Es war eine zügige Praxisübergabe, die Christian Fahé hinter sich hat. Im April erst hatte sich der 39-jährige Allgemeinmediziner zur Übernahme der Hausarzt- und Familienpraxis in Muhen entschieden. Am 1. Juli empfing er bereits seine ersten Patienten. «Ursprünglich sollte ich zu einem späteren Zeitpunkt beginnen. Aus persönlichen Gründen wünschte aber meine Vorgängerin, Andrea Krause, die Praxis schon früher übergeben zu können», sagt Fahé. So verlegte der gebürtige Kameruner seinen Wohnort vor wenigen Wochen von einem Stuttgarter Vorort nach Staffelbach. Nach Deutschland war Fahé 1997 für das Medizinstudium gekommen. Er studierte an den Universitäten Greifswald an der Ostsee und in Marburg und arbeitete danach in verschiedenen Krankenhäusern des Landes.

Ohne Eltern nach Frankreich

In Europa lebte Fahé schon vor seinem Studium. Mit 14 Jahren schickten ihn seine Eltern auf eine Schule in der Nähe von Toulouse. «Damals gab es Unruhen in Kamerun, weshalb meine Eltern mich und zwei meiner Geschwister für den Rest unserer Schulzeit nach Frankreich schickten. Glücklicherweise waren sie in der Lage, das zu finanzieren», sagt Fahé.

Der Entscheid, in Deutschland zu studieren, hatte praktische Gründe: «In Frankreich weiss man erst nach dem Selektionsprozess nach zwei Jahren Studium, ob man weiterstudieren kann. Meine Chancen, weiterzukommen, hätten als Nichteuropäer schlechter gestanden als bei meinen Kommilitonen. In Deutschland hatte ich nach der Aufnahme durch die Universität Gewissheit, das Studium absolvieren zu können.» Nach einem siebenmonatigen Sprachkurs war Fahés Deutsch reif für die Uni. Zwanzig Jahre später sprudeln die Worte in astreinem Hochdeutsch aus seinem Mund. «Schweizerdeutsch verstehe ich auch immer besser», sagt der Arzt und lacht.

Mit einem Umzug in die Schweiz liebäugelte Fahé seit Abschluss seines Spezialisierungsstudiengangs in Nephrologie (Nieren- und Hochdruckerkrankungen). «Das Krankenkassensystem in Deutschland macht es Allgemeinpraktikern praktisch unmöglich, gleichzeitig in ihrer Spezialrichtung tätig zu sein. Ich musste mich deshalb für das eine oder andere entscheiden», so Christian Fahé. Nach einer Weile als Nierenspezialist fehlte dem Arzt jedoch das Tätigkeitsfeld in der inneren Medizin zu sehr. Dies in einer Zeit, in der viele seiner Kollegen dem Hausarztberuf den Rücken kehren. «Ich wollte immer Kontakt zu Patienten haben. Die Arbeit im Spital kann zwar geregelter und weniger anstrengend sein. Mir gefällt es aber, mich mit Patientengeschichten auseinanderzusetzen, da schreckt mich auch der Aufwand nicht ab», macht er klar.

Südlich der Grenze sah Fahé mehr Möglichkeiten, sich als Arzt weiterzuentwickeln. «Ich wusste, dass mir das schweizerische Gesundheitssystem ermöglichen würde, als Hausarzt auch die nephrologische Versorgung anzubieten und begann, aktiv nach einer Praxis in der Schweiz zu suchen.» Das war im Dezember. Kurz darauf ging das Ehepaar Fahé auf Praxissuche im Nachbarland, das den Vertreter der vom Aussterben bedrohten Hausarztzunft mit offenen Armen empfing. Alles ging so schnell, dass Fahé vorerst allein in die Schweiz gekommen ist. Frau Olivia und die drei Töchter werden erst Ende des Sommers nach Staffelbach ziehen. «Ich freue mich, dass meine Kinder ihr Französisch, das wir zu Hause sprechen, in der Schweiz nun in der Schule brauchen können», sagt Fahé. Dass ausserhalb der heimischen Stube Deutsch gesprochen wird, darauf achten die kleinen Fräuleins streng: «Als ich meine Tochter im Kindergarten einst auf Französisch ansprach, sagte sie: ‹Deutsch, Papa!›»

Überraschte Patienten

«Die Übergabe der Praxis war für die Patienten etwas schnell. Manche merken erst, dass der Hausarzt gewechselt hat, wenn sie mir gegenübersitzen», sagt Fahé. Soweit seien die Erfahrungen mit Patienten aber gut. Sie seien froh, das jemand für sie da sei. Auch die Begegnungen im Alltag würden erfreulich verlaufen: «Müheler haben mir von Dorfgenossen berichtet, die schwierig seien. Bisher hatte ich aber nur positive Begegnungen.» Das liege bestimmt an seiner freundlichen Art, habe ihm ein Patient kürzlich gesagt.