Attelwil

Nach einem Jahr hat das Dorf seine Beiz wieder – mit dem neuen Namen «Sopra»

Ein Fiat 500 im Restaurant drin? Veprim Ukaj bringt damit ein Stück Italianità.

Ein Fiat 500 im Restaurant drin? Veprim Ukaj bringt damit ein Stück Italianità.

Die «Schmiedstube» in Attelwil ist wieder offen: Unter dem neuen Namen «Sopra» und mit dem neuem Wirt Veprim Ukaj.

Veprim Ukaj ist ein fröhlicher, kommunikativer Mensch. Das haben auch die Stammtischler am Freitagmorgen gemerkt, als sie am ersten Tag der Neueröffnung der «Schmiedstube» ihren Kaffee tranken. «Schmiedstube»? Das war einmal. «Sopra» heisst die Wirtschaft nun, italienisch für «oben». Der Name steht für Italianità und wird dem Lokal, das auch Pizza und Pasta auf der Karte führt, gerecht. Er steht aber auch für den Werdegang eines Mannes, der sich von der Rüebli rüstenden Küchenhilfe zum Küchenchef des Restaurants Caravelle am Löwenplatz in Luzern hochgearbeitet hat.

Und just da, im «Caravelle», wo neben der Italienischen auch die Schweizer Küche zelebriert wird, bahnte sich Veprim Ukajs Sprung aufs Land an. «Willi war unser Stammgast», erzählt der 38-Jährige, der mit 16 aus dem Kosovo in die Schweiz gekommen ist, wo sein Vater auf dem Bau arbeitet. Willi? Das ist der Reitnauer Willi Lehmann, Besitzer der «Schmiedstube». Und weil der Küchenchef sich eben nicht in der Küche versteckte, kam man ins Gespräch; Veprim erfuhr von der «Schmiedstube» und wagte es, Lehmann anzurufen und zu fragen, ob das Restaurant in Attelwil zu haben wäre. Zu mieten natürlich. Seine Vorgängerin als Pächterin war nach zwei Jahren gegangen; rund ein Jahr stand die «Schmiedstube» leer. Das konnte auch nicht im Sinn der Besitzerfamilie sein.

Veprim Ukaj besuchte mit seiner Familie das Suhrental, und auch seiner Frau gefiel das Lokal mit seinen rund 60 Plätzen, Wintergarten und Saal. Und es kam zum Deal. «Du musst ein Konzept haben», sagt Veprim Ukaj. Und dieses nahm er gleich aus Luzern mit: italienisch, saisonal und eidgenössisch. Die umfangreiche Karte beeindruckt; die Preise sind alles andere als überrissen. Tagesmenüs (drei bis vier stehen zur Auswahl) gabs am Eröffnungstag ab 16.50 Franken. Auch hier steht ein Konzept dahinter.

Fleisch oder Fisch (freitags), Pasta und Pizza, Plus einen Salat dazu. Mut, Kraft, Zuversicht, das brauche es schon, sagt Veprim Ukaj, und er ist sich bewusst, dass Attelwil nicht an einer Hauptverkehrsachse liegt, die auch «Laufkundschaft» brächte. «Wenn man es gut macht, kommen die Leute auch von weiter her», ist er überzeugt, überlässt das Urteil über die Qualität natürlich den Gästen: «Man muss sich einen Namen schaffen.» Daran arbeitet er. Mit seiner zugänglichen Art stehen die Chancen gut. Ukaj hat nicht viel verändert. Der Stammtisch steht jetzt näher beim Tresen und etwas abgetrennt. Er ist auch der einzige Tisch ohne Tischtücher. Auf den Tischen liegen saisongerecht Clementinen und Erdnüsse. Neben dem Eingang verströmt ein Fiat Cinquecento Italianità.

Lokale Vereine haben wieder einen Treffpunkt

Noch sucht der Vater einer 15-jährigen Tochter, die als Fachfrau Gesundheit die Lehre angefangen hat, und eines 9-jährigen Sohns eine zweite Serviceangestellte. «Unter vier Personen geht es nicht, mich eingerechnet», sagt er, der zusammen mit einem Pizzaiolo die Küche führt und beim Falten der Servietten hilft. Denn am Wochenende ist es losgegangen mit dem «Sopra»-Betrieb.

«Büro, Bau oder Bauern, bei mir sind alle Gäste gleich willkommen», sagt er. Auch der Rentner, der nach dem Spaziergang einen Kaffee geniessen will. Ein Zielpublikum sind die Reitnauer und Attelwiler Vereine, die sich nun in der Gemeinde zum Bier nach der Probe oder zur Versammlung treffen können. Die ersten Reservationen gabs bereits am Wochenende: Die örtliche Samichlausgesellschaft ging am Samstagmittag mit dem guten Beispiel voran.

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