«Wir liegen in einer ungünstigen Entfernung zu den Spitälern Aarau, Zofingen und Menziken», sagt David Rickenbach von der Herznotfallgruppe Schöftland, die neben Schöftland auch für Staffelbach, Holziken und Hirschthal zuständig sein wird.

Konkret: Die Ambulanzen brauchen zu viel Zeit, um rechtzeitig vor Ort zu sein, wenn ein Herzinfarkt oder ein Herzstillstand vorliegt: 15 bis 20 Minuten. Am Schöftler Weihnachtsmarkt stellte sich die Gruppe der Bevölkerung vor.

Ortskenntnisse besser

Die Herznotfallgruppe sieht sich nicht als Konkurrenz zu den Rettungsdiensten, sondern viel mehr als Organisation, die Ersthilfe leisten und mit qualifizierten Vorarbeiten einen früheren Beginn der eigentlichen Behandlung ermöglichen kann. Pro Minute verringere sich die Überlebenschance um 10 Prozent, sagt Rickenbach. Da ist die Rechnung schnell gemacht.

«Wir haben Probefahrten unternommen zum äussersten Ende von Staffelbach hoch, zur Reithalle Holziken und bis zur Grenze Hirschthal-Muhen», sagt Rickenbach. Das Resultat: In vier bis sechs Minuten sind diese Stellen ab Schöftland erreichbar. Ein weiterer Vorteil einer solchen regionalen Einsatzgruppe sind ihre Ortskenntnisse.

Die Idee zu einer solchen Gruppe sei aus dem Umfeld der Feuerwehr gekommen, wo solche Notfälle vorgekommen sind. «Den Defibrillator hat die örtliche Raiffeisenbank gespendet, die ihren Leiter durch einen Herzinfarkt verloren hat», sagt David Rickenbach. Vor zwei Jahren sei man mit einer solchen Gruppe in Rothrist zusammengesessen, wo auch die finanziellen Aspekte zur Sprache gekommen seien.

Im Suhrental kostet diese Gruppe die vier Gemeinden 60 000 Franken. Darin inbegriffen sind das Fahrzeug samt Ausrüstung, welches im Feuerwehrmagazin Schöftland stationiert ist, sowie die Ausbildung der Gruppe. Dazu gehören 24 Personen, neben Feuerwehrleuten auch Personen aus dem Samariterverein und interessierte Private. «Die Leute sind zwischen 20 und 50 Jahre alt und beiderlei Geschlechts», sagt Rickenbach.

«Basic Life Support»

Die Gruppe gibt keine Medikamente ab. Sie wurde von der Firma Sirmed, einem Institut für Rettungsmedizin beim Schweizerischen Paraplegikerzentrum in Nottwil, ausgebildet, um «Basic Life Support» leisten zu können. Das sind Sofortmassnahmen: Einsatz des Defibrillators, Herzdruckmassage, Beatmung.

Zu diesem Zweck verfügt das Fahrzeug über einen Defibrillator, Beatmungsmaterial, Blutdruck- und Pulsmessgerät, Desinfektionsmittel, Schutzbrille, Handschuhe, ein Sauggerät, Lampen. Das Auto ist auch mit Blaulicht und Signalhorn ausgestattet.

Per iPad ist man mit der Einsatzleitstelle der Ambulanz in Aarau verbunden. Die 24 Erstreagierenden («First Responders») sind in zwei Gruppen aufgeteilt, die je einen Monat eingeteilt sind und gleichzeitig wie der Rettungsdienst der Spitäler über die Nummer 144 alarmiert werden und ausrücken.

«Alle Eingeteilten wohnen in einer der vier Gemeinden. Man rückt immer zu zweit aus, um die Verantwortung teilen und einander gegenseitig unterstützen zu können», sagt David Rickenbach.

Die Herznotfallgruppen sind dem Departement Gesundheit und Soziales unterstellt. Mit wie vielen Einsätzen rechnet man? «Ich schätze, einen bis zwei Einsätze pro Monat könnte es schon geben», meint Rickenbach. Und wenn jemand aus Kirchleerau oder aus dem Ruedertal die 144 anruft?

Dann wird Schöftland nicht alarmiert. Das Problem, so Rickenbach, seien die Distanzen und damit die Zeit, bis man vor Ort ist: «Wir können nicht das ganze Suhrental noch bedienen.» Kirchleerau läge noch in Reichweite, doch bisher sind die vier Gemeinden der Regiowehr Suhrental auch die Gemeinden der Herznotfallgruppe.