Teufenthal

Neuer Gemeindeammann: «Ich wäre für eine Wynentaler Grossfusion»

Gemeindeammann Niklaus Boss mit dem Modell der neuen Grossüberbauung.

Gemeindeammann Niklaus Boss mit dem Modell der neuen Grossüberbauung.

Für den neuen Ammann Niklaus Boss ist ein selbstständiges Teufenthal nur durch höheres Engagement der Bürger möglich.

Sein Einstand als Gemeindeammann war ob der Pandemie ein ziemlich stiller. Der parteilose Niklaus Boss (56), am 9. Februar zu Teufenthals neuem Gemeindeoberhaupt gewählt, hat sein Amt am 1. Juli angetreten. Seine erste Aufgabe: dafür zu sorgen, dass sein Vierer-Gremium wieder komplett wird.

Denn obwohl sein Vorgänger Urs Lehner (SVP) und Vize Thomas Plüss (parteilos) ihren Rücktritt mit Absicht frühzeitig im Herbst 2019 verkündet hatten, fand sich mit dem parteilosen Patrick Schmid erst ein neuer Gemeinderat.

«Glücklicherweise haben wir einen Kandidaten gefunden», sagt Niklaus Boss beim Gespräch im Gemeinderatszimmer. Dieser werde sich demnächst für die Wahl vom 27. September anmelden. Doch Aufatmen ist danach nicht angebracht: «Es sind zwei weitere Rücktritte per Ende der Amtsperiode zu erwarten. Die Wahlen finden im Juni 2021 statt, also müssen wir bald mit der Suche beginnen.»

Ammann wünscht sich mehr Engagement im Dorf

Kandidaten für Ämter sind in Teufenthal noch dünner gesät als in umliegenden Gemeinden. Das liege zum einen daran, dass es in Teufenthal keine Ortsparteien gebe, also niemand dafür kämpfe, dass bei einem Abgang eine Nachfolge derselben Partei nachrückt. Zweitens, so Boss, fehle im Dorf etwas Engagement. Die Gemeindeversammlung von 2011 habe mit der Ablehnung des Projektierungskredits zur Fusion mit Unter- und Oberkulm entschieden, dass man selbstständig bleiben wolle.

«Das funktioniert aber nur, wenn sich Bewohnerinnen und Bewohner in der Gemeinde engagieren.» Niklaus Boss spricht gerne Klartext. «Ich bin ein Macher, kein Diplomat», sagt er selber. Nachdem er in den 90er-Jahren als junger Anwalt in der Aargauer Verwaltung tätig war, ging Niklaus Boss in die Privatwirtschaft und war bei Von Roll und der Suhrer Firma Dobi-Inter AG tätig.

Heute ist er Geschäftsführer von Tissa in Oberkulm. Seit 2018 ist er im Gemeinderat. Es sei ein spannender Job, aber man müsse einstecken können.

Schuldenberatung, um Sozialfälle vorzubeugen

Der neue Ammann macht keinen Hehl daraus, dass er seine Gemeinde lieber fusioniert sähe. Und das nicht bloss mit den Nachbargemeinden. «Ich wäre für die Grossfusion der Wynentaler Gemeinden zur Gemeinde Aargau-Süd, doch das ist eine derzeit noch nicht realistische Vision.» Eine Fusion steht für Boss jedoch vorerst nicht auf der Prioritätenliste, denn die Gemeinde habe diesen Weg erst vor neun Jahren abgelehnt.

Was er dringend anpacken will, ist die Sanierung der Gemeindefinanzen, um die es in Teufenthal ziemlich traurig steht. Die Gemeinde hat hohe Sozialausgaben und tiefe Steuereinnahmen, trotz eines Steuerfusses von 122 Prozent. «Für 2020 budgetierten wir ein Defizit von knapp 400'000 Franken. Nächstes Jahr könnten die Einnahmen einbrechen, unser Eigenkapital wird immer kleiner.»

Ein Ansatz könnte gemäss dem Ammann eine Früherkennung von Verschuldung und gezielte Schuldenberatung sein, um die Sozialkosten zu senken. Aber auch um Massnahmen auf der Einnahmenseite werde man nicht herumkommen.

Grossüberbauung ist das erste von drei Projekten

Könnten die Zuzüger, die dereinst in die 85 ausgesteckten Wohnungen und Tiny Houses oberhalb der Dürrenäscherstrasse ziehen, die Steuerkasse etwas aufbessern? «Einen grossen Anteil an Mehrsteuern wird die neue Siedlung wohl nicht einbringen, da wären Minihäuser nicht die richtigen Objekte.» Eine Grossverdiener-Siedlung sei aber in Teufenthal, das nicht mit Seesicht gesegnet sei, auch nicht machbar.

Persönlich ist Boss ein Fan der Tiny Houses. Die aktuellen Überbauungspläne, schon der zweite Anlauf, den Hang zu bebauen, findet er gelungen. Wer sich ob des Stehlenwalds auf der Teufenthaler Wiese erschreckt, der holt besser tief Luft.

Denn er stellt lediglich das erste von drei grossen geplanten Bauprojekten dar. Ein zweiter Hangabschnitt ist bereits erschlossen. Kann die Gemeinde überhaupt so viele Zuzüger verkraften? Zwar sei es nicht die Gemeinde, die baue, sondern die Grundeigentümer, so Boss, «aber der Gemeinderat muss dafür sorgen, dass sie sich richtig entwickelt».

Infrastruktur biete Teufenthal mit WSB, Volg und Primarschule genügend, ein Problem könnte jedoch der Parkverkehr von Besuchern der Siedlungen werden. Das prestigeträchtigste Immobilienobjekt der Gemeinde ist die kürzlich auf den Markt gekommene Trostburg.

Der Wunschkäufer des Ammanns: «Jemand, der noch im Arbeitsleben steckt und Einkommenssteuern bezahlen kann.»

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