Irgendwann hat es dann doch geklappt. Nach vielen Diskussionen und mehreren Versuchen fusionierten die Feuerwehren Reinach-Leimbach und Menziken-Burg-Pfeffikon. 2014 war das, es war die Zeit, in der Reto Eichenberger zum Kommandanten wurde.

Im nunmehr sechsten Jahr führt er die Feuerwehr Oberwynental. Eine Organisation, die Menziken, Reinach, Burg, Leimbach und das luzernische Pfeffikon umschliesst. Die Ortsbezeichnungen werden nicht einzeln aufgeführt, «das wäre dann doch zu holprig geworden», wie Eichenberger sagt.

Stattdessen wählte man nicht nur ein neues Logo, sondern mit Oberwynental auch einen Namen, der Gleichberechtigung zwischen den Gemeinden ausdrücken soll. «Wir fühlen uns für die Sicherheit der ganzen Bevölkerung zuständig», sagt Eichenberger. «Ob das nun im grossen Reinach oder im kleinen Burg ist, spielt keine Rolle.»

100 Einsätze und bis zu 50 Übungen jährlich

Mit den beiden Feuerwehren seien auch zwei Mentalitäten zusammengeführt worden, fügt der Kommandant an. Ein Machtkampf aber blieb aus. «Wir waren von Anfang an eine Einheit. Es gab kein Konkurrenzgehabe, wie man das von anderen Feuerwehrfusionen hört.» Jeder habe die neue Situation angenommen, sagt Eichenberger. Trotzdem gibt es noch immer Schwierigkeiten, die das Team meistern muss. Die Koordination von zwei Magazinen (in Menziken und Reinach) aus stellt für Eichenberger und seine Offiziere nach wie vor eine logistisch anspruchsvolle Aufgabe dar.

«Das ist aber auch das Reizvolle an der Arbeit: Eine Feuerwehr von Beginn weg mitzugestalten und zu leiten», findet Eichenberger. Dem heute 47-Jährigen wurde eine grosse Verantwortung übertragen. Gemessen an den 17 000 Einwohnern führt er mit der Feuerwehr Oberwynental eine der grössten im Kanton. Das Korps zählt 110 Feuerwehrleute, davon sind rund 20 Prozent Frauen.

Es ist viel Engagement, das alle Beteiligten einbringen müssen. 100 Einsätze sind es im Jahr, im Durchschnitt rücken die Einsatzkräfte also etwa jeden dritten Tag aus. Dazu kommen Übungseinsätze. Für Feuerwehrleute mit vielen Funktionen addiert sich das auf über 50 Übungen jährlich.

Trotz des grossen Zeitaufwandes ortet die Feuerwehr Oberwynental kein Nachwuchsproblem, der Bestand entspricht den Vorgaben. «Die, die da sind, verstehen es recht gut, ihre Freunde und Bekannten von uns zu begeistern», sagt Eichenberger. Nebenher erledigt man die «Hausaufgaben», schreibt neue Jahrgänge an und veranstaltet jährlich eine grosse Übung für die Bevölkerung. Das sei förderlich, sagt Eichenberger: «Die Menschen in den Dörfern lernen uns kennen und schätzen die Arbeit, die wir leisten.»

So ist die Feuerwehr Oberwynental gewissermassen zu einem Aushängeschild geworden , obwohl es sie erst seit fünf Jahren gibt. Und wenn es noch einen Beweis gebraucht hätte, dass Menziker und Reinacher Feuerwehrleute zusammenhalten, erzählt Reto Eichenberger eine letzte Anekdote.

Steht man im Magazin in Menziken, fällt nämlich auf: Alle Fahrzeuge tragen Frauennamen. «Die Ehefrau des amtierenden Kommandanten wird jeweils auf den Autos verewigt.» Die Menziker hätten das schon lange so gemacht, nach der Fusion hätten sie den Brauch gemeinsam fortgeführt. Die 2015 angeschaffte Autodrehleiter hört auf den Namen Helene – es ist Eichenbergers Gattin.