Wiliberg

Trotz schwierigen Bedingungen: Bald gibts Wein vom «Wyliberg»

Margreth Müller mit Mann Rudolf und Sohn Michael ernten Souvignier Gris.

Margreth Müller mit Mann Rudolf und Sohn Michael ernten Souvignier Gris.

Familie Müller hatte mit schwierigen Bedingungen zu kämpfen. Trotzdem kann sie wohl bald eigenen Weissen ausschenken.

Kurzzeitig hatte Margreth Müller die Hoffnung aufgegeben: «Ich dachte: Jetzt gibts nichts mehr.» Innert Minuten hatte ein Hagelzug Ende Mai einen Grossteil der bereits blühenden Reben in Wiliberg abgeschlagen. Doch die Stöcke erholten sich und machten neue Triebe. Gestern konnte Margreth Müller zusammen mit ihrem Mann Rudolf und Sohn Michael nun erstmals Trauben vom eigenen Rebberg ernten.

Die Idee entstand vor rund zwei Jahren. 2016 kaufte Familie Müller, die in einer Generationengemeinschaft einen Hof auf dem Kalt bewirtschaftet, ein steiles Stück Land oberhalb der Tannholzstrasse in Wiliberg. Obwohl der Hügel eigentlich zu hoch liegt, wurde der Rebberg einige Monate später bewilligt.

Familie Müller bei der ersten Lese auf dem höchstgelegenen Aargauer Rebberg in Wiliberg. Der 50 Aren grosse Rebberg-Standort, genannt «Wyliberg», liegt auf über 600 Metern über Meer.

Familie Müller bei der ersten Lese auf dem höchstgelegenen Aargauer Rebberg in Wiliberg. Der 50 Aren grosse Rebberg-Standort, genannt «Wyliberg», liegt auf über 600 Metern über Meer.

Vor zwei Jahren startete das Weinbau-Projekt in Wiliberg, nun kommt es bereits zur ersten Lese. Der Anbau von Reben wird im Aargau in der Regel bis auf 500 Meter über Meer genehmigt, der Weinberg in Wiliberg liegt höher. Doch der Standort befindet sich in einem Kessel mit starker Sonneneinstrahlung, ist gegen Süden exponiert und weist somit ein ideales Mikorklima auf.

Seitdem hat sich vor allem Margreth Müller den Reben verschrieben. «Ich habe meine Stelle in einer Wäscherei aufgegeben», sagt sie. Zusammen mit ihrer Schwiegertochter Chantal Müller, derzeit hochschwanger, besuchte sie einen Rebbaukurs auf der Liebegg. Inzwischen macht sie schon fast einen routinierten Eindruck. «Learning by doing», sagt Margreth Müller lachend, während sie mit einer Zange Traube um Traube abzwackt. «Zuerst wird der Oechslegrad gemessen», sagt sie. Anschliessend werden die Trauben gelesen. Dabei sollte man auf unreife oder faule Beeren achten, erklärt Rudolf Müller.

Bergrutsch und Trockenheit

Gekeltert werden die Beeren von Kathrin und Claudio Hartmann in Schinznach-Dorf. «Wenn alles gut läuft, ist der Wein im April fertig», sagt Margreth Müller. Ein Jahr eher als geplant.

Dies war alles andere als gewiss. Denn nicht nur der Hagel setzte dem Rebberg zu. Letztes Jahr schwemmten die starken Regenfälle vier von zehn Terrassen weg. Kostenpunkt rund 10'000 Franken, wie Rudolf Müller erklärt. Ausserdem stellte der heisse und trockene Sommer eine grosse Gefahr für die noch jungen Reben dar. Ganz schrumpelig seien die einzelnen Beeren zum Teil gewesen. «Das tut einem richtig weh», sagt Margreth Müller. Seit Mitte Juli mussten die Pflanzen daher täglich mit einem Tropfbewässerungsschlauch gewässert werden.

Die beiden Weissweinsorten Souvignier Gris und Solaris sind pilzresistent. Daher konnten Müllers auf Herbizide und Kupfer verzichten. Insgesamt hofft die Familie auf 300 Kilogramm Trauben. «Wenns rund läuft, gibt das 100 Flaschen Solaris und 180 Flaschen Souvignier Gris», sagt Rudolf Müller. Offiziell verkaufen will die Familie ihren Biowein vom «Wyliberg» erst übernächstes Jahr. Dann dafür gleich drei Sorten: Im Frühjahr gesellte sich zu den beiden weissen die rote Sorte Divico.

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