Wiederaufbau
Warum die Kölliker Hochstudscheune nicht steht

Vor zwei Jahren wurde die Kölliker Hochstudscheune für einen Wiederaufbau gerettet. Was seither passiert ist.

Katja Schlegel
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So könnte die Kölliker Hochstudscheune nach einem Wiederaufbau aussehen. Andrea-Carlo Polesello kämpft seit 2017 für die Scheune.

So könnte die Kölliker Hochstudscheune nach einem Wiederaufbau aussehen. Andrea-Carlo Polesello kämpft seit 2017 für die Scheune.

zvg/ Martin Hoffmann Bild: Severin Bigler (23.10.17

Seit zwei Jahren liegt sie in Einzelteilen unter Plastikplanen: die Kölliker Hochstudscheune, die letzte ihrer Art. Im März 2018 haben die Initianten von «Kölliker für die Rettung der Hochstudscheune» ​das Relikt in letzter Minute vor der Zerstörung gerettet. Dies, nachdem sie den Eigentümer der Parzelle davon haben überzeugen können, den historisch wertvollen Bau nicht abzureissen, sondern zu zerlegen. Damit ist der Wiederaufbau der Scheune möglich. Weichen musste sie, weil auf der Parzelle Mehrfamilienhäuser gebaut werden sollen (diverse Artikel in der AZ).

Vorgesehen war, die Hochstudscheune als Heulager auf dem Land eines Kölliker Bauers aufzubauen. Dafür spendeten nicht nur diverse Privatpersonen und Stiftungen, sogar der Regierungsrat sprach einen 50000-Franken-Beitrag aus dem Swisslos-Fonds. Unter dem Strich hatten die Initianten über 100000 Franken für die Aufbauarbeiten in Aussicht gestellt. Der Bauer war bereit, das Land zur Verfügung zu stellen. Es schien alles ganz einfach. Doch seit zwei Jahren ist nichts passiert.

So könnte die Kölliker Hochstudscheune nach einem Wiederaufbau aussehen. Andrea-Carlo Polesello kämpft seit 2017 für die Scheune.

So könnte die Kölliker Hochstudscheune nach einem Wiederaufbau aussehen. Andrea-Carlo Polesello kämpft seit 2017 für die Scheune.

zvg/ Martin Hoffmann Bild: Severin Bigler (23.10.17

Scheune soll hinter dem Dorfmuseum stehen

Der Plan vom Wiederaufbau in der Landwirtschaftszone hat sich zerschlagen. Das sagt Andrea-Carlo Polesello von der Initiativgruppe. Das Problem: «Der Bauer hätte wegen der zusätzlichen Fläche der Scheune seinen Betrieb umorganisieren müssen.» Wie Hausbesitzer haben auch Landwirte eine Ausnützungsziffer für ihre Höfe, die sie nicht überschreiten dürfen.

Die Idee nun: Die Hochstudscheune soll hinter dem denkmalgeschützten Dorfmuseum im Strohdachhaus aufgebaut werden. Das Land, auf dem heute der Baumgarten steht, liegt in der Kernzone und gehört der Gemeinde. Den Initianten schwebt vor, die Scheune als Eventlokal und als Erweiterung zum Strohdachhaus zu nutzen.

«Hier könnten unter anderem Konzerte, Hochzeitsapéros, Vereinsanlässe oder Geburtstage stattfinden oder ein temporäres Museumskafi eingerichtet werden», sagt Polesello. Geplant ist weiter, zu einem späteren Zeitpunkt ein Küfereimuseum (eine entsprechende Werkstatt befand sich bis zum Abbau in der Scheune) aufzubauen. Ausserdem soll die Scheune als Lagerraum für landwirtschaftliche Geräte dienen.

Initianten brauchen rund eine Million Franken.

Gespräche mit dem Gemeinderat haben laut Polesello bereits stattgefunden. «Der Gemeinderat hat uns signalisiert, dass die Gemeinde den Bauplatz im Baurecht abgeben würde.» Dies unter der Voraussetzung, dass die Finanzierung für Aufbau und Betrieb gewährleistet ist, und ein Gremium bestellt wäre, das für den Betrieb der Scheune verantwortlich ist.

Und hier, bei der Finanzierung, muss noch viel unternommen werden. Mit den teils zugesagten, teils einbezahlten 100000 Franken könne knapp der Wiederaufbau angepackt werden. Nutzbar wäre die Scheune aber erst, wenn die Infrastruktur für den Betrieb eingebaut ist. Polesello meint, dass für Aufbau, Ausbau und Betrieb – über zehn Jahre gerechnet – bis zu einer Million Franken aufgewendet werden müssten.

Eine Million – ungeheurer viel Geld. Eine unlösbare Aufgabe, würde man meinen. Doch Andrea-Carlo Polesello sieht das anders. «Es braucht riesige Anstrengungen, dessen sind wir uns bewusst. Aber es ist möglich.» Stemmen wollen die Initianten diesen Betrag mit der Hilfe der Bevölkerung, von Stiftungen und Institutionen. Mit der Wiedereröffnung des Dorfmuseums am 18. April wird auch die Jahresausstellung mit dem Thema «Das Projekt Wiederaufbau des Kulturguts Hochstudscheune» eröffnet. Weiter sind Spenden- und Standaktionen geplant.

«Verschwindet Scheune, verschwindet Geschichte»

«Wir müssen es schaffen, die Leute darauf zu sensibilisieren, dass unser kulturelles Erbe im Aargau sicher einmal aus Römerlagern und Schlössern besteht, und eben auch aus dieser Scheune», sagt Polesello. «Sie ist eines der letzten Zeugnisse unserer bäuerlichen Tradition, die Essenz von knapp tausend Jahren bäuerlicher Baukultur. Verschwindet sie, verschwindet ein Stück unserer Geschichte. Unwiderruflich.»

Initiativgruppe

Die Initiativgruppe ​«Kölliker für die Rettung der Hochstudscheune» steht unter dem Patronat des Schweizer Heimatschutzes, des Aargauer Heimatschutzes, der Kantonsarchäologie Aargau sowie der Denkmalpflege des Kantons Aargau. Infos unter www.hochstudscheune.ch

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