Bergrennen Reitnau
Schweren Unfall aufgearbeitet: Nun wird Bergstrasse zum 53. Mal zur Rennpiste

Das Organisationskomitee des Reitnauer Bergrennens hat den schweren Unfall von 2017 aufgearbeitet. Ein Aargauer figuriert dieses Jahr unter den Siegesanwärtern.

Mario Fuchs
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Will mit dem neuen Auto an seinem Heimrennen endlich punkten: Thomas Amweg aus Ammerswil im Lola-Mader-Cosworth 99/50, hier im Training in Reitnau 2017.

Will mit dem neuen Auto an seinem Heimrennen endlich punkten: Thomas Amweg aus Ammerswil im Lola-Mader-Cosworth 99/50, hier im Training in Reitnau 2017.

Dominic Kobelt

Der Schrecken war gross vor einem Jahr: Der Schwyzer Rennfahrer Chris Steiner kam im Bergrennen Reitnau mit seinem Porsche 911 Turbo im Wald von der Strecke ab und kollidierte mit einem Baum. Der erfahrene Pilot zog sich schwere Beinverletzungen zu. Das Team um OK-Chef Thomas Kohler der in Aarau ansässigen Sektion Mitte des Automobil-Clubs der Schweiz (ACS) arbeitete den Rennunfall zusammen mit Polizei und Experten akribisch auf.

«Es war eindeutig ein Fahrfehler», sagt Kohler heute. Dennoch habe man sich gefragt, ob die Strecke entschärft werden könnte. «Wir kamen aber zum Schluss, dass eine grössere Änderung eine neue Gefährdung an einer anderen Ecke ergeben würde.» Deshalb verzichte man auf Anpassungen.

Mit Steiner stehe man in gutem Kontakt. «Leider waren seine Verletzungen aber so schwer, dass er weiterhin rekonvaleszent ist.» Mit den Angehörigen, Streckenposten und Rettungskräften habe man viele Gespräche geführt. Die Behörden bestätigten, dass das OK keine Mitschuld am Unfall trifft. «Es bleibt immer ein Restrisiko beim Motorsport», bilanziert Kohler.

Ausrüstung kann ablaufen

Da es 2017 in praktisch jedem der sieben Rennen der Schweizer Bergmeisterschaft einen grösseren Unfall gab – in Hemberg SG flog TV-Star Richard Hammond («Top Gear») von der Strecke, in Oberhallau SH verunglückte der Berner Martin Wittwer tödlich –, ging der Verband im Winter über die Bücher. Das führte zu zwei Erkenntnissen. Erstens: Die Häufung war ein zufälliges Phänomen, kein Unfall hatte eine ähnliche Ursache wie ein anderer. Zweitens: Ausrüstungsgegenstände wie Sitze oder Bekleidung haben seit je ein Ablaufdatum. Durfte man in den regionalen «Nachwuchsklassen» bislang Equipment, das einmal für den Rennsport abgenommen worden war, auch nach dem Verfall noch eine Zeit lang einsetzen, ist dies in der neuen Saison nicht mehr erlaubt. Thomas Kohler begrüsst dies: «Sicherheit ist unser oberstes Gebot. Wir als Veranstalter sind froh um Verschärfungen. Sie dienen allen, vor allem aber den Fahrern.»

Hoffnungen auf Aargauer Piloten

Am Sonntag werden nun zum 53. Mal die Rennwagen in Reitnau die Bergstrasse, die ganz offiziell so heisst, hochjagen. «Wir sind das Bergrennen, das es am längsten ohne Unterbruch gibt», zeigt sich Kohler stolz. Der ACS Mitte ist seit Monaten mit den Vorbereitungen beschäftigt, gerade wird die Strecke fertig aufgebaut.

Rennsportfans können sich auf ein spannendes Tableau mit wiederum rund 230 Fahrzeugen freuen. Dabei ruhen dieses Jahr insbesondere auf den Aargauern im Startfeld begründete Hoffnungen. Etwa auf Thomas Amweg aus Ammerswil. 2017 war er nur fünf Tage nach seiner ersten Testfahrt im Lola-Mader-Cosworth 99/50 in Reitnau angetreten. Die Elektronik zwang ihn zum Abbruch. In Hemberg vor zwei Wochen wollte Amweg neu angreifen, doch die Schaltung streikte. «Von ihm erwarten wir etwas», zeigt sich Kohler zuversichtlich. Hoffnungen ruhen auch auf Robin Faustini aus Suhr, der neu im Reynard K01 unterwegs ist. «Mit diesem Auto ist im Prinzip alles möglich», hatte der 20-Jährige, Sohn des Vorjahresdritten Simon Hugentobler, zum Saisonstart angekündigt. Spannung darf umso mehr erwartet werden, als dass Vorjahressieger und Streckenrekordhalter Eric Berguerand auf den Start verzichtet. Wie «AutoSprintCH» berichtet, hat er Probleme mit seinem neu erworbenen 3.0-V8-Cosworth-Motor. Grösster Sieganwärter ist somit Marcel Steiner aus Oberdiessbach BE auf dem LobArt LA01/Mugen. Steiner wurde 2017 Zweiter hinter Berguerand und führt nach seinem Sieg in Hemberg 2018 derzeit die Bergmeisterschaft an.

Heisse Prognosen

Speziell freut sich Kohler auf Reto Meisel auf Mercedes-Benz SLK. Der Fahrer aus Leuggern startet sonst fast nur noch im Ausland. «Dass er sich für Reitnau Zeit nimmt, ist sehr schön.» Sehr schön ist auch die Wetterprognose. Es dürfte in mehrfacher Hinsicht ein heisses Rennwochenende werden. Die Trainings finden ab 7 Uhr statt, die Rennläufe ab 8.45 Uhr.

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