Nachdem der erste Entwurf für Hochwasserschutzmassnahmen an der Suhre schlecht abgeschnitten hatte, ging der Kanton noch einmal über die Bücher. Anfang Jahr stellte er das überarbeitete Projekt vor. Nun hat das zweite Vernehmlassungsverfahren geendet.

Die Reaktionen von Parteien und Naturschutz sind überwiegend positiv. Am meisten Anlass zu Kritik gaben die 9,4 Hektaren Fruchtfolgefläche, die auf Kosten der Landwirte für die Renaturierung und den Hochwasserschutz verwendet werden sollen. Am kürzesten hielt sich in ihrer Reaktion die EVP: «Den Hochwasserabfluss oberhalb der Siedlungsgebiete zurückzuhalten ist sehr sinnvoll», schreibt sie in ihrer Stellungnahme. Sie unterstütze das Projekt als wirksame Massnahme, um Schäden durch immer häufigere Starkniederschläge zu minimieren. Unterstützung auch vonseiten der CVP. Sie lobt, dass das überarbeitete Kombiprojekt mit Hochwasserschutz und Renaturierungsmassnahmen erhebliche finanzielle Vorteile bringe. Denn der Einbezug einer Revitalisierung der Suhre führt dazu, dass der Bund rund 80 Prozent anstatt 35 Prozent der Gesamtkosten übernehmen würde.

«Die CVP Aargau beurteilt dieses neue Vorgehen als zielführend, können doch dadurch wesentliche Synergien genutzt und zusätzliche Bundesbeiträge vereinnahmt werden».

Von den insgesamt sechs geprüften Varianten biete das nun zur Diskussion gestellte Projekt die beste Wirkung und das beste Kosten-Nutzenverhältnis. Auch den Verlust von 9,4 Hektaren Fruchtfolgefläche in Moosleerau, Staffelbach und Reitnau/Attelwil hält sie vertretbar. Sie erinnert daran, dass durch die mit dem Projekt einhergehenden Meliorationen durch die Verlegung eines Drainagesystems 25 Hektaren zusätzliche Fruchtfolgeflächen geschaffen würden. Trotzdem bittet die CVP in ihrer Stellungnahme, zu prüfen, ob die verlorenen Flächen zumindest teilweise andernorts kompensiert werden könnten. Ausserdem hebt sie hervor, dass durch die Massnahmen rund 70 Hektaren landwirtschaftliche Nutzfläche geschützt werden kann.

Bauern sollen weniger zahlen

Am deutlichsten Kritik äussert die SVP. Sie weist darauf hin, dass der Bund mit finanziellen Anreizen Renaturierungsmassnahmen auf Kosten von Landwirtschaftsflächen begünstige. Die SVP gelangt mit zwei Anträgen an den Regierungsrat. Zum einen fordert sie eine geringfügige Reduzierung des Verlusts von Fruchtfolgefläche von 9,4 auf maximal 8 Hektaren. Und die Melioration solle so umgesetzt werden, dass den betroffenen Grundeigentümern keine Kosten entstehen. «Dank Rückhalteräumen kann effizienter Hochwasserschutz betrieben werden. Die Bauern aber bezahlen die Zeche. Das muss anerkannt werden», teilt die Partei in ihrer Stellungnahme mit. Sie behält sich vor, je nach Ausgang der Beratungen dem Projekt zuzustimmen oder es abzulehnen.

Die Grünen schreiben, dass «in diesem Fall nicht zu vermeiden ist, dass wertvolle 9,4 Hektaren Fruchtfolgefläche beansprucht werden». Sie setzen sich ausdrücklich auch für die geplanten Bachöffnungen in Attelwil, Moosleerau und Reitnau ein. Bauliche Eingriffe in Gebiete, die im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler sind, erachte die Partei grundsätzlich als Ausschlusskriterium. «Wir anerkennen aber die Bemühungen um die Einbettung des Dammbauwerks in die Moränenlandschaft.» Weil ausserdem eine grossflächige Riedwiese geplant ist, könne die Partei dem Projekt zustimmen. Sie fordert, dass die verlorenen Fruchtfolgeflächen kompensiert werden und bei ökologischen und landschaftsästhetischen Aufwertungen keine Abstriche gemacht werden.

Zustimmung erhält das Projekt auch von der SP unter Beachtung einiger Aspekte. So solle die mit dem Kanton Luzern die vollständige Revitalisierung und Fischgängigkeit der Suhre erreicht werden. Und «wo immer möglich» solle eine weitere Versiegelung des Bodens vermieden werden. In einem gemeinsamen Communiqué befürworten auch WWF Aargau und Birdlife Aargau die Massnahmen.