In jahrelanger Vorarbeit hat die Gemeinde Reinach ihre Nutzungsplanung revidiert und den kantonalen Vorgaben angepasst. Damit sind in Reinach, wie auch andernorts, Auszonungen verbunden. Das sorgte am Dienstagabend für Zündstoff – vornehmlich bei einzelnen betroffenen Grundeigentümern. Der Gemeinderat hatte zu einer Informationsveranstaltung in den Saalbau eingeladen.

Doch von vorne: Reinachs Bauzonen- und Kulturlandplan stammt aus dem Jahr 1993, die Bauordnung von 1995. Die übergeordneten Grundlagen auf kantonaler und nationaler Ebene haben sich in der Zwischenzeit stark verändert. Mit dem Boden muss haushälterisch umgegangen, die Zersiedelung gestoppt und bestehender Bauraum verdichtet werden. Diesen Bedingungen sollen die neuen Reinacher Planungsinstrumente nun gerecht werden.

Wenig Reserven am Siedlungsrand

Baulandreserven hat das Dorf mit gut 68 Hektaren (ha) eingezonter Fläche «mehr als genug». Das betonte Gemeindeammann Martin Heiz gleich zu Beginn der Infoveranstaltung. Wirft man aber einen Blick auf den Reinacher Bauzonenplan, wird schnell klar, warum ein Auszonen vieler kleiner Baulandreserven inmitten der Siedlung «hinsichtlich einer verdichteten Bauweise raumplanerisch keinen Sinn macht», wie es beim Amt für Bau, Verkehr und Umwelt heisst.

Als Resultat der Verhandlungen zwischen Kanton und Gemeinde muss Reinach in der neuen Nutzungsplanung lediglich 2,29 ha Bauland auszonen und kommt «mit einem blauen Auge davon», wie Martin Heiz sich ausdrückt. Der Kanton kommt Reinach auch deshalb entgegen, weil die Gemeinde nur über wenige Baulandreserven am Siedlungsrand verfügt. Denn nur dort kann ohne Entschädigungszahlung ausgezont werden.

Dennoch, diese Massnahme trifft, genau wie die 2,65 ha Bauland, die aufgrund der Richtplananpassungen zusätzlich ausgezont werden müssen (az vom 13. 1.), auch private Grundbesitzer. Auf eine Entschädigung kann aber nur hoffen, wer am Grundstück bereits Vorleistungen wie eine Erschliessung erbracht hat. Das ist gemäss Gemeindeammann nirgends der Fall.

Das neue Bauzonenregime sieht zwei Zentrumszonen, eine im Unter- und eine im Oberdorf vor, dazwischen ein zentrumsnahes Gebiet. Die Wohn- und Gewerbezonen liegen neu hauptsächlich entlang der Hauptverkehrsachsen und in zentrumsnahen Gebieten, diejenigen abseits der Hauptachsen wurden in reine Wohnzonen umgewandelt. Neu eingeführt wurde eine Dorfzone, die alte Dorfteile wie den Holenweg, die Alzbach- und Neudorfstrasse schützt. In diesem Zusammenhang sind
27 Objekte als Gebäude mit Substanzschutz bezeichnet worden.

Der Baulandreserven-Flickenteppich stellt die Gemeinde vor eine Herausforderung. Man will, ja man muss nach innen wachsen, das Siedlungsgebiet verdichten, Zentrumstrukturen ausbauen und dabei den Privatbesitz respektieren. Ein Zückerli zugunsten des verdichteten Bauens will der Gemeinderat bei bestehenden Bauten mit einem Nutzungsbonus für zusätzliche Balkone, Sitzplätze oder Wintergärten gewähren. Ausserdem gehört eine moderate Erhöhung der Ausnützungsziffer in der Wohnzone zu den Massnahmen, mit denen eine verdichtete, innere Siedlungsentwicklung begünstigt werden soll.

Während des Mitwirkungserfahrens bis zum 3. Februar kann nun jedermann zu den Planunterlagen schriftlich Stellung nehmen. Die Unterlagen können bei der Kanzlei oder auf der Homepage der Gemeinde Reinach eingesehen werden. Das Einwendungsverfahren ist im Juni geplant. Wenn alles nach Plan läuft, kann das Geschäft der Herbstgmeind zur Beschlussfassung vorgelegt werden.