetzt geht es erst einmal darum, drei Kandidaten (eine Ersatzwahl fand bereits statt) für die drei Demissionäre zu finden. Wie der amtlichen Publikation der Gemeinde zu entnehmen ist, läuft die Anmeldefrist für die Wahlen am 10. Februar bis zum 28. Dezember. Werden keine Kandidaten angemeldet, dürfte der erste Wahlgang chaotisch werden.

«Die Rücktritte erst verdauen»

Eher Erklärungen abgeben müsste der neue Gemeindeammann Daniel Heggli. Doch sein Interview im «Wynentaler» lässt die Leser ratlos zurück. Auf die Aussage, der Gemeinderat lasse die Bevölkerung mit der Informationsverweigerung im Regen stehen, erklärte er: «Ja, das tut mir leid. Auch wir müssen diese vier Rücktritte erst verdauen.» An anderer Stelle sagt Daniel Heggli: «Sicher ist, dass es mit mir als neuem Gemeindeammann eine Veränderung im Gemeinderat gab.» Und zur Frage, ob er als Führungskraft bei der Polizei den Unterschied zur Politik unterschätzt habe, sagte Daniel Heggli: «Nein, das Gemeindeammannamt habe ich nie mit meiner Arbeit bei der Polizei verglichen.»

Die Vorhaltung, die Verweigerung der Information wirke wie eine Schwäche, kontert Heggli folgendermassen: «Ich bin der Auffassung, in diesem Fall nichts zu sagen, braucht Stärke.» Der Interviewer spricht von einem Tolggen im Reinheft des Ammanns. Ob es da nicht schwierig sei, gute Leute zu finden? Dazu sagt Heggli: «Ich spüre auch Vertrauen seitens der Gemeinde. Es ist grundsätzlich schwierig, Freiwillige für den Gemeinderat zu finden.» Einen eigenen Rücktritt schliesst er aus: «Das wäre verrückt. Ich bin für vier Jahre gewählt.»