Suhr

«Teilweise gibt es keinen Stau mehr»: Situation mit offenen Bahnschranken bis nach Gränichen spürbar

Ein Ärgernis: Die Schranke beim Rundhaus in Suhr.

Ein Ärgernis: Die Schranke beim Rundhaus in Suhr.

Dass die SBB die Personenzüge in Suhr sistiert haben, ist ein Segen für Autofahrer in Gränichen und dem Wynental. Doch mit den Ersatzbussen dauert die Reise von Lenzburg nach Zofingen heute fast doppelt so lang

Die Bahnschranken der SBB in Suhr sind für den Strassenverkehr ein Ärgernis: Am Übergang bei Möbel Pfister und beim Rundhaus an der Gränicherstrasse stehen Fahrzeuge teils minutenlang im Stau und warten, bis die Züge auf der früheren Nationalbahnstrecke vorbeifahren. Seit die SBB am 7. September die Personenzüge (die S28 von Lenzburg nach Zofingen) wegen Lokführermangel gestrichen haben, sind die Staus an beiden Bahnübergängen entsprechend entschärft. Mehr noch: Die neue Situation mit den offenen Bahnschranken ist bis nach Gränichen spürbar.

«Teilweise gibt es wirklich fast keinen Stau mehr», bestätigt der Gränicher Gemeindeammann Peter Stirnemann. Er räumt zwar ein, dass weitere Aspekte wie das vermehrte Homeoffice wegen Corona oder die kürzlichen Schulferien mitspielen. Sagt aber dennoch: Wenn die Situation in Suhr verbessert würde, etwa mit einer doppelspurigen Führung direkt aus dem Kreisel beim Kreuz in Richtung Aarau respektive Hunzenschwil und der Aufhebung des Bahnüberganges beim Möbel Pfister, «könnte ein normales Verkehrsaufkommen aufgefangen werden».

Problemverlagerung bei mehr Busverkehr

Wäre es im Interesse der Gemeinde Gränichen, wenn der Bahnübergang untertunnelt oder gar die Passagierlinie aufgehoben und statt Züge Busse verkehren würden so wie heute? «Eine Untertunnelung brächte nur etwas, wenn beide Bahnübergänge aufgelöst werden könnten. Die Passagierlinie aufzuheben, ist keine Lösung, da auch viele Güterzüge diese Linie frequentieren, nicht zuletzt auch für die Zulieferung vom Migros Verteilzentrum Suhr», sagt Peter Stirnemann.

Mit den Ersatzbussen dauert die Reise von Lenzburg nach Zofingen heute fast doppelt so lang wie mit dem Zug, eine Verschlechterung des öV-Angebots will niemand. «Bei mehr Busverkehr gäbe es nur eine Problemverlagerung, zum Beispiel zum Zentrum Oberentfelden. Man muss das ganze Problem regional betrachten.»

Könnte man sich die 200- Mio.-Umfahrung ersparen?

Ohne kostenintensive bauliche Massnahmen seien beim Bahnübergang in Suhr «keine weiteren Optimierungen möglich», sagte SBB-Sprecherin Franziska Frey bereits vor vier Jahren. «Grund dafür sind die Gegebenheiten an der Signalisierung der Eisenbahn und den Mischbetrieb von Rangieren und Zugfahren.» Doch: Wenn schon nur die Aufhebung der Personenzüge die Stausituation in Richtung Wynental entschärft hat – könnte man mit einer Untertunnelung der Bahn, mindestens beim Knoten Rundhaus, die Stauprobleme immerhin verbessern und sich so auch etwa das 200-Millionen-Franken-Projekt Veras (die Ost- und Südumfahrung von Suhr) ersparen?

«Nachdem ein direkter Anschluss auf die Autobahn für das Wynental vom Bund abgelehnt wurde, stehe ich voll hinter dem Projekt Veras», sagt Peter Stirnemann. «Die angesprochenen Bahnübergänge würden damit gelöst, zumal ja für die Bahnstrecke eine Erhöhung der Frequenzen geplant ist.»

«Mit der Lösung sind wir spät dran»

Die S28 verkehrt voraussichtlich ab 13. Dezember wieder im Halbstundentakt jeweils in beiden Richtungen. Vier Mal pro Stunde wird die Bahnschranke tagsüber wegen der Personenzüge geschlossen. Kommt einst der Viertelstundentakt auf der Strecke, würde die Bahnschranke jeweils acht Mal pro Stunde den Strassenverkehr aufhalten.

Peter Stirnemann plädiert auch deshalb für ein rascheres Vorgehen bezüglich Veras. «Die Realisierung sollte beschleunigt behandelt werden. Auch wenn die Rechtswege eingehalten werden müssen: Mit der Lösung sind wir spät dran.»

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