Menziken

Spitalbibliothek: «Zuhören ist genau so wichtig wie ein Buch abgeben.»

«Biblihelferin» Elsi Vogt geht mit dem Bücherwagen von Tür zu Tür. Jiri Reiner

«Biblihelferin» Elsi Vogt geht mit dem Bücherwagen von Tür zu Tür. Jiri Reiner

Die Spitalbibliothek versorgt Patienten mit Lesestoff – dies jeden Mittwoch und seit 20 Jahren. Die Bibliothekarinnen haben beim Verteilen der Bücher auch immer ein offenes Ohr für die Patienten.

Im zweiten Stock des Spitals in Menziken liegt sie. Die kleine, aber feine Bibliothek. In einem hellen und heimeligen Raum hat sie ihren Platz. Fein säuberlich sortiert liegen die Bücher auf den Regalen. Romane aller Art, Krimis, Sachbücher, Biografien und Magazine.

Am Pult hinter einer Schreibmaschine sitzt Neeltje Weber. Die Initiantin der Spitalbibliothek ist an jenem Nachmittag nicht nur von Büchern umgeben: Auch die ehrenamtlichen «Biblihelferinnen» Heidi Schaffner, Annarös Steiner, Elsbeth Baumann, Elsi Vogt und Trudi Christen sind bei ihr.

Jeden Mittwochnachmittag versorgen die Frauen des gemeinnützigen Frauenvereins Menziken die Patienten und die Bewohner des Pflegeheims mit Lesestoff. Je nach Einsatzplan zieht jeweils eine Helferin mit einem Bücherwagen von Zimmer zu Zimmer. Sie gibt Bücher ab und unterhält sich mit den Patienten. «Viele halten gerne ein Schwätzchen mit uns», sagt Elisabeth Baumann. Neeltje Weber nickt und fügt an: «Zuhören ist genau so wichtig wie ein Buch abgeben.»

Was die gebürtige Holländerin vor 20 Jahren ins Leben gerufen hat, hat sich in all den Jahren zu einer geschätzten Dienstleistung entwickelt. Zwischen 500 und 600 Bücher werden pro Jahr ausgeliehen. Heimatromane, so die Frauen, seien vor allem bei den Älteren beliebt. Patienten des Akutspitals würden eher Neuerscheinungen bevorzugen. «Am meisten gefragt sind aber die Magazine», sagt Neeltje Weber. «Landliebe», «Geo», «Haus und Garten» oder die Reisezeitschrift «Merian». Die Illustrierten, sagt die diplomierte Bibliothekarin, habe man ins Sortiment aufgenommen, weil der Aufenthalt in der Regel kürzer geworden sei.

Schwere Bücher sind ungeeignet

Im Unterschied zu einer «gewöhnlichen» Bibliothek wählen die Frauen den Lesestoff nach gewissen Kriterien aus: Umfangreiche und somit schwere Bücher sind für die Spitalbibliothek nicht geeignet, ebenso Bücher, deren Schrift eher klein gedruckt ist.

Um neuen Lesestoff auszuwählen, gehen die sechs Frauen in der Regel in die Buchhandlung nach Reinach. «Die Ausleihe ist für Patienten und Pflegeheimbewohner kostenlos», sagt Neeltje Weber. Möglich ist dies mit der finanziellen Unterstützung durch den Spitalverein, die Brockenstube, den gemeinnützigen Frauenverein Menziken und private Sponsoren.

Im nächsten Jahr zieht die Spitalbibliothek ins Erdgeschoss, neben die Cafeteria. Neeltje Weber hofft, dass so auch Besucher und vermehrt Spitalpersonal Gebrauch machen. «Auch eine Kinderbücher-Ecke werden wir einrichten», so die Initiantin. Nach dem Umzug möchte sie kürzertreten. «Mit 80 ist ein guter Zeitpunkt», sagt Neeltje Weber lachend. Eine Nachfolge habe man bereits im Auge.

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