Schlossrued
Gemeinderat bewilligt umstrittene Himmelslaternen – mit einem meteorologischen Vorbehalt

Im Sommer sollen vom Schloss Rued aus wieder Himmelslaternen starten. Was schön fürs Auge ist, kann für Mensch, Tier und Umwelt schnell zur Gefahrensituation werden.

Florian Wicki
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Solche Himmelslaternen sollen im Sommer im Schlossrued starten – wenn die Wetterlage wieder sicherer wird.

Solche Himmelslaternen sollen im Sommer im Schlossrued starten – wenn die Wetterlage wieder sicherer wird.

zvg

Sie sind zwar schön anzusehen und sollen Glück bringen, sind aber auch umstritten, vielerorts verboten und ab und an auch brandgefährlich: Himmelslaternen, fliegende Lampions. Heutzutage bestehen sie aus leichten Stoffen wie Seide oder Papier und wenigen Streben aus Draht oder Bambus und werden vor allem an Feierlichkeiten wie Geburtstagen, an Hochzeiten und in der Silvesternacht verwendet.

Diesen Sommer sollen die Himmelslaternen nun auch in Schlossrued wieder steigen, wie einer Mitteilung der Gemeindekanzlei zu entnehmen war: «Gästen des Seminarzentrums Schloss Rued bewilligt der Gemeinderat am 2. Juli 2022 beim Eindunkeln das Hochsteigenlassen von Himmelslaternen.» Und er fügt an: «Die Bewilligung erfolgt unter Auflagen.»

Der Schlossrueder Gemeindeschreiber Peter Lüthy erklärt auf Anfrage, die erwähnten Auflagen seien ziemlich strikt:

«Herrscht im Juli etwa immer noch dieselbe Trockenheit wie jetzt, dürfen die Himmelslaternen nicht starten.»

Ebenso, wenn es noch trockener wird, und der Kanton beispielsweise ein Feuerverbot verhängt. Weiter müssen die Verantwortlichen sich bei der Feuerwehr anmelden und diese auf dem Laufenden halten, da bei Himmelslaternen immer ein gewisses Brandrisiko besteht.

Über 30 tote Tiere im abgebrannten Zoohaus

Und das besteht immer, deshalb schreibt die nationale Beratungsstelle für Brandverhütung auch, der beste Tipp zur Brandverhütung sei der Verzicht auf den Einsatz von Himmelslaternen: «Sie geben mit dem Steigenlassen der Laterne auch immer die Kontrolle über das Feuer ab. Wird diese durch Winde abgetrieben, fängt unterwegs Feuer oder landet am falschen Ort, besteht das Risiko eines Brandes.»

Die Beratungsstelle erwähnt den Brand des Affenhauses im deutschen Zoo in Krefeld, bei dem an Silvester 2019 über 30 Tiere – darunter fünf Borneo-Orang-Utans, ein westafrikanischer Schimpanse und zwei Flachlandgorillas sowie einige kleinere Affen und Vögel – ums Leben kamen. Wenige Tage später stellte sich heraus, dass drei Frauen im Alter zwischen 30 und 60 Jahren fünf Himmelslaternen hochsteigen liessen, wovon eine auf dem Dach des Zoo-Gebäudes landete und dieses in Flammen steckte.

Nur bei Flugplätzen verboten

Wegen solcher Risiken sind in einigen Teilen Europas, beispielsweise in den meisten deutschen Bundesländern sowie in Österreich, Himmelslaternen komplett verboten. Die Schweiz kennt kein generelles Verbot – ausser im Umkreis von 5 Kilometern rund um Flugplätze, wobei Ausnahmen direkt durch diese zu genehmigen sind.

Das greife hier aber nicht, so Peter Lüthy. Es stimme zwar, dass direkt in Holziken ein Hubschrauberlandeplatz steht. Dieser sei laut Lüthy aber genug weit entfernt: «Der 5-Kilometer-Radius endet beim alten Schützenhaus in Schlossrued. Das Schloss ist noch einmal etwa 500 Meter weiter weg.»

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