Menziken/Oberkulm

Menziken macht es vor und zont Land aus für Oberkulm

Die Parzelle 954 an der Kasernstrasse im Südosten von Menziken wird von der Wohnzone 2 der Landwirtschaftszone zugeteilt.

Die Parzelle 954 an der Kasernstrasse im Südosten von Menziken wird von der Wohnzone 2 der Landwirtschaftszone zugeteilt.

Die Gemeinden Menziken und Oberkulm zeigen, wie regionales Denken und regionale Zusammenarbeit funktionieren kann. Sie arbeiten regional zusammen und sichern Arbeitsplätze mit dem Ausgleich von Baulandflächen.

An den Gemeindeversammlungen von Menziken und Oberkulm legen die Behörden den Bürgern eine Teiländerung der Nutzungsplanung zur Abstimmung vor.

Beide Gemeinden haben unterschiedliche Probleme zu lösen. In Oberkulm hat die Firma Glas Trösch AG den dringlichen Erweiterungsbedarf angemeldet: Trösch möchte an seinem Standort in der Bodenmatt ausbauen. Die Firma produziert und veredelt Glas seit über 100 Jahren.

Dabei wurde die Produktion laufend gesteigert und Arbeitsplätze konnten geschaffen werden. Heute beschäftigt die Firma rund 70 Mitarbeiter. Um auf dem Markt längerfristig bestehen zu können, sei ein Ausbau nötig, schreibt der Gemeinderat in seiner Botschaft.

Das ist jedoch nicht einfach möglich, weil für die Erweiterung der Oberkulmer Bauzone im Gebiet Bodenmatt sowohl der kantonale Richtplan und das Konzept Raumentwicklung Aargau zu berücksichtigen sind. Das Raumplanungsgesetz verlangt nach der Revision von 2013, dass die Kantone ihre Bauzonen nur noch erweitern dürfen, wenn ihr Richtplan den verschärften Anforderungen genügt.

Weil die Erweiterung der Glas Trösch AG dringlich sei, so der Gemeinderat Oberkulm, hätten sich kommunale, regionale und kantonale Instanzen um eine Lösung bemüht.

Erstmals regionaler Abtausch

Der Gemeinderat schlägt eine Lösung vor, bei der die Industriezone Bodenmatt um rund 37 Aren erweitert werden kann ohne Änderung des kantonalen Richtplans. Möglich ist die Erweiterung nur, weil erstmals ein regionaler Abtausch realisiert werden kann: Dazu bietet die Gemeinde Menziken Hand und zont im Südosten, im Gebiet Kasernstrasse eine gleich grosse Fläche Bauland zurück.

Die Gemeinde reduziert ihre zu grosse Bauzone um 37 Aren zugunsten der Landwirtschaftszone. Dafür darf Oberkulm 37 Aren Landwirtschaftszone in Industriezone umzonen. Es gibt in der Region keinen Verlust an Kulturland, dafür die Möglichkeit, die Arbeitsplätze in Oberkulm durch den Ausbau zu sichern.

«Jemand muss mit dieser Lösung beginnen», sagt der Menziker Bauverwalter Luigi Antonuccio, «diesmal sind wir es. Kosten entstehen für die Gemeinden keine.» Die Entschädigungs- und Ausgleichsfolgen würden ausserhalb des öffentlich-rechtlichen Verfahrens zwischen den beteiligten Parteien geregelt. Der Austausch kommt nur dann zu Stand, wenn beide Gemeindeversammlungen dem Geschäft zustimmen.

Gemäss Vorschlag des Kantons zum revidierten Raumplanungsgesetz muss Menziken noch mehr Bauland auszonen: 3,6 Hektaren sind es. Dies ist jedoch Bestandteil des Richtplanverfahrens und hat mit dem Landabtausch nichts zu tun.

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