Gontenschwil

Vom Design-Stuhl zum Tomografen alles aus Polyurethan Integralhartschaum

In der oberen Etage entsteht das Polyurethan-Gemisch, unten wird gepresst: Geschäftsführer Jürg Fischer (51) in der Produktionshalle.

In der oberen Etage entsteht das Polyurethan-Gemisch, unten wird gepresst: Geschäftsführer Jürg Fischer (51) in der Produktionshalle.

Das KMU Emaform AG ist zum Spezialisten für Plastik-Produkte herangewachsen

Der Schatz von Jürg Fischer (51) und seinem Unternehmen Emaform AG mit 70 Mitarbeitern lagert in einer kleinen Halle. Schwere, teilweise recht grosse Aluminiumblöcke sind eingelagert bis unters Dach. Es sind Formen für das Schäumen von verschiedenen Formteilen zu Verschalungen für Medizinal- und Analysegeräte, Teilen für Dusch-WCs, Designerstühle und vieles mehr. Nur schon die reinen Formenbauarbeiten für diese Formen belaufen sich auf eine zweistellige Millionensumme: pures Gold.

Sie sind das vorläufige Ergebnis eines 1982 von Eduard Maurer in Unterentfelden gegründeten Unternehmens. Nach sieben Jahren fand der Umzug in die grösseren Räumlichkeiten der ehemaligen Radiatorenfabrik Gamma Gontenschwil AG statt. 1996, nach seinem 50. Geburtstag machte sich Eduard Maurer bereits Gedanken betreffend seiner Nachfolge. Der Vater von Jürg Fischer meinte damals: «Ich glaube, ich kenne da jemanden.»

Bald darauf trat Jürg Fischer in das Unternehmen ein und wurde von Eduard Maurer über zehn Jahre hinweg zu seinem Nachfolger aufgebaut. Inzwischen ist Fischer seit über 10 Jahren alleiniger Geschäftsführer und hat ein kleines, aber schlagkräftiges Team um sich. Die einst viel zu grossen Hallen der Radiatorenfabrik sind ausgelastet und mussten bereits mehrfach erweitert werden: Auf inzwischen gut 7500 Quadratmetern wird entwickelt, geschäumt, nachgearbeitet und lackiert. Speziell bei Teilen für medizinische Geräte bestehen teilweise hohe Anforderungen an zusätzliche Arbeitsschritte wie Beschichtungen, CNC-Nachbearbeitungen und Montagearbeiten.

Einführung von Schichtarbeit?

Letztes Jahr gab es bei den Schweizer PUR-Verarbeitern eine Bereinigung, von den betroffenen Kunden konnte Emaform die Herstellung von verschiedenen PUR-Teilen übernehmen. Für dieses Jahr stehen einige grössere Projekte an, bei denen das Unternehmen die Kunden nicht nur als Produzent unterstützt, sondern auch bei der Entwicklung der Produkte mitarbeitet. Gross ist der Markt nicht: Emaform verarbeitet 300 Tonnen Material pro Jahr und ist damit, so schätzt Fischer, der grösste Hersteller von PUR-Formteilen in der Schweiz.

Die Wirtschaft brummt, der Franken hat sich wieder etwas erholt: wie weiter? Neben den bestehenden Anlagen besitzt das Unternehmen 5000 Quadratmeter Landreserve. Wird Fischer sie überbauen? «Dafür gibt es schon Skizzen. Aktuell tendiere ich dennoch eher dazu, zuerst die bestehenden Kapazitäten weiter auszuschöpfen, allenfalls auch mit der Einführung von Schichtarbeit», sagt Fischer.

Vorsichtig bleiben, schliesslich gebe es da auch noch einige Unsicherheiten bezüglich der weiteren Entwicklung der Wirtschaftslage. Fischer nennt den Brexit in Grossbritannien und die neuen Zölle in den USA. Zwar ist der Grossteil von Emaforms Kunden in der Schweiz ansässig, doch diese sind stark exportorientiert. Das Unternehmen weiss, wie schnell es gehen kann. Die Euro-Krise machte Emaform und seine Kundschaft über Nacht 20 Prozent teurer als die Konkurrenz im Ausland. In dieser Zeit mussten auch lieferantenseitig neue Wege gesucht und mit den Schweizer Kunden Lösungen erarbeitet und Zugeständnisse gemacht werden. «Das tat weh, aber irgendwie musste es ja weitergehen», sagt Fischer.

Zunehmend wird auch der direkte Kontakt zu Kunden im nahen Ausland gesucht. Die Emaform präsentiert sich im Drei-Jahres-Rhythmus an der für sie wichtigsten Messe der Swiss Plastics und ergänzend an verschiedenen Fachmessen. Und die Konkurrenz in Osteuropa oder China? «Das ist bei unseren Kunden ab und zu Thema», sagt Fischer. Doch für die kleinen, hoch spezialisierten Serien, die bei ihnen gefertigt werden, findet sich meist kein wirtschaftlicheres Angebot: Der Transport ist teuer und der enge Austausch und die Flexibilität welche Emaform ihren Kunden bietet, würde wegfallen. 

Bekanntheit von PUR steigern

«Polyurethan Integralhartschaum ist vielerorts ein unbekanntes Nischengebiet», meint Fischer. Anders ausgedrückt: Das Verfahren ist bei den Designern und Konstrukteuren noch zu wenig bekannt. Als eine Antwort darauf sucht Emaform seit einigen Jahren auch die Nähe zu den Spezialisten von Morgen und wirbt bei ihnen für sein Nischenmaterial, Polyurethan. So hat Fischer in den letzten Jahren Berufsschulklassen angehender Kunststofftechnologen und künftige Industrie-Designer durch die Firma geführt. Für die angehenden Entwickler und Designer ist Polyurethan spannend, weil sich mit dem stabilen Kunststoff Geometrien herstellen lassen, welche mit alternativen Materialien nicht oder nur schwer denkbar sind.

«Wir werden auch zukünftig diesen Weg weitergehen und versuchen junge Leute für unser Material und den Herstellungsprozess zu begeistern. Aber auch sonst sind wir offen und führen gerne Gäste durch unsere Firma. So entstehen interessante Kontakte und Gespräche bei denen man nie weiss, was daraus wird», sagt Fischer. (az)

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