Holziken

Rückblick auf 26 Jahre «Hueb» – Lehrerin Elsbeth Hänni geht neue Wege

Elsbeth Hänni (59) in ihrem Klassenzimmer im neuen Schulhaus Hueb.

Elsbeth Hänni (59) in ihrem Klassenzimmer im neuen Schulhaus Hueb.

Seit 1993 hat sie in Holziken unterrichtet. Nun geht sie nach Safenwil weiter.

Seit gut einem Jahr ist das neue Schulhaus Hueb bevölkert. Es springen Schulkinder durch die Gänge, hängen Turnsäcke an den Garderobenhaken und Zeichnungen an den Wänden der Klassenzimmer.

Auch das Zimmer von Primarlehrerin Elsbeth Hänni sieht bereits aus, als würde hier schon jahrelang unterrichtet: In den Regalen stehen Schulbücher und stapeln sich Brettspiele, an der Wand sind Zettel mit Vokalen angebracht und auf ihrem Pult steht eine Pflanze.

«Scho chli en Chrampf» sei die Züglete gewesen, sagt Hänni, als sie nach einem Unterrichtsvormittag im leeren Schulzimmer sitzt. Der Chrampf war nicht primär der körperliche Aufwand des Kisten-Packens – sie bewohnt mit der Familie einen kleinen Bauernhof und ist sich Anpacken gewohnt. Es war der ganze Aufwand drumrum, den das zweimalige Umziehen 2017 und 2018 mit sich brachte.

Weiterzug nach Safenwil

Und jetzt, da sie in ihrem Klassenzimmer richtig angekommen ist, packt Elsbeth Hänni erneut die Kisten. Sie wechselt die Schule und wird am Tag ihres 60. Geburtstags in einem Safenwiler Klassenzimmer Schülerinnen und Schüler begrüssen. Die Klasse an der Primarschule Safenwil-Walterswil übernimmt sie gemeinsam mit Monika Hürzeler, mit der sie seit fünf Jahren ihre heutige Stelle teilt. Sie hatten sich als Team beworben und wurden als solches angestellt.

26 Jahre ist es seit ihrem Stellenantritt in Holziken her. 1993 stand das alte Schulhaus Hueb noch keine zehn Jahre. Es war zur Schulraumerweiterung erstellt worden, nachdem man die Pläne, die Erweiterung beim alten Schulhaus Dorf vorne zu bauen, wieder begraben hatte. Ihm sollte jedoch kein langes Leben beschert sein. 2017 wurde es zugunsten des Neubaus wieder abgerissen. «Es war ein sehr schönes Schulhaus», sagt Hänni, «mit einer Dachschräge, sichtbaren Holzbalken und hohen, grosszügigen Zimmern». An der Isolation habe es jedoch gehapert.

Es war Zufall, dass Elsbeth Hänni mit 34 Jahren im alten «Hueb» Lehrerin wurde. Eigentlich wollte sie ihre Mutterschaftszeit noch verlängern. Ihr Sohn ging damals in den Kindergarten, die Tochter in die Spielgruppe. «Als wir entschieden, unser Bauernhaus in Uerkheim aufzustocken, wollte mein Mann als Zimmermann das gerne selber machen», so Hänni. «Dies bedeutete aber, dass er ein halbes Jahr unbezahlt frei nehmen musste.» Also sah sich Elsbeth Hänni nach einer Lehrerinnenstelle um. Erst machte sie in Holziken ein halbes Jahr Stellvertretung. Danach konnte sie mit einem flexiblen Pensum bleiben. Je älter die Kinder wurden, umso mehr Wochenstunden übernahm sie.

Einmal Container und zurück

Dann begannen vor einigen Jahren neue Diskussionen über eine Schulraumerweiterung. Ein Anbau ans «Hueb», so rechnete man aus, hätte die Gemeinde praktisch gleich viel gekostet wie ein Neubau. Für Elsbeth Hänni und ihre Kolleginnen bedeutete dies im Frühling 2017: packen und in die provisorischen Container umziehen. Und beim Neubezug im Frühling 2018 alles noch einmal retour. «Es gab chaotische Momente damals», erinnert sie sich, «aber das Team vom Bauamt war uns eine grossartige Hilfe». Und der damalige Umtrieb hatte auch sein Gutes: «Der mühselige Entsorgungsaufwand bleibt mir jetzt für den Wechsel nach Safenwil erspart, da ich damals schon das Unnötige weggeworfen habe.» Als Lehrerin überlege sie immer zig Mal hin und her, bevor sie Material wegwerfe, «man könnte es ja irgendwann mit einer künftigen Klasse wieder brauchen».

Viele ihrer Schüler sind heute erwachsen. «Manchmal werde ich auf der Strasse von ehemaligen Schülern angesprochen und sie erinnern sich, dass ich die Klasse einst zu uns nach Uerkheim nahm, wo sie Schafe füttern oder Katzen streicheln konnten.» Solche Erinnerungen freuen die Lehrerin. Unterrichtsstoff mit Bezug zum Leben hält sie für wichtig. Nicht nur Bauernhoftiere, sondern auch Computer und 3D-Drucker. «Ich möchte Kindern einen guten Start in die Schulkarriere ermöglichen», sagt Hänni. «Sie sollen später sagen: ‹Ich bin gerne in die Schule gegangen und ich habe auch etwas gelernt.›»

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