Menziken

Musikschule: Früher «Lölizeugs», heute pädagogisch wertvoll

Mit einem Dorffest haben in Menziken die Musikschule und der Handwerker- und Trödlermarkt ihr 30-Jahr-Jubiläum gefeiert.

Vor 30 Jahren konnten Mädchen und Buben aus Menziken und Burg zum ersten Mal in der Musikschule ein Instrument erlernen. 217 Schülerinnen und Schüler nutzten dieses Angebot, 17 von ihnen wohnten in der Gemeinde Burg. Im Angebot waren neben Blockflöte, Trompete und Violine unter anderem auch Akkordeon, Gitarre und Klavier. Violoncello, Saxofon und Schlagzeug kamen später hinzu, zeitweise wurden sogar Ukulele und Ballett unterrichtet. Auch ein Chor und verschiedene Ensembles entstanden unter dem Dach der Musikschule, mit mehr oder weniger langer Lebenszeit.

Seit der Gründungszeit mit dabei ist Hanspeter Schweighofer, Lehrer für Blechblasinstrumente. Er bedauert, dass heute – im Gegensatz zu früher – den Schülern oft der Durchhaltewille fehlt. «Das Freizeitangebot ist gross, viele hören bereits nach einem Jahr wieder auf.» Seit 2009 haben sich die Schülerzahlen bei rund 170 eingependelt, die jeweils von etwa 15 Lehrerinnen und Lehrern unterrichtet werden.

Musik und Markt an einem Fest

Das Jubiläum feierte die Musikschule am Wochenende mit einem grossen Dorffest, an welchem sich auch der Handwerker-, Trödel- und Flohmarkt der Brockenstube beteiligte, der seit 10 Jahren besteht. So herrschte am Freitag und Samstag geschäftiges Treiben im Dorf. An verschiedenen Ständen beim Weco-Schulhaus wurden handgestrickte Socken, Dekogegenstände oder alte Comic-Hefte angeboten, Musikschüler unterhielten die Besucher mit kurzen Konzerten.

Für das Musikschul-Jubiläum haben Andreas Schlegel und Markus Widmer-Dean eine Festschrift verfasst. Diese hält nicht nur die Geschichte der Schule fest, sondern gibt auch einen Überblick über die Entwicklung der Musik im Allgemeinen. Ausserdem liefert sie Hintergrundinformationen zu allen Stücken, welche das Gesamtorchester in seinem Jubiläumskonzert spielte.

Der Festakt fand am Samstagabend im Gemeindesaal statt. Hanspeter Schweighofer umrahmte zusammen mit Ehemaligen seiner Schüler-Big-Band die Ansprachen. «Vor 30 Jahren wurde Musikunterricht noch als ‹Lölizeugs› abgetan», berichtete Gemeindeammann Annette Heuberger. «Heute weiss man, dass Musik bildet und verbindet.» Auch Ständerätin Christine Egerszegi wies auf die pädagogischen Vorteile des Musizierens hin. «Wer ein Instrument lernt, entwickelt nicht nur musikalische Fähigkeiten. Man lernt auch, aufeinander zu hören, miteinander anzufangen und aufzuhören.» Als ehemalige Musikschulleiterin kenne sie zudem den Aufwand für die Verantwortlichen und könnte sich vorstellen, wie viele Formulare in 30 Jahren ausgefüllt werden mussten. Ein Kränzchen wand Egerszegi auch den Eltern, da diese sich finanziell an der Ausbildung beteiligen.

Die Musik entschleunigt

Hector Herzig, ehemaliger Präsident des Verbands Musikschulen Schweiz, fand einen weiteren Vorteil des Musizierens: «Musik zu erlernen braucht Zeit. Dies bremst das Tempo in der heutigen Zeit.» Er wünschte der Musikschule viel Kraft, um die Kinder auch weiterhin zu begeistern.

Die Begeisterung für die Musik war im anschliessenden Festkonzert besonders gut zu spüren. Unter der Leitung von Roman Blum spielte das Gesamtorchester Musik vom 16. Jahrhundert bis in die Neuzeit, das mit dem bekannten Lied der Menzikerin Monika Morell «Ich fange nie mehr was an einem Sonntag an» endete.

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