Der Tweet des Menziker Ammanns Erich Bruderer (48, FDP) ist deutlich: «Liebe Kirchenpflege, das nennt man Eigentor. Ich kann euch versichern, dass die Gemeinde Menziken die Organisatoren weiterhin unterstützen wird. Auch Muslime, Juden usw. gehören zu unserer Gesellschaft.»

Bruderer reagiert damit auf die sofortige Schliessung des Jugendkellers Starlight der katholischen Kirche Menziken-Reinach. Die Leiterinnen Madeleine Bättig und Barbara Weber vermeldeten letzte Woche, dass sie ab sofort den Bettel hinwerfen. Grund waren Differenzen mit der Kirchenpflege. Konkret ging es gemäss dem Leiterteam um Wünsche der Pfarrei, an Anlässen mit den Jugendlichen zu beten und nur noch christlichen Jugendlichen Einlass zu gewähren. Die AZ berichtete darüber unter dem Titel «Wunsch nach einem Gebet sorgte für Eklat» (Ausgabe vom 15.8.).

Das «Starlight»-Team erhielt den Prix Menzo

Der Jugendkeller, der sich im Untergeschoss des Menziker Pfarrheims befindet, wurde fünf Jahre lang von Eltern geführt. Die Kirche steuerte jährlich 1800 Franken bei.

«Für den ganzen Gemeinderat war die Nachricht der Schliessung ein Schock», sagt Erich Bruderer auf Anfrage der AZ. «Der Jugendkeller war immer sehr gut besucht und dem Starlight-Team wurde am letzten Neujahrsapéro der Prix Menzo verliehen, der Preis für aussergewöhnliche Leistungen. Das ist die höchste Auszeichnung unserer Gemeinde.»

Für Bruderer kam die Meldung unverhofft. Man habe ab und zu gehört, dass die Kirche nicht sehr glücklich mit den Discos sei und es gerne sähe, wenn gebetet würde. Es habe aber nichts darauf hingedeutet, dass ein Zerwürfnis bevorstehe.

Der Ammann hat seine Meinung der Kirchenpflege nicht nur auf Twitter, sondern auch in der Diskussion, die auf Facebook entstand, bekundet. «Da ist Seite Gemeinde definitiv Handlungsbedarf. Wir werden das Gespräch mit den Personen der Kirche führen», schreibt er in seinem Kommentar auf dem Facebook-Profil des Jugendkellers. Und: «Als Privatperson muss ich mir echt überlegen, den Austritt aus der katholischen Kirche zu geben!»

Denkt der Ammann also daran, der Kirche den Rücken zu kehren? «Die Kirchenpflege hat eine klare Aussage gemacht: Sie will keine Andersgläubige im Jugendkeller», so Bruderer. «Ich habe eine jüdische Frau und jüdische Stiefkinder, die oft ins ‹Starlight› gingen und dort offenbar nicht erwünscht sind.» Der Jugendkeller sei eine gute Integrationsmöglichkeit gewesen, die Jugendlichen hätten es gut untereinander gehabt, so Bruderer weiter. «Eine Ausgrenzung Andersgläubiger schürt doch nur gegenseitigen Hass.»

Warten auf die Antwort der Kirchenpflege

Gleich nach der Schliessung des Jugendkellers schrieb der Ammann einen Brief an die Kirchenpflege. «Ich habe darin ausgedrückt, dass wir vom Gemeinderat überrascht sind über die Schliessung», sagt er. Bisher sei von der Kirchenpflege noch keine Antwort eingetroffen.

Die Kirchenpflege liess letzte Woche verlauten, dass der Jugendkeller unter der Leitung des von der Kirche angestellten Jugendarbeiters bald wieder öffnet. Derweil hofft das bisherige Leiterteam des «Starlight», den Jugendtreff anderswo weiterzuführen. Gemäss Erich Bruderer werden derzeit geeignete Räume gesucht.