Im September sorgte der Fall eines Mannes, der in nächster Nähe des Spitals Menziken nach einem Herzstillstand verstarb, für grosse Aufmerksamkeit. Der 53-Jährige überlebte nicht, weil die Ambulanz erst nach 30 Minuten eintraf, wie der «Blick» damals berichtete. Eine Welle der Empörung brach danach auf Social Media über das Asana Spital Menziken ein (AZ vom 10.9). Im Einsatz stand seinerzeit auch die Regionalpolizei aargauSüd, ausgerüstet mit einem Defibrillator. Die Polizisten leisteten Soforthilfe.

Jetzt bauen der Rettungsdienst des Asana Spitals Menziken und die Repol aargauSüd ihre Zusammenarbeit weiter aus. Seit einiger Zeit sind alle Fahrzeuge der Regionalpolizei mit einem automatischen externen Defibrillator (AED) ausgerüstet. Die AEDs seien bereits vor dem Vorfall im August von der Repol bestellt gewesen, sagt der Leiter des Rettungsdienst Hans-Peter Wyss: «Wir haben aber den tragischen Fall zum Anlass genommen, in der Ausbildung von Basic Life Support (BLS) vorwärtszumachen.»

Mann stirbt, weil Ambulanz zu lange zum Unfallort brauchte

Mann stirbt, weil Ambulanz zu lange zum Unfallort brauchte: So berichtete "Tele M1" am 8. September 2018.

Repol als First Responder

Am Dienstag wurde ein Team der Regionalpolizei aargauSüd durch Fachleute des Menziker Rettungsdienstes in der fachgerechten Anwendung des AED geschult. So kann die kantonale Notrufzentrale die Regionalpolizei künftig als sogenannte First Responder zum Einsatz aufbieten, wo sie lebensrettende Sofortmassnahmen leistet bis ein Krankenwagen eintrifft. «Pro Minute, während der man bei einem Herzstillstand nichts macht, sinkt die Überlebenschance um zehn Prozent», sagt Wyss. Die Problematik sei bekannt. An Wochentagen stünden zwei Rettungsteams im Einsatz, an Wochenenden und Feiertagen sei eines im Einsatz. «Ein Auto ist immer für Notfälle reserviert», sagt der Leiter des Rettungsdienstes. Wenn ein Team aber bereits unterwegs ist, geht es länger, bis ein Krankenauto vor Ort ist. Hier bietet die Regionalpolizei nun Hand: «Da wir uns in einer Randregion befinden, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass sich die Polizei bei einem Notfall als erstes beim Einsatzort einfindet», sagt Dieter Holliger, Chef der Regionalpolizei aargauSüd. Deshalb hat die Repol die Defibrillatoren in Absprache mit dem Spital angeschafft, «um optimal helfen zu können.» Mit der Ausrüstung der Polizei mit AED erhalte der Rettungsdienst nun wertvolle Unterstützung, sind sich die Verantwortlichen des Spitals sicher.

Deutschschweiz hinkt hinterher

Jährlich sterben in der Schweiz rund 8000 Menschen an einem plötzlichen Herztod. Während in der Deutschschweiz das First Responder-System noch nicht Fuss gefasst hat, ist der Kanton Tessin mit seinen 950 Defibrillatoren einen Schritt weiter. Die Standorte der AEDs im Tessin sind bekannt und können sogar mit der eigens dafür konzipierten App ausfindig gemacht werden. «In unserer Region wissen die wenigsten, wo es Defibrillatoren hat», gibt Hans-Peter Wyss zu Bedenken.