Reinach

Seit Jahren Trainerin – jetzt ist Melanie Häfliger auch Assistenztrainerin der Frauen-Eishockey-Nati

Melanie Häfliger ist seit Sommer die Assistenztrainerin der Frauen-Hockey-Nati.

Melanie Häfliger ist seit Sommer die Assistenztrainerin der Frauen-Hockey-Nati.

100-Prozent-Job als Projektleiterin, Head Coach einer Hockeymannschaft sowie Assistenztrainerin der Schweizer Frauen-Eishockey-Nationalmannschaft: Melanie Häfliger (36) ist drei Jahren Trainerin – neu auch in der Hockey-Nati.

Die Agenda von Melanie Häfliger (36) ist voll. Ein 100-Prozent-Job als Projektleiterin in einem Architekturbüro, Head Coach der Reinacher Damen-Hockeymannschaft und seit Juli Assistenztrainerin der Schweizer Frauen-Eishockey-Nationalmannschaft – das alles bringt sie unter einen Hut. «Viel Zeit für Freunde und Familie bleibt da nicht», gibt die Reinacherin, die in Hägglingen wohnt, zu.

Die Saison läuft schon wieder seit Mitte September. 20 Spiele bis zu den Playoffs sind es alleine in der Nationalliga A. Zweimal pro Woche Training und der Zusammenzug der Nati kommen dazu. «Ich investiere mehr Zeit ins Eishockey als damals als Spielerin», sagt Melanie Häfliger, die von allen Mel genannt wird.

Als Spielerin hat die gelernte Hochbau- und Sanitärzeichnerin viel erreicht – beim Schlittschuhklub Reinach, einem Abstecher beim SC Küssnacht und ihrer letzten Station beim ZSC Lions. Daneben stand sie mehrmals für die Nationalmannschaft im Einsatz. Fünfmal an Weltmeisterschaften und einmal an den Olympischen Spielen in Vancouver. 2013 hängte sie die Schlittschuhe an den Nagel. «Dann habe ich einfach einmal gelebt», sagt Häfliger. Sie habe gearbeitet und ihre Freizeit mit Freunden verbracht. Aber auch ihr Leben total umgekrempelt. «Eine typische dreissiger Krise», sagt sie rückblickend. In dieser Zeit nahm sie Abstand vom Eishockey.

Von der Krise an die Spitze

Bis 2015 die Anfrage kam, als Trainerin zurück nach Reinach zu kommen. «Im ersten Augenblick sah ich mich überhaupt nicht in der Rolle als Trainerin», so Melanie Häfliger. Aber schnell war ihr klar, dass sie ihren «Kinderklub» nicht im Stich lassen wollte. Dieser steckte damals in einer Krise. Zusammen mit Peter Küng – Betriebsleiter der Kunsteisbahn Oberwynental und Nati-A-Schiedsrichter – gings ans «Aufpäppeln» der Reinacher Frauenmannschaf. Mit Erfolg.

In der ersten Saison unter Häfliger schaffte die Damenmannschaft den Ligaerhalt. Letzte Saison platzierten sie sich hinter den ZSC Lions und dem Ladies Team Lugano auf dem dritten Platz. Und jetzt? In der laufenden Saison liegen die Reinacher Frauen – nach zwei Niederlagen am vergangenen Wochenende – an zweiter Stelle.

Melanie Häfliger erzählt voller Energie über ihre Mannschaft, die Spielerinnen, den Club. Sie sitzt auch im Vorstand des Schlittschuhklubs Reinach. «Vor allem um die Interessen der Frauenmannschaft zu vertreten», sagt sie. Als Trainerin ist sie in ihrer Rolle angekommen. «Ich muss noch viel lernen», äussert sich Häfliger selbstkritisch. Das Trainerdiplom fehle ihr noch. Die Zeit dazu habe bisher gefehlt.

Assistenztrainerin der Nati

Trotz dieser fehlenden Ausbildung muss sie etwas richtig gemacht haben, sonst wäre die Schweizer Nati nicht auf sie aufmerksam geworden. Im Frühling kam sie ins Gespräch mit ihrer früheren Trainerin und heutigen Nati-Trainerin, Daniela Diaz. Den Kontakt hatten die beiden Frauen zwar über die Jahre nie verloren und Häfliger hat sich auch bei Diaz Tipps geholt, wenn sie als Trainerin nicht weiter wusste.

Diesmal drehte sich aber das Gespräch nicht um Trainingstipps, sondern um die Nachfolge der abtretenden Assistenztrainerin der Schweizer Frauen-Eishockey-Nati.

«Zuerst dachte ich, hey nein, frag mich bitte nicht», sagt Häfliger und lacht. Sie habe gewusst, dass sie eine allfällige Anfrage motivieren würde und dass es eine «mega Chance» sei und sie dazu nicht Nein sagen könne. Zudem wollte sie Reinach nicht aufgeben. Die Anfrage kam schliesslich doch und nach ein paar Nächten drüber schlafen, hat Häfliger Daniela Diaz zugesagt. Im Juni wurde sie als Assistenztrainerin vom Verband bestätigt.

Melanie Häfliger weiss, was sie von ihrem Umfeld verlangt: viel Flexibilität und Verständnis. Im Gegenzug versucht sie, die nötige Energie aufzubringen, um auch nach Spielen oder Trainings noch an Geburtstage, Familienfeste oder an Treffen zu gehen. Obwohl das manchmal nur wenig Schlaf und Erholung bedeutet. «Mein privates Umfeld hat nichts mit Hockey zu tun», sagt sie. Und das schätze sie sehr. «Dort komme ich auf andere Gedanken, schöpfe wieder Kraft und habe neue Ideen, die ich beim Hockey umsetzen kann.»

Autor

Melanie Eichenberger

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