Walde

Ruedertaler Stanzerei profitiert von Swissness-Paragrafen

Im Aufwind: Der Betrieb der Adrian Michel AG in Schmiedrued-Walde. fdu

Im Aufwind: Der Betrieb der Adrian Michel AG in Schmiedrued-Walde. fdu

Die Adrian Michel AG hat den Euro-Schock überwunden und erhält mehr Aufträge – unter anderem von der Uhrenindustrie.

Noch immer macht der Schweizer Industrie der starke Franken zu schaffen. Doch neben Meldungen von Verlegungen des Produktionsstandorts ins Ausland und Entlassungen von Schweizer Personal gibt es auch Erfolgsgeschichten zu verzeichnen. Eine davon hat ihren Schauplatz im hintersten Zipfel des Ruedertals. Dort produziert die Adrian Michal AG in Walde seit 1925 Metallbestandteile, die unsere Uhren, Kaffeemaschinen oder Mixer zum Laufen bringen. Die gestanzten oder gebogenen Metallteilchen werden im Betrieb im Schiltwald zu Baugruppen montiert, die hernach in die Endprodukte eingebaut werden.

«Mittlerweile ist der Euro-Schock vom Januar 2015 kein Thema mehr für uns», sagt CEO Ralph Eller. Dies auch, weil man mehr in Euros einkaufe statt wie zuvor in Franken.

Aufträge dank Swissness-Gesetz

Mitverantwortlich für die positiven Resultate ist auch das sogenannte Swissness-Gesetz, das seit Januar in Kraft ist. Die im Markenschutzgesetz neu aufgenommenen Bestimmungen besagen, dass mindestens 60 Prozent der Herstellungskosten eines industriellen Produkts in der Schweiz anfallen müssen, damit es den Vermerk «Made in Switzerland» bekommt. Eine Angabe, für die Kunden rund um den Globus oft bereit sind, tiefer ins Portemonnaie zu greifen. Dass viele Hersteller nicht auf dieses Zertifikat verzichten möchten, bekommt der Betrieb in Walde positiv zu spüren, wie Eller sagt. «Wir konnten seit Ende 2016 bereits drei Kunden gewinnen, für die wir Uhren-Bestandteile fertigen. Zuvor hatten die Firmen diese Teile aus dem Ausland bezogen.»

Mit der wachsenden Auftragszahl baut die Ruedertaler Firma auch die Produktepalette laufend aus. Dies gemäss dem Geschäftsführer nicht nur für Uhren, sondern auch im Medizinalbereich. Letzteres sei ihrer Strategie zu verdanken, sich auf die Herstellung anspruchsvoller Baugruppen zu fokussieren. Komplizierte Teile, die nicht jeder herstellen könne. So hat der Betrieb auch zusätzliches Personal im Verkauf eingestellt, das auf Uhren- und Medizinalindustrie spezialisiert ist.

Ausbau der Büroräume

Bis 2015 führten Markus und Adrian Michel die Firma in dritter Generation, dann verkauften sie diese mangels Nachfolgelösung an schwedische Investoren. Adrian Michel steht dem Unternehmen noch in beratender Funktion beiseite. 65 Angestellte beschäftigt das Unternehmen mittlerweile. Rechnet man die 2015 erworbene T. Leuenberger AG in Rümligen BL mit ein, so sind es 75 Angestellte, die für die Adrian Michel AG tätig sind. Wegen der steigenden Mitarbeiterzahl in Walde soll die grosszügige Wohnung im oberen Stock des Bürogebäudes zu Büroräumen umgebaut werden. Die Wohnung wurde bis zu ihrem Tod im November 2016 von der Mutter von Markus und Adrian Michel bewohnt. Gleichzeitig wird das Lager für brennbare Flüssigkeiten erweitert. Die Baukosten belaufen sich auf insgesamt 290 000 Franken.

Die Adrian Michel AG stellt sich laut Ralph Eller auf ein anhaltendes Wachstum über die nächsten Jahre ein: «Wir rechnen damit, unseren Umsatz im Bereich der Uhren- und Medizinalindustrie signifikant zu steigern. Die Uhrenmarken etwa sind jetzt erst dabei, ihre Beschaffungsstrategien den seit Anfang dieses Jahres gültigen, verschärften Swissness-Bestimmungen anzupassen.»

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