Menziken

Vor über 100 Jahren: Was die Menziker Dorfhebamme über ihren Beruf schreibt

«Man hat viele Zangengeburten machen müssen, weil man keine richtigen Wehenmittel hatte», schreibt Elsie Wirz.  (Symbolbild).

«Man hat viele Zangengeburten machen müssen, weil man keine richtigen Wehenmittel hatte», schreibt Elsie Wirz. (Symbolbild).

Bei schweren Geburten kam der Doktor mit dem alten Kinderwagen: In ihren Memoiren hielt die Menziker Hebamme Elsie Wirz (1889-1967) fest, wie vor 100 Jahren Kinder auf die Welt gebracht wurden.

Mit dem neugeborenen Kind durfte niemand sprechen, denn die Marei sagte, die Kinder dürften sechs Wochen nicht wissen, dass sie auf der Welt seien», schreibt die Menziker Hebamme Elsie Wirz (1889-1967) in ihren Memoiren. Was sie hier über das Schweigen schreibt, stammt aus der Zeit, in der sie nach 1910 als frisch diplomierte Hebamme ihre erfahrene Kollegin Marei Eichenberger auf der Burg begleitet.

Marei brachte in ihrem Körbli jeweils ein Knäuel ungebleichtes Garn, eine Schere in einem Tüechli und ein Päckli Watte zur Geburt. Die Verwendung von Lysol, einem Desinfektionsmittel, war damals zwar Vorschrift, doch sträubte sich Marei, dieses «Gift» zu verwenden, schreibt Elsie Wirz. «Wenn die Geburt vorbei war, musste ich der Wöchnerin ein Brotsüppli kochen mit ausgelassener Butter, kein Salz. Die Fensterläden mussten geschlossen werden, es sei besser für die Augen, und kämmen dürfe man die Frauen auch nicht, sonst würden ihnen die Haare ausgehen.»

Weiter schildert Elsie Wirz, dass nur ganz selten eine Frau ins Spital ging und nur im allergrössten Notfall – in Zeiten der Spanischen Grippe beispielsweise (um 1918). Bei schweren Geburten wurde Dr. Hermann Steiner gerufen, der seine beiden Koffer mit den Instrumenten in einen alten Kinderwagen gepackt hatte. «Man hat viele Zangengeburten machen müssen, weil man keine richtigen Wehenmittel hatte», schreibt Elsie Wirz.

«Frau Doktor bereitete alles vor, machte dann die Narkose. Ich half dem Arzt. Wenn alles vorbei war, hat Herr Doktor Steiner jedes Mal gesagt: ‹Nach menschlichem Ermessen sollte alles gut gehen› und seine Frau hat oft zu mir gesagt, sie bete viel bei den Geburten und ich solle es auch machen und nachher nie vergessen, für die Durchhilfe zu danken.»

Elsie Wirz arbeitete fast 50 Jahre lang als Dorfhebamme und half in dieser Zeit über 4000 Kindern auf die Welt. 

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