Ressort-Streit
Nach Menziker Posse: Wirft Leuzinger am Ende ganz hin?

Gemeinderat und SVP-Präsident Hans Heinrich Leuzinger hat nach der Abgabe von Ressorts kaum noch Aufgaben.

Flurina Dünki
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Hans Heinrich Leuzinger (li) mit dem damaligen Landammann Alex Hürzeler am Tag der offenen Hallenbad-Tür am 5.1. 2019 in Menziken.

Hans Heinrich Leuzinger (li) mit dem damaligen Landammann Alex Hürzeler am Tag der offenen Hallenbad-Tür am 5.1. 2019 in Menziken.

Pius Amrein (lz)

Fünf Wochen lang herrschte unter der Menziker Bevölkerung Verwirrung. Der neu gewählte Gemeinderat Herbert Karli (FDP), der wegen seiner Expertise in Sachen Schulpflege gewählt worden war, sollte am Ende gar nicht das Ressort Bildung bekommen, da Hans Heinrich Leuzinger (SVP) ihm dieses als Dienstälterer bei der Neuverteilung abgeluchst hatte.

Jetzt wird wieder zurückgespult: Nach der Gemeinderatssitzung diese Woche gab Leuzinger die «Bildung» wieder ab, Bildungsvorsteher wird wie ursprünglich erwartet Herbert Karli. Offensichtlich geschah das wegen des Drucks aus der Bevölkerung. Die Ressorts, die Leuziger vor fünf Wochen abgegeben hatte (Miliätrische und Zivile Verteidigung an Alfred Merz, die Ressorts Gesundheit, Arten- und Landschaftsschutz, Friedhof und Bestattung sowie für die Produktionsverbesserung Pflanzen an Herbert Karli), nahm er aber nicht zurück, wie der Gemeindewebseite zu entnehmen ist. So bestehen seine Ressorts nur noch aus Feuerwehr, Sport (inkl. Hallen- und Freibad) und der Abfallwirtschaft.

Es ist ein einzigartiger Vorgang, dass ein Gemeinderat, der seit mehreren Jahren im Amt ist, überraschend ein Ressort an sich reisst und es fünf Wochen später – offensichtlich unter Druck des Volkes – schon wieder abgibt. Mehr noch: Verärgert verzichtet er darauf, die zuvor abgegebenen Ressorts wieder anzunehmen. Unweigerlich kommt die Frage auf, ob er anlässlich der Gesamterneuerungswahlen im Herbst zur Wiederwahl antreten wird. Hans Heinrich Leuzinger ist auch Ortsparteipräsident der SVP.

Das Menziker Hallenbad: Triumph und Schlappe für Leuzinger

Hans Heinrich Leuzinger, der am Mittwoch für die AZ nicht erreichbar war, wohnt schon fast 40 Jahre in Menziken, engagiert sich in der Feuerwehr und war drei Jahre lang Kommandant der Feuerwehr Menziken/Burg/Pfeffikon. Er wurde im Juni 2014 in den Gemeinderat gewählt als Ersatz des verstorbenen Werner Häusermann (SVP). Er arbeitet in der Konstruktion und Entwicklung beim US-Möbelhersteller Haworth in Menziken. Heute 63, wird Leuzinger voraussichtlich 2023 pensioniert.

Einen grossen Erfolg konnte Leuzinger im Juni 2017 mit dem Menziker Ja zur 5-Millionen-Franken-Sanierung des Hallenbads verbuchen. Obwohl die Sanierungssumme für die finanzschwache Gemeinde finanziell ein Riesenaufwand war, stand das Dorf hinter dem Projekt, das dem Hallenbad ausser der Erneuerung des Gebäudes von 1971 auch eine Rutschbahn und ein Planschbecken brachte. Zur Eröffnung im Januar 2019 kam gar der damalige Landammann Alex Hürzeler.

Doch dasselbe Hallenbad sorgte kurz nach dem Triumph auch für eine Schlappe für Leuzinger. Denn um das neue Bad mit einem modernen Design ausstatten zu können, war geplant, das von den Badegästen gern gesehene Unterwasserwelt-Wandbild des Menziker Malers Adolf «Dolfi» Weber permanent abzumontieren, das der Künstler damals für das Hallenbad gemalt hatte. Dagegen protestierten die Menziker - und das Bild blieb hängen.

Schon Ein paar Monate vor dem Fast-Verschwinden des Weber-Bildes hatten er und die SVP schon einen Rückschlag einstecken Müssen. Die Menziker Stimmberechtigten wählten nicht ihn zum Ammann-Nachfolger von Annette Heuberger (und auch nicht den damaligen SP-Vizeammann Alfred Merz), sondern Erich Bruderer, der zuvor nicht im Menziker Gemeinderat war.

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