Menziken

Pfarrerin Carina Meier geht zurück in ihre Heimat

Pfarrerin Carina Meier im Kirchenraum, den sie lieb gewonnen hat.Peter Siegrist

Pfarrerin Carina Meier im Kirchenraum, den sie lieb gewonnen hat.Peter Siegrist

Als Pfarrerin Carina Meier in Menziken mit der Gemeinde ihren ersten Gottesdienst feierte, war sie gerade mal 25 Jahre jung. Vor gut vier Jahren war sie ins Pfarrhaus eingezogen und am nächsten Morgen stand sie bereits auf der Kanzel.

«Ich habe schon als Primarschülerin gewusst, ich möchte einmal Pfarrerin werden, und dieses Ziel habe ich konsequent verfolgt», sagt sie heute. Aufgewachsen ist Carina Meier im Berner Seeland – ihr Dialekt verrät dies sofort – in Biel hat sie die Matura gemacht. Nachher das Studium der Theologie in Basel, anschliessend das Vikariat. Alles sehr direkt und zielgerichtet.

«In Menziken trat ich genau so eine Stelle an, wie ich sie gar nicht gesucht hatte», sagt die Pfarrerin, nämlich ein Einzelpfarramt, vorerst als Stellvertreterin, und dies zu 100 Prozent. Teil eines Pfarrteams zu sein, war ihr Wunsch gewesen. «Ein Einzelpfarramt habe ich mir zuerst gar nicht zugetraut», gibt sie zu. Dann tauchte sie in die Arbeit ein, immer auch im Bewusstsein, «dass die Lebenserfahrung von selber kommt.»

Mit der Wahl von Pfarrer Hossbach war in Menziken wieder ein Pfarrteam im Einsatz und Carina Meier ein Teil davon.

Wie kann man schon als Kind wissen, dass man Pfarrerin werden mächte? «Ich habe Pfarrer in der Verwandtschaft, habe als Kind und Jugendliche erlebt, wie unterschiedlich Pfarrer ihren Beruf ausüben. Dieser Wunsch wurde allmählich zum Willen, zur Berufung, und das hat die junge Frau durchgezogen. Nein, ein besonderes lautes oder leutseliges Kind sei sie nicht gewesen. «Ich habe gar die toten Sprachen Latein und Griechisch mehr geliebt als die modernen Fremdsprachen und das Reden.»

Doch jetzt in der Rolle der Pfarrerin fällt es ihr leicht, auf die Menschen zuzugehen. «Ich glaube gar, ich bin als Pfarrerin noch kontaktfreudiger als privat», schmunzelt sie. Pfarrerin sein ist Berufung, davon ist Carina Meier überzeugt, «das ist bei mir keine leere Floskel.» Pfarrerin sein, das müsse man leben, sagt sie, dabei gehe es nicht primär ums Vorbild sein. «Der Beruf ist Teil meines Lebens, ich will authentisch sein.»

Aus der Sicht der Gemeinde bedeute dies, die Menschen sollen merken, «unsere Pfarrerin glaubt, was sie erzählt.» In diesem Sinn sei das Evangelium für sie das Fundament. «Es ist eine Einladung an die Menschen.» Die Lektüre in der Bibel, etwa beim Vorbereiten der Predigten, bestätige ihr immer wieder, dass die Bibel – bereits im Alten Testament – die Grundfragen der Menschen aufnehme und verschiedene Antworten gebe.

Mit viel Herz engagiert

Kirchenpflegerin Barbara Gautschi bestätigt dieses Amtsverständnis. «Carina Meier ist eine Pfarrerin mit viel Herz», sagt sie. Sie sei offen und mit Empathie auf die Menschen zugegangen, habe auch in schwierigen Situationen die richtigen Worte gefunden. «Sie ist eine Pfarrerin für die Menschen», sagt Gautschi, wir bedauern es, dass sie weiterzieht, wir haben ihre Art sehr geschätzt.»

Aus dem Füllhorn des Alters

Nebst Gottesdiensten, Trauungen, Taufen und Trauerfeiern hat sich Carina Meier stark in der Seelsorge und Altersarbeit engagiert. «Wenn ich zu Besuch kam, standen die Türen meist weit offen», sagt sie, «oder sie waren wenigstens vorsichtig angelehnt.»

Die junge Pfarrerin hat immer wieder Gelegenheit gehabt, ältere Menschen gut kennen zu lernen und zu begleiten. Sie ergänzt: «Mehrmals gar bis ans Lebensende.» Dabei habe sie viel Zeit investiert, denn «für Menschen habe ich immer Zeit». Gerade Gespräche mit alten Menschen hätten sie als junge Frau unglaublich reich gemacht, «da hörte ich Lebensgeschichten, die mich tief bewegten».

Und jetzt verlässt die Pfarrerin nach vier Jahren die Gemeinde und kehrt mit ihrem Ehemann, der im Kanton Bern Gemeindepfarrer ist, zurück in ihre Heimat. Carina Meier zieht eine positive Bilanz: «Ich habe mit diesen Herausforderungen viel gelernt, fühlte mich auch getragen von der Gemeinde.» Der Abschied von Menziken falle ihr nicht leicht. Abschiednehmen sei ein Prozess, da gehöre auch Trauer dazu. «Aber, es ist Zeit, die erste Stelle zu verlassen und den Weg weiterzugehen.»

Carina Meier betreut seit einem Jahr die kleine Gemeinde Kaiserstuhl-Fisibach, ein 30-Prozent-Pensum, das führt sie weiter. Und zusätzlich hat sie als Stellvertreterin für fast ein Jahr bei der Landeskirche ein Engagement angenommen als Theologin für Menschen mit kognitiver Behinderung. Vorerst bleibt Carina Meier dem Aargau also noch erhalten.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1