Dürrenäsch

Schwächelnde Autoindustrie: Wegen ihr schafft die Bertschi-Gruppe die Umsatz-Milliarde nicht

Das Dürrenäscher Chemielogistik-Unternehmen hat 2019 fast die magische Umsatz-Grenze von einer Milliarde Franken geknackt.

Die Entwicklung des Aargauer Chemielogistikers Bertschi AG ist eine riesige Erfolgsgeschichte – auch in Zeiten mit anspruchsvollem Marktumfeld. «Nach einem erfreulichen Beginn verlor die Weltkonjunktur und besonders die für die chemische Industrie wichtige Automobilindustrie im Laufe von 2019 zunehmend an Fahrt», schreibt das Unternehmen.

«Diesem Trend konnte sich Bertschi nicht entziehen und sah sich gegen Jahresende vor allem in den europäischen Geschäftseinheiten mit einer schwachen Transportnachfrage konfrontiert.» Das Unternehmen konnte den Umsatz noch um 1,3 Prozent (währungsbereinigt 3,6 %)auf 985 Millionen Franken steigern. Wäre die Wachstumsdynamik gleich gross gewesen wie im Vorjahr (plus 8 Prozent), hätte das von Hans-Jörg Bertschi präsidierte Unternehmen die Milliarden-Grenze geknackt.

Zwei Birrfelder sind seit 40 Jahren bei Bertschi

Das Familienunternehmen weiss, wer für den Erfolg eine wichtige Rolle spielt: die 3100 Angestellten (plus 3%), davon etwa 350 in Dürrenäsch. Im Januar findet jeweils eine Betriebsversammlung statt, an der die Firmenjubilare geehrt werden.

Dieses Jahr waren es ganze 142 Jubilare (10, 20, 30 oder 40 Jahre) – neuer Rekord. «Neben 8 Personen mit 30 Jahren bei Bertschi durften Bruno Steiner und Roman Fessler – beide in Führungspositionen im Bahnterminal Birrfeld – die Gratulationen zu ihrem 40-jährigen Jubiläum entgegennehmen», heisst es in einer Medienmitteilung.

Bertschi besitzt 36800 Tank- und Silocontainer (+ 7%), 1100 Lastwagen sowie 30 Containerterminals. Die Firma ist laut eigenen Angaben in Europa Marktführer im intermodalen Chemietransport auf Schiene, Strasse und Wasser sowie ein führender weltweiter Anbieter von Tankcontainerverkehren und ergänzenden logistischen Mehrwert-Dienstleistungen für die Chemische Industrie. In der Schweiz transportiert sie aus historischen Gründen noch etwas Lebensmittel.

Die Bertschi-Manager erwarten schwieriges 2020

Die Bertschi-Gruppe bezeichnet sich als frühzyklisches Unternehmen. Als solches habe es vor allem in Deutschland den konjunkturellen Gegenwind gegen Jahresende deutlich gespürt. «Neben dem konjunkturellen Gegenwind wirkte sich auch die Erstarkung des Schweizer Franken negativ aus», schreibt der Konzern, der 38 Ländern aktiv ist.

Und wie geht es 2020 weiter? CEO Jan Arnet mahnt zur Vorsicht: «Wir haben letztes Jahr eine merkliche kontinuierliche Abkühlung der Konjunktur gesehen, insbesondere in Europa sind wichtige Industriezweige inzwischen in eine Rezession gerutscht. Für 2020 erwarten wir eine Fortsetzung dieses Trends mit entsprechenden Auswirkungen auf die Transportnachfrage.»

Aber, so Arnet: «Ich rechne damit, dass wir dank der globalen Ausrichtung regionale Umsatzrückgänge tendenziell werden ausgleichen können. Die Entwicklung der Kosten werden wir auch 2020 stark im Fokus haben.» 2019 konnte die Bertschi-Gruppe dank Kostenmanagement die Ertragslage «knapp halten» (Zahlen gibt das Familienunternehmen keine bekannt).

Autor

Urs Helbling

Urs Helbling

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