Schöftland

Sie ist schon vier Jahrzehnte als Pharma-Assistentin tätig: «Multitasking ist gefragt»

Heute gehört die Apotheke, in der Karin Maurer arbeitet, zu den Lindenapotheken.

Heute gehört die Apotheke, in der Karin Maurer arbeitet, zu den Lindenapotheken.

Karin Maurer arbeitet seit 1978 als Pharma-Assistentin in Schöftland – sie ist ein Beispiel für Leidenschaft und Firmentreue.

«Ein reiner Bürojob wär nichts für mich», sagt Karin Maurer. Lehre inbegriffen, arbeitet die 56-Jährige nun seit 1978 als Pharma-Assistentin in Schöftland. Volle 40 Jahre. Zuerst bei Adrian Schwyter – einige seiner Rezepte sind noch heute im Sortiment –, seit 12 Jahren im Team der Lindenapotheke von Andreas Brunner. Es ist der Mix, ders ausmacht, die Abwechslung. Beratung und Verkauf, also der Kundenkontakt, ist wohl das Zentrale, aber nicht alles. Im Labor werden Medikamente hergestellt: Kapseln, Sirupe, Tinkturen. Aber auch das Lager will bewirtschaftet werden. Karin Maurer ist im 20-köpfigen Team – viele arbeiten Teilzeit – für den Einkauf zuständig.

Die Aufgabe ist immer noch dieselbe wie vor 40 Jahren, getreu dem Motto der Lindenapotheke: «Ihre Gesundheit liegt uns am Herzen». Heute sucht und bringt ein Roboter das passende Medikament aus dem Keller in den Laden hoch, wenn die Pharma-Assistentin die Bestellung richtig «inetöggelet» hat. Und für Recherchen dienen weniger Bücher als vielmehr das Internet.

Zusammenarbeit mit Ärzten

Als vor Jahren zur Diskussion stand, dass Ärzte selber Medikamente verkaufen dürfen sollen, habe sie auch privat «dagegen geweibelt», so Maurer. Nun ist die Lindenapotheke an der Dorfstrasse 13 optimal aufgestellt: Über der Apotheke ist das Hausärztehaus. «Das ist super für uns; die Zusammenarbeit spielt wunderbar», sagt sie. Nicht nur verschreiben Ärzte Medikamente, die in der Apotheke gekauft werden können; auch die Apotheke rät Kunden in schwierigen Fällen zum Arztbesuch.

40 Jahre Firmentreue sind nicht selbstverständlich. Ihr Berufswunsch sei bald klar gewesen, erinnert sich Karin Maurer, zumal sie als eher kränkliches Kind oft mit der Mutter in der Apotheke gewesen sei. Ein Wechsel in den kaufmännischen Bereich, wie viele Berufskolleginnen ihn vollzögen, indem sie zum Beispiel zu einer Krankenkasse wechseln, habe sich für sie so wenig angeboten wie ein Wechsel in eine andere Apotheke. «Ich habe einen kurzen Arbeitsweg, nie Stau», sagt sie, die zusammen mit ihrem Mann in Schlossrued ein Bauernhaus bewohnt.

Internet als Konkurrenz

Die Kunden seien heute kritischer, meint sie. Sie findet das gut. Doch auch im Zeitalter von «Dr. Google» sei ein Beratungsgespräch nicht ersetzbar. «Wir bestellen auch keine Medikamente aus dem Ausland», sagt sie. Karin Maurer sieht die Apotheke als einen Ort, wo «alle Fäden zusammenlaufen». Informationen vom Augenarzt, vom Frauenarzt oder vom Urologen, vom Rheumatologen. Darum rät sie: «Kommt immer in die gleiche Apotheke!» Natürlich komme es vor, dass jemand sagt: «Das gibt’s im Internet günstiger!» Ob der Kunde das Risiko eingehen will, etwas zu bestellen, das möglicherweise gefährlich oder nutzlos ist, müsse er selber entscheiden.

Neues Erscheinungsbild

Allergien und Intoleranzen hätten zugenommen, sagt Karin Maurer. Ob sie häufiger vorkommen, oder ob man sie heute nur genauer etikettiert?

Auch der Beruf hat seinen Namen geändert: Aus der Apothekenhelferin wurde die Pharma-Assistentin, wie aus dem Käser der Milchtechnologe wurde. Und das Gesicht einer Apotheke ist anders geworden. Prägten früher Flaschen, Dosen und Schubladen das Bild, so sinds heute Produkte, die mit ihrer Aufmachung Kundschaft ansprechen sollen. Sichtwahl nennt man das. Gabs früher vielleicht noch eine kleine Parfümerie-Ecke, so gehören heute Kosmetik- und Lifestyle-Artikel zum Erscheinungsbild einer Apotheke.

Vertrauen und Diskretion

Die Apotheke ist auch der Ort, wo man und frau den Kropf leeren kann, sagt Karin Maurer. Etwas, das ein Laden dem Versandhandel voraus hat. Zuhören, beraten, erklären. Wenns um die Gesundheit geht, zählt das gegenseitige Vertrauen. Dazu gehört auch Diskretion. «Da geht nichts mit nach Hause», sagt sie. Schweigepflicht. Eine moderne Apotheke verfügt denn auch über mehrere Theken, in Schöftland sogar über einen Beratungsraum, damit andere Kunden nichts mitkriegen. Früher, als Kondome noch nicht beim Grossverteiler zu haben waren, habe man ab und zu errötende Köpfe gesehen, schmunzelt Karin Maurer.

Für Kundschaft, die nicht mehr mobil ist, gibt es in Schöftland einen Hauslieferdienst. Zwei bis drei Mal pro Woche. Oder wenns dringend ist. «Heute war ich bei jemandem Kompressionsstrümpfe anmessen», sagt Karin Maurer. Sie mag ihre Arbeit, auch wenns manchmal stressige Zeiten gibt: Sechs Kunden, die bedient werden; fünf, die warten, das Telefon klingelt, eine Bestellung muss gemacht werden. «Multitasking ist gefragt», lacht die Pharma-Assistentin. Dennoch: Der Beruf kennt keine Nachwuchsprobleme.

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