Gontenschwil

Schweizer Meister: Diese beiden Aargauer sind ein Team für alle Fälle

Peter Bieri und Siena sind die amtierenden Schweizer Meister im Bereich «Sanitätshunde».

Peter Bieri und Siena sind die amtierenden Schweizer Meister im Bereich «Sanitätshunde».

Peter Bieri aus Gontenschwil und seine Hündin Siena sind amtierende Schweizer Meister in der Kategorie Sanitätshunde.

In der Schweiz leben derzeit rund eine halbe Million Hunde. Der beste Freund des Menschen ist nach den Katzen das zweitbeliebteste Haustier von Herr und Frau Schweizer. Peter Bieri befasst sich seit seinen Jugendjahren mit Hunden. Der 70-Jährige ist Präsident des Kantonalverbands Aargauer Kynologen (KVAK), des Arbeitskreis Regionen (AKR) und er sitzt im Zentralvorstand der Schweizerischen Kynologischen Gesellschaft (SKG). Hinter dem Begriff Kynologie steht die Lehre von Rassezucht, Pflege, Verhalten, Erziehung und Krankheiten der Haushunde.

Peter Bieri kann sich noch gut an seinen ersten Hund erinnern: «Eine Mischlingshündin mit dem Namen Rexa. Die Mutter war ein Deutscher Schäferhund, der Vater ein Dobermann.» Mit der Hündin besuchte Bieri den Schäferhund-Club in Reinach. «Zu dieser Zeit war es noch nicht normal, dass Mischlingshunde in Vereinen waren», so Bieri.

Nach dem Tod von Rexa folgten einige hundefreie Jahre. «Ich habe mich damals auf mein Berufsleben konzentriert», erklärt Bieri. Nach fast zwanzig Jahren ohne Hund im Haus entschied Bieri, dass er wieder einen Vierbeiner an seiner Seite möchte. Die Suche war erfolgreich. Labradorhündin Bonny zog bei Bieri zu Hause ein. Mit ihr absolvierte der 70-Jährige die Ausbildung zur Sanitätshündin.

Hunde spüren Verletzte im Wald auf

Bei der Ausbildung wird ein Ernstfall mit vermissten Personen in einem Waldstück simuliert, wie Bieri erklärt. «In einem Bereich von 120 auf 400 Meter befinden sich drei verletze Personen und ein Rucksack, die es zu finden gilt.» Der Besitzer muss sich dabei auf die Spürnase seines Hundes verlassen. «Ich selbst laufe mittig durch den Wald und schicke meinen Hund ungefähr alle 30 Meter auf die Suche nach den verletzten Personen», erklärt Bieri.

Hat die Spürnase einen Menschen oder den Rucksack gefunden, zeigt sie es ihrem Besitzer bei der Rückkehr an. «Der Hund hat ein ‹Bringseli› am Halsband. Das nimmt er in sein Maul und bringt es mir auf die Mittellinie. Dann geht er wieder zum Verletzten zurück und wartet dort neben ihm liegend auf mich.» Die Zusammenarbeit von Team Bieri und Bonny war mehr als erfolgreich: Zwei Schweizer Meisterschaften gewannen die beiden.

Nicht alle Kursinhalte waren ausgereift

Im Jahr 2008 folgte der dritte Titel mit der nachfolgenden Hündin. Diese hiess – notabene – auch Bonny. «In der Schweizer Hundeszene war es bekannt, dass Peter Bieri ‹Bonnys› hatte», erklärt Bieri die Namenswahl seiner Schützlinge.

Bei seiner aktuellen Hündin hat Bieri seine Namensregel jedoch ausgesetzt. Er und Hündin Waterfan’s Nice Fellow Siena sind die amtierenden Schweizer Meister in der Kategorie «Sanitätshunde» für den Kynologischen Verein Niederlenz. Nebst dem Hundesport beschäftigt sich der 70-Jährige mit der Zukunft der Schweizerischen Kynologischen Gesellschaft. «Das Ziel muss es sein, dass die SKG in Zukunft der erste Ansprechpartner für Hundehalter in der Schweiz ist und nicht nur für Zuchthunde», erklärt Bieri. Es sei zudem wichtig, dass sich die Verbände immer weiter entwickeln, «sonst werden sie nur verwaltet und bleiben stehen.»

Auch der Abschaffung der SKN-Kurse, des Sachkundenachweises für Hundebesitzer, steht Bieri kritisch gegenüber. «Gewisse Inhalte des Kurses waren sicherlich nicht ausgereift, aber dank diesen fünf obligatorischen Stunden kamen Hundebesitzer mit einem kynologischen Verein oder einer Hundeschule in Kontakt und sahen, dass es wichtig ist, mit dem Tier zu arbeiten», sagt Bieri. Er vermute, dass der SKN im Rahmen einer Sparaktion gestrichen worden sei. «Entstanden ist der obligatorische Kurs, weil es Fälle wie Oberglatt gab, wo ein 6-jähriger Junge von drei Hunden zu Tode gebissen wurde.»

Das Wichtigste ist für Bieri die Sozialisierung des Tieres. «Viel hängt von der Aufzucht, der Haltung und der Erziehung des Tieres ab», so Bieri, der auch eine Hundegruppe leitet. «Die Ausbildung der Hunde wird an Bedeutung zunehmen, da der Raum immer kleiner wird. Peter Bieri leitet eine Gruppe, in der Besitzer mit ihren Tieren auf das Hunde-Brevet hin arbeiten, eine Art Führerschein für Hunde. Dabei werden alltägliche Dinge wie das Ausladen des Hundes aus dem Auto, Begegnungen mit Mensch und Tier und das Abrufen des Vierbeiners geübt.

Es wird viel darüber diskutiert, dass das Brevet obligatorisch gemacht wird. Bieri ist aber überzeugt, dass das ganze Brevet als Obligatorium keine Chance haben wird. «Einen Teil davon könnte ich mir hingegen sehr gut als Pflichtkurs für Hundehalter vorstellen», sagt er.

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