Wahlsonntag

Wahlergebnisse Bezirk Kulm: Ein Sieg für die FDP und die Frauen

Mit der Rückeroberung eines Sitzes ist die FDP zweimal vertreten – und so sind es auch die Frauen.

Drei Siegerinnen sind im Bezirk Kulm gekürt worden. Die erste ist Barbara Borer-Mathys. Die 37-jährige SVP-Bezirkspräsidentin kandidierte zum ersten Mal und schaffte auf Anhieb den Einzug in den Grossen Rat. Zweite Siegerin ist die FDP. Die Verliererpartei der letzten Grossratswahlen schaffte es, ihren zweiten Sitz zurückzuerobern.

Die dritte Siegerin ist die Freisinnige Karin Faes (50). Als bei ihr die ersten Gratulationen eintrafen, wusste sie selbst noch gar nicht, dass sie gewählt worden ist. Bei einer guten Freundin bedankte sie sich für die Glückwünsche zum guten zweiten Platz, nicht zum Sitz im Grossen Rat. «Aber du bist doch drin!», meinte die Freundin. «Ich kann es noch gar nicht glauben», sagte Karin Faes freudestrahlend.

Das Engagement in der Region habe sich ausbezahlt, sagt Karin Faes. Seit 2013 ist sie im Vorstand des Regionalplanungsverbandes AargauSüd. 2014 hat sie im Verband das Präsidium der Kommission Gesundheit und Soziales übernommen. Ausserdem ist sie Gründerin der Kita Sunneschii und Vorstandsmitglied im Hauseigentümerverband (HEV) Aarau und Kulm. Man kennt sie. Deshalb konnte sie auch Stimmen auf fremden Listen sammeln.

Mit Karin Faes und Barbara Borer-Mathys (SVP) schickt der Bezirk Kulm nun zwei Frauen nach Aarau. «Das finde ich sehr wertvoll», sagt Karin Faes. Sie freue sich auf eine konstruktive Zusammenarbeit. Konkrete Ideen für Vorstösse hat die Frischgewählte noch nicht. Sie wolle erst zuhören und lernen.

Mit 30 Jahren schon ein Grossrats-Comeback hingelegt

Einer, der die Erfahrung einer überraschenden Wahl bereits kennt, ist Parteikollege Adrian Meier. Der 30-Jährige wurde gestern mit rund 700 Stimmen Vorsprung auf Karin Faes ebenfalls in den Grossen Rat gewählt. Trotz seines jungen Alters ist es ein Comeback. Bereits 2012 hatte er den Sprung geschafft. Doch nach vier Jahren war für den damals jüngsten Grossrat schon wieder Schluss. Nach einer Amtsperiode wurde er 2016 Opfer des Erfolgs von Karin Bertschi.

«Das war damals unglaublich hart», sagt der Menziker. Umso grösser ist jetzt die Freude über das gute Ergebnis. «Ich bin sehr erleichtert», sagt Adrian Meier. Sein persönliches Ziel von 2000 Stimmen hat er um 460 Stimmen übertroffen. «Damit hätte ich nicht gerechnet.» Nun sei seine geleistete Arbeit – wenn auch mit Verspätung – doch noch honoriert worden.

Um die Nervosität am Wahlsonntag auszuhalten, lenkte sich Adrian Meier ab. Nach dem Frühstück machte er sich sofort daran, Plakate abzuhängen, brachte an derer Stelle optimistisch die ersten «Danke» an. Zeit dazu hatte er. Erstens hatte die Bezirkspartei die Wahlfeier am Freitag kurzfristig abgesagt, zweitens wurde der neue Grossrat gestern bereits um 6 Uhr von der drei Wochen alten Tochter Emily geweckt.

Vierter SVP-Sitz hing zu sehr an Überfliegerin Bertschi

Die Frage, ob die FDP der SVP den vor vier Jahren an sie verlorenen Sitz wieder abluchsen kann, war im Vorfeld die wohl meistdiskutierte. Spekuliert wurde auch, ob es allenfalls der SP gelingen könnte, der SVP den vierten Sitz abzujagen. Letzteres klappte aber nicht. Der von der Partei zuvor bereits (erfolglos) als Bezirksrichter gepushte Oberkulmer Patrick Hüsser kam auf lediglich 859 Stimmen.
Verloren haben diese Wahl die beiden SVPler Manuel Kaspar und Daniel Wehrli. Sie waren 2019 auf Karin Bertschi (Kaspar) und Franz Vogt (Wehrli) gefolgt. Nachrutschen steigert für gewöhnlich die Wiederwahlchancen massiv; offensichtlich war der vierte Sitz aber zu eng mit der Person Karin Bertschi verknüpft.

Nicht nur hat die SVP einen Sitz abgeben müssen, sie ist prozentual gesehen die Verliererin des Bezirks Kulm. Zwar ist sie mit 39,5 Prozent Wähleranteil immer noch die mit Abstand stärkste Partei im Bezirk, muss aber mit -2,8 Prozentpunkten am meisten einbüssen. Aber es gibt auch einen Sieger auf bürgerlicher Seite: Die EDU mit ihrem Vertreter Rolf Haller legte mit 2,2 Prozentpunkten am meisten zu.

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