Burg

«Ununterbrochenes, hohes Engagement»: Ausbildungsbetrieb erhält Preis für berufliche Integration

«Für uns sind zufriedene Mitarbeiter und eine gute Qualität essenziell.» Beat Niederhauser Leiter Produktion Eichenberger Gewinde AG.

«Für uns sind zufriedene Mitarbeiter und eine gute Qualität essenziell.» Beat Niederhauser Leiter Produktion Eichenberger Gewinde AG.

Die Eichenberger Gewinde AG bildet seit 15 Jahren Menschen mit Handicap aus – für sein Engagement im Bereich der beruflichen Integration erhielt das Unternehmen nun einen Preis.

Eigentlich hat Granit Mulaj bereits Ferien, noch ist er aber nicht verreist. Deshalb kommt er an diesem heissen Sommernachmittag gerne noch einmal in seinen Lehrbetrieb, um der Presse Red und Antwort zu stehen. Der 20-Jährige liebt seine Arbeit. Bei der Eichenberger Gewinde AG in Burg macht er die zweijährige Lehre zum Mechanikpraktiker EBA – eine Grundausbildung mit eidgenössischem Berufsattest, Vorstufe der Lehre mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis.

Der Berufseinstieg ist für den jungen Reinacher steinig. Seine Behinderung, die mit 13 Jahren ans Tageslicht kam, schränkt ihn ein. Die Muskeln an Händen und Unterschenkeln haben sich zurückgebildet. Er kann nicht lange stehen, hat feinmotorische Schwierigkeiten bei der Arbeit mit den Händen. Trotzdem macht er seine Arbeit in der Rüsterei, wo es um die Vorbereitung verschiedener Prozesse geht, gut. Denn Granit verrichtet sie mit viel Herzblut. Ein Vorteil fürs Unternehmen, wie Beat Niederhauser, Leiter Produktion bei der Eichenberger Gewinde AG sagt: «Für uns sind zufriedene Mitarbeiter und eine gute Qualität essenziell.» Granit sei glücklich mit dem, was er tue. Das mache ihn zu einem wertvollen Mitarbeiter.

Zusammenarbeit mit «Lebenshilfe»

Granit Mulaj ist nicht der erste Lernende mit einem Handicap bei der Eichenberger Gewinde AG. Seit 15 Jahren arbeitet das Unternehmen in der beruflichen Integration als Partner mit der «Lebenshilfe» zusammen. Die Reinacher Stiftung hat im Jahr 2001 ein Projekt zur Eingliederung von Menschen mit einer Beeinträchtigung in den ersten Arbeitsmarkt lanciert und dafür Partner aus Landwirtschaft, Industrie und Gewerbe gesucht. «Die Firma Eichenberger war von Anfang an dabei», sagt Martin Spielmann, Geschäftsleiter der «Lebenshilfe». Seither habe das Burger Unternehmen einige Lehrlinge eingestellt und, nicht minder wichtig, den Ausgebildeten danach im Betrieb die Gelegenheit gegeben, bleiben zu können.

Dafür gabs jetzt eine Auszeichnung. Die Eichenberger Gewinde AG wurde anlässlich eines Besuchs des regionalen Gewerbes in der «Lebenshilfe» mit dem internen O-G-I-Preis für ihr «ununterbrochenes, hohes Engagement», wie Spielmann sagt, öffentlich gewürdigt. «Das O steht dabei für Ökonomie und Ökologie, das G für Gesundheit und das I für Integration und Innovation. Alles Werte, die hier zutreffen.»

Für die Stiftung ist es nicht einfach, in der Region Plätze für die berufliche Integration von Menschen mit einem Handicap zu finden. Dabei eigne sich jeder Betrieb, so Spielmann. «Was es braucht, sind Aufgaben, die den Kompetenzen der Betroffenen entsprechen – und Unternehmen, die bereit sind, das mindestens zu prüfen, die Chance zu packen und die soziale Verantwortung zu übernehmen.»

Win-win-Situation für alle

Was aber hat das Unternehmen davon? Für Beat Niederhauser ist klar: «Wenn die richtige Person am richtigen Ort ist, bedeutet das eine Win-win-Situation für Arbeitnehmer und Arbeitgeber.» Natürlich brauche es ein bisschen Mut und die Bereitschaft, sich auf einen Menschen mit einem Handicap einzustellen. Aber wenn man einen topmotivierten Mitarbeiter habe, der eine auf ihn zugeschnittene Aufgabe mit Freude und Geschick erfülle, lohne sich das für die Firma in vielerlei Hinsicht. Zudem werde man nicht alleine gelassen.

Das betont auch Martin Spielmann: «Wir sind Partner in beide Richtungen.» Wenn es in einem Unternehmen mit einem Mitarbeitenden nicht mehr gehe, wenn jemand einen geschützteren Rahmen brauche, werde die «Lebenshilfe» ihrerseits wieder zum Partner, um Folgelösungen zu realisieren – unabhängig von der Finanzierung. «Für uns ist zentral, den Unternehmen das finanzielle und soziale Risiko zu nehmen.»

Granit Mulaj hat Halbzeit. In einem Jahr schliesst er die Ausbildung ab. Wie es weitergehen soll? Der Lehrling muss nicht lange überlegen: «Ich möchte hier bleiben und vielleicht später einmal Teamleiter werden.» Er arbeite gerne mit Menschen und im Anleiten sei er gut. Das bekräftigt auch sein Chef, der durchaus Chancen sieht, dass Granit seine beruflichen Ziele im Unternehmen einst erreichen kann.

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