«Wir haben doch in unserem Dorf wichtigere Probleme», sagt alt Nationalrat und Ehrenbürger Hans Ulrich Mathys. Er ist Vorstandsmitglied der lokalen SVP und tritt als deren Sprecher auf.

Mathys ärgert sich «über den einfältigen Beschluss des Gemeinderates, das Glockengeläute nachts ausser Betrieb zu nehmen». Einem Gemeinderat, in dem die SVP mit zwei Mitgliedern vertreten ist.

Wie die AZ am Montag berichtete, hat der Gemeinderat Holziken «aufgrund von früheren mündlichen Anfragen und aktuell auf einen schriftlichen Antrag hin» beschlossen, die Glocken im alten Schulhaus zwischen 23 und 6 Uhr nicht mehr schlagen zu lassen. Es soll also ab 2020 auf den Schlag aller Viertelstunden verzichtet werden. Dies auf der Basis des Nachtruhegesetzes.

«Wir starten eine Unterschriftensammlung»

Holziken hat aktuell 1454 Einwohner. Das ländliche Dorf ist in den letzten Jahren als Folge des Baubooms stark gewachsen. Auch jetzt wieder ist unmittelbar neben der Schulanlage die Baustelle für eine Grossüberbauung in Vorbereitung. In der Überbauung «Im Gässli» sind gemäss Internet-Auftritt der Firma «Neue Wohnbau AG» drei Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 42 Eigentumswohnungen geplant. Im Dorf wird kolportiert, die Investoren hätten sich darum bemüht, dass die Glocken nachts verstummen.

Es handelt sich um ein weltliches, nicht sehr lautes Geläut. Ein Geläut, an das sich die alteingesessenen Holziker in den letzten etwa hundert Jahren gewöhnt haben. «Das ist keine Nachtruhestörung», findet Hans Ulrich Mathys. Es gebe in der Bevölkerung einen Sturm der Entrüstung gegen die Abstellung des Glockengeläuts. Stossrichtung: «Was ist überhaupt mit dem Gemeinderat los?»

Die SVP will gegen das Verstummen der Glocken kämpfen. Einerseits lässt sie juristische Abklärungen machen, ob der Gemeinderat überhaupt eine genügende rechtliche Grundlage für seinen Glocken-Entscheid hatte. Andererseits lanciert sie eine Petition: «Wir starten eine flächendeckende Unterschriftensammlung», verrät Mathys. «Wir sind nicht bereit, den gemeinderätlichen Entscheid so hinzunehmen.» Mathys ist überzeugt, dass die Dorfexekutive hätte subtiler vorgehen müssen. Dass sie etwa mittels eines Vernehmlassungsverfahrens hätte abklären sollen, ob tatsächlich weite Kreise der Bevölkerung den Glockenschlag als störend empfinden.