Teufenthal/Beinwil am See
Hannes Piringer zeigt an der Art Feldmatte, was in einem Baumstamm stecken kann

Der Beinwiler Künstler schafft aus Holz Gebrauchs- und Kunstobjekte, die sich auch verziehen dürfen.

Sibylle Haltiner
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Hannes Piringer drechselt aus Schweizer Holz Objekte, die gerne auch gross sein dürfen. Hier eine Vase aus Douglasienholz.

Hannes Piringer drechselt aus Schweizer Holz Objekte, die gerne auch gross sein dürfen. Hier eine Vase aus Douglasienholz.

Hannes Piringer/zur Verfügung gestellt

In Hannes Piringers Werkstatt stehen viele grosse Maschinen, darunter eine wohl über hundert Jahre alte Drehbank. Als Maschinenbauingenieur liegt ihm der Umgang mit den lauten, schweren Ungetümen. Doch seine wahre Liebe gilt einem natürlichen Werkstoff.

Er drechselt Kunstwerke und Gebrauchsgegenstände aus Holz, vorzugsweise von Walnussbäumen, Eiben, Douglasien oder Obstbäumen. Daraus entstehen die unterschiedlichsten Objekte, vom filigranen Füllfederhalter über Obstschalen bis zur mehr als einen Meter hohen Vase.

Drechseln ist Hobby und Ausgleich

Zum Drechseln kam der heute 60-Jährige vor rund 20 Jahren, als er in der Werkstatt seines verstorbenen Schwiegervaters eine Drehbank fand. Piringer, der bereits in seiner Ausbildung zum Maschinenbauer mit der Holzbearbeitung in Kontakt gekommen war, baute die Werkstatt, von der aus man einen prächtigen Blick auf den Hallwilersee hat, Schritt für Schritt um und begann mit dem Drechseln. «Es ist für mich ein Hobby, der perfekte Ausgleich zu meinem kopflastigen, stressigen Beruf», erklärt der gebürtige Österreicher, der seit 30 Jahren in der Schweiz lebt und als technischer Leiter in einer Kalkofenbaufirma arbeitet.

Ob bei der Arbeit oder in der Freizeit, der Schutz von Umwelt und Klima ist dem Künstler ein grosses Anliegen. «Die Technologien für die Energiewende sind entwickelt, man muss sie nur noch anwenden, dann kommt es gut», erklärt der Ingenieur mit Überzeugung. Für seine Drechselarbeiten verwendet Hannes Piringer deshalb ausschliesslich Holz aus der Schweiz.

Kreisrund und asymmetrische Kunstwerke

Den Werkstoff für seine künstlerische Tätigkeit findet Piringer im Wald, oft wird ihm auch das Holz von alten Bäumen, die gefällt werden müssen, von Gartenbesitzern angeboten. Hat er den Stamm vor sich, kommt zuerst die schwierige Entscheidung, wie er ihn aufteilen soll, welche Objekte daraus entstehen könnten. Oft sägt Piringer quer zur Wuchsrichtung des Baumes ein Stück heraus, damit die Rinde den oberen Rand einer Schale bilden kann.

Anschliessend drechselt er das nasse Holz, wobei meterlange Späne entstehen. Für Hannes Piringer die schönste Arbeit. «Ich verwandle die in den Bäumen verborgenen Farben und Strukturen in Kunstwerke», schwärmt der Künstler. Da sich das Holz beim Trocknen verzieht, muss er sich für einen von zwei Bearbeitungswegen entscheiden. Entweder fertigt er einen Rohling, der anschliessend zwei bis drei Jahre trocknet, bevor er weiterverarbeitet und zu einem kreisrunden Gegenstand gedrechselt werden kann.

Oder Piringer fertigt ein dünnwandiges Objekt, das sich beim Trocknen verziehen darf. So entstehen einzigartige, ovale Hohlgefässe. Diese Arbeit, bei welcher er seine künstlerische Ader ausleben kann, liebt Piringer am meisten. Die fertig gedrechselten Holzobjekte werden anschliessend geschliffen oder gebürstet und mit Ölen oder Wachsen behandelt.

Ausstellung mit vielfältigem Kunstschaffen

Einige seiner Werke stellt Hannes Piringer vom 22. bis 24. Oktober an der Art Feldmatte in Teufenthal aus. Dort sind zudem die Arbeiten weiterer Künstler zu sehen. Alain Schartner baut Kugelbahnen, Eva Erni zeigt ihre Schriftbilder, Sam Stauffer Aquarelle, Fotografien und Spiralsteine.

Auch die Eisenplastiken und der Schmuck der beiden Initiatoren der Art Feldmatte, Reto und Esther Baumann, werden zu bewundern sein. Die Weindegustation mit Rahel und Daniel Buchmann sowie eine Matinee am Sonntagmorgen mit Celtic-Folk von Sam Stauffer runden den Kunstgenuss ab. Es besteht Zertifikatspflicht.

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