Reinach
Der bekannteste Postraub der Schweiz kommt ins Radio

Das Theater am Bahnhof führt sein Stück «Deubelbeiss und Schürmann» über den Postraub von Reinach erneut auf – wegen der Pandemie jedoch als Live-Hörperformance im Radio.

Valérie Jost
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Versicherungsagent Traugott Huber (links) hat während des Postraubs 1952 im Auftrag des Dorfpolizisten auf die Räuber geschossen.

Versicherungsagent Traugott Huber (links) hat während des Postraubs 1952 im Auftrag des Dorfpolizisten auf die Räuber geschossen.

Ringier Bildarchiv

Es war die bisher grösste Schiesserei in der Schweizer Kriminalgeschichte: Während des missglückten Postraubs von Reinach in der Nacht vom 24. auf den 25. Januar 1952 wurden 108 Schüsse abgegeben. Verletzt wurde niemand, die zwei Täter – Ernst Deubelbeiss und Kurt Schürmann – wurden gefasst und verurteilt. Mittlerweile sind beide verstorben. Doch die Geschichte hallte noch lange nach:

«Wenn du nicht brav bist, kommt der Deubelbeiss!»

wurde zu einer Drohung für eine ganze Generation von Kindern.

Nun führt das Reinacher Theater am Bahnhof am 28. März sein Bühnenstück «Deubelbeiss und Schürmann» – das vor elf Jahren seine Premiere feierte – als Live-Hörperformance im Radio Kanal K auf. «Wegen der Coronaschliessung kann das Publikum nicht mehr zu uns kommen, deshalb wollen wir so zu den Leuten kommen», sagt der Theaterleiter des TaB*, Clo Bisaz, der im Stück auch selbst eine kleine Rolle als Sprecher innehat. Das Stück solle bei entsprechendem Anklang den Auftakt zu einer Hörspielserie bilden, sagt er.

Von der Bühne fürs Radio recyceln: Geht das? Das Stück eigne sich dafür gut, so Bisaz:

«Krimigeschichten interessieren die Leute und ziehen momentan auch Jüngere an.»

Ausserdem habe man beim gut dokumentierten Postraub - unter anderem gab der Schriftsteller Willi Wottreng zu den Ereignissen ein Buch heraus - glücklicherweise viele Originaltöne von Zeitzeugen, die verwendet werden können. So sei aus der Not heraus auch eine Kreativität entstanden: «Mit der Pandemie-Situation verändert sich auch das Theater. Es ist wichtig, dass wir vorwärts schauen», sagt Bisaz.