Mal in einem Salonwagen der WSB, dessen älteste Bestandteile 1901 schon unterwegs waren, durch das Wynen- und Suhrental gondeln und Geburtstag feiern? Das könnte möglich werden. Am Donnerstag wurde im «Löwen» zu Gontenschwil ein Trägerverein «Pro Salonwagen WSB» gegründet. «Ein historischer Ort», sagt René Fasel, bei Aargau Verkehr AG (AVA) für den Bahnbetrieb zuständig und einer der Initianten des Vorhabens, den blauen Salonwagen wieder auf richtige Schienen zu bringen: Um die Mitte des 19. Jahrhunderts bereits habe der Gontenschwiler Pfarrer Zschokke sich für eine Bahn im Wynental starkgemacht.

Recycler als Retter

Eigentlich hätte der Wagen, 1932 aufgerüstet, 1950 in Hirschthal mit einem Güterzug kollidiert und neu aufgebaut und bis 1982 in Betrieb, vor sieben Jahren ja verschrottet werden sollen. Doch statt den Wagen auszuweiden, hat die Familie Bertschi vom Recyclingparadies, der Bertschi Mulden Transporte in Reinach, allen voran Olivia Bertschi, den Wagen gerettet. Immerhin hatten ihre Eltern den Hochzeitsapéro in diesem Salonwagen gefeiert.

Im Juni 2012 ging der blaue WSB-Wagen in Rente.

Im Juni 2012 ging der blaue WSB-Wagen in Rente.

Am 1. Juni 2012 wird "Das Blaue Bähnli" der Salontriebwagen der Wynental- und Suhrentalbahn von den Schienen genommen. Der Triebwagen wird vor den Hallen der Recyclingfirma Bertschi in Reinach AG aufgestellt.

Nostalgie? Den Bahnfreaks von heute kommt das zugute: Der Wagen steht noch, wenn auch nicht in bestem Zustand. Und er wurde von der Firma Bertschi und der öffentlichen Sammelstelle genutzt. Als Ort, wo man nach Besichtigungen und Workshops, so Olivia Bertschi, einen Snack mit Zopf, Schoggi und Orangensaft bekam: «Recycling-Quiz und Bastelaktionen konnten ebenfalls im Salonwagen durchgeführt werden», erzählt sie.

38 Gründungsmitglieder

Nach 22 Minuten, um 20.22 Uhr, ist der Verein gegründet. Das Gründungsprotokoll verzeichnet 38 Gründungsmitglieder und fünf Gäste. Am Verein liegt es nun, durch Arbeit, vor allem aber durch finanzielle und propagandistische Unterstützung das ausrangierte Fahrzeug wieder auf die Schiene zu bringen. Der Salonwagen kommt wieder in den Besitz der Aargau Verkehr AG und wird in der Werkstatt in Schöftland auf Vordermann gebracht, wenn denn das nötige Geld zusammenkommt. «Jetzt geht die Geldsammlerei los; und ich bin guter Dinge, dass es gelingt», sagt René Fasel.

900'000 Franken sammeln

Der Verwaltungsrat von Aargau Verkehr sagte im letzten Oktober Ja zum Vorhaben, allerdings müsse die Finanzierung gesichert sein. Die Vereinsgründung ist ein erster Schritt. Zudem verspricht man sich einen namhaften Beitrag vom Swisslos-Fonds. Immerhin geht es um geschätzte 900'000 Franken, wenn man die Fronarbeit als Lohnarbeit rechnet.

Viel Vorarbeit geleistet hat neben René Fasel vor allem auch der erste Präsident des Vereins, Andreas Peer, bei Aargau Verkehr als Ausbildungslokführer der S14 tätig. «Ich habe in den letzten Wochen nachts nichts als Gedanken über dieses Projekt und den Verein gewälzt», sagt Peer. «Das kann ich bestätigen», meint seine Frau Sandra, ebenfalls im Vorstand des neuen Vereins, zusammen mit Aktuar Urs Hunziker, Bernhard Wyssen, Roland Hufschmid und natürlich René Fasel. Als Tagespräsident führte Erwin Rosenast, Leiter Kommunikation bei Aargau Verkehr, die Wahlen durch.

Ehrenamtliche Arbeit

Die Versammelten beschlossen auch die Vereinsbeiträge: Einzelperson 100 Franken, Familien 150 pro Jahr. Passivmitglieder bezahlen 50 Franken, Firmen 500, und Gönner kann werden, wer mindestens 50 Franken spendet. Der Beitrag wird auch schon für 2019 erhoben. «Wir brauchen Geld, Startkapital, um die Reaktivierung des Salonwagens voranzutreiben», sagt Andreas Peer. Nicht nur der Vorstand arbeitet ehrenamtlich. Die Firma Intax AG in Aarau macht unentgeltlich Inkasso, Buchhaltung, Budget des Vereins.

Und die Farbe?

Man merkt, da sind Praktiker im Saal. Sie erfahren, dass Ausfahrten mit dem Triebwagen auch im dichten Fahrplan möglich sind, mit Ausweichen und kurzen Halten. Die technische Ausrüstung wird bereits für Änderungen im Stromsystem ausgelegt. Man denkt konkret: Und die Farbe des Wagens? «Da ist der Entscheid noch nicht gefallen», sagt Andreas Peer.

Kein Termindruck

Auf einen Terminplan will sich Peer nicht festlegen: «Wir wollen uns nicht unter Druck setzen.» Klar ist, und das bestätigten verschiedene Voten: Es braucht Aktionen, Flyer, Stände bei Anlässen in der Region, vielleicht auch an Bahnhöfen, um das Vorhaben bekannt zu machen. Man wird auf Facebook und Instagram aktiv, arbeitet an einer Website, eventuell mit Spendenbarometer, setzt auf Mail-Verkehr, vergisst aber auch die Bahnfreunde nicht, die analog unterwegs sind wie der Salonwagen aus dem Jahr 1901 mit seinen über 2,5 Millionen Fahrkilometern: Das erste Protokoll wird per Post verschickt.