Leerau

Marcel Hauser: «In einem Jahr sollte die neue Kirchenpflege gefunden sein»

Marcel Hauser, Kurator der reformierten Kirchgemeinde Leerau.

Marcel Hauser, Kurator der reformierten Kirchgemeinde Leerau.

Sozialdiakon Marcel Hauser ist seit Anfang Jahr Kurator der reformierten Kirchgemeinde. Er soll diese nach turbulenten Zeiten neu organisieren. Seit dem 1. Januar haben Kirch- und Moosleerau weder einen Pfarrer noch eine Kirchenpflege.

Im vergangenen Herbst überstürzten sich in der reformierten Kirchgemeinde Leerau die Ereignisse. Am 23. September wurde bekannt, dass Pfarrer David Mägli, seit vier Jahren im Amt, abgewählt war. Dass der 36-Jährige per Ende Jahr mit seiner Familie das Pfarrhaus zu verlassen hatte. Die äusserst konservative Haltung des Pfarrers hatte zu diesem Resultat geführt. Zwei Tage später liess die frisch gewählte Kirchenpflege verlauten, dass sie geschlossen zurücktritt. Die fünf Kirchenpfleger waren mit der Abwahl des Pfarrers nicht einverstanden.

Seit dem 1. Januar haben Kirch- und Moosleerau also weder Pfarrer noch Kirchenpflege. Deshalb ist nun vorübergehend Marcel Hauser im Auftrag der reformierten Landeskirche Aargau als Kurator (Sachwalter) tätig. Der 59-Jährige ist Sozialdiakon der reformierten Kirchgemeinde Oftringen und arbeitet freiberuflich als Coach, Supervisor, Gemeinde- und Organisationsberater im kirchlichen und sozialen Bereich.

Kirchgemeinde aufrechterhalten

«Solche Ereignisse gehen mir emotional nahe», sagt Hauser, der im Dezember vom Kirchenrat für das Amt angefragt wurde. Die Übergabe der kirchlichen Geschäfte geschah in der zweiten Januarwoche. «Es waren eine Vertreterin des Kirchenrates und eine Juristin der kirchlichen Rechtsabteilung anwesend. Man erklärte mir die aktuelle Situation der Kirche Leerau, ihre Organisation und die verschiedenen Arbeitsbereiche», sagt Hauser. Auf den Kurator warten verschiedene kurz- und mittelfristige Aufgaben, wie er sagt: «Am Anfang geht es nun darum, den Betrieb der Kirchgemeinde aufrechtzuerhalten. Dafür muss man erst einmal mit allen Angestellten das Gespräch suchen und klären, wo allenfalls Unklarheiten bestehen. Ausserdem wurde nun befristet ein neuer Pfarrer mit einem 50-Prozent-Pensum angestellt. Dieser hatte beispielsweise Fragen, welche es zu klären gab.»

Den Pfarrer sucht er nicht

Hauser wird solange als Sachwalter wirken, bis eine neue Pfarrperson gefunden wurde. Allerdings braucht es dazu erst eine neue Kirchenpflege. Würde er selber für die Gemeinde einen Pfarrer suchen, ergäbe dies keinen Sinn, denn die Kirchenpflege muss mit der Pfarrperson gut zusammenarbeiten können, sagt er. «Sobald sich genügend Kirchenpflegemitglieder zur Wahl zur Verfügung stellten, bin ich dazu bereit, gemeinsam mit dem Gremium den Prozess für die Findung und die Wahl einer Pfarrperson einzuleiten.»

Aufgaben ausgelagert

150 Franken beträgt Hausers Stundenansatz als Sachwalter. Dieser sei vom Kirchenrat so festgelegt und gelte für alle Kuratoren. Das Engagement entspreche momentan etwa einem 20-Prozent-Pensum, sagt er. «Bisher betrug das Pensum des Pfarramtes 100 Prozent, seit dem 1. Januar nur noch 50 Prozent. Es wurden gewisse Aufgaben des Pfarrers an andere Angestellte oder auch an Nachbargemeinden verteilt. Ich koste nicht 50 Prozent eines Pfarrerlohnes, deshalb wird der Finanzhaushalt der Kirchgemeinde nicht gleich auf den Kopf gestellt», so Hauser Es hänge vom weiteren Prozess ab, wie sich der Arbeitsaufwand entwickle. «e mehr Komplikationen auftreten, desto mehr Arbeit gibt es natürlich. Ich hoffe und bin optimistisch, dass innerhalb maximal eines Jahres eine neue Kirchenpflege gefunden ist.»

Haben sich schon Interessierte bei ihm gemeldet? «Leider hat sich noch niemand bei mir gemeldet. Sollte es Interessierte geben, wäre ich ihnen dankbar, wenn sie auf mich zukommen würden. Dann können wir den Prozess schnell aufgleisen. Wenn die Einarbeitungsphase bald hinter mir ist, werde ich aktiv auf die Gemeindemitglieder zugehen. Auf der Gemeindeseite der nächsten Ausgabe der Kirchenzeitschrift «Reformiert» habe ich bereits einen Aufruf gestartet.» (tw/fdu)

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