Hier die Vorgeschichte: Im August 2017 führten sechs Personen auf dem Grundstück ausgangs Schöftland Richtung Ruedertal, im Besitz von Bruno Schlatter, «König Bruno von Noseland», eine Performance auf, in deren Verlauf sie sich nackt bewegten. Eine Nachbarin fühlte sich gestört und avisierte die Polizei. Der Gemeinderat von Schöftland büsste daraufhin sechs Personen mit 100 Franken. Drei bezahlten. Die drei anderen, Thomas Zollinger (66) und Elisabeth Schär (60) aus Biel und Maria Regula Merz (74) aus Neuendorf, wehrten sich gegen den Strafbefehl, der sie samt Gebühren nun auf 160 Franken zu stehen gekommen wäre, beim Bezirksgericht. Am 11. Januar standen die drei vor Gerichtspräsident Christian Märki. 

Thomas Zollinger, Elisabeth Schär, Bruno Schlatter und Maria Regula Merz (von links) nach der Urteilsverkündung vor dem Bezirksgericht Unterkulm.

Thomas Zollinger, Elisabeth Schär, Bruno Schlatter und Maria Regula Merz (von links) nach der Urteilsverkündung vor dem Bezirksgericht Unterkulm.

Kunst oder nicht Kunst? Nein, das ist nicht die Frage, obwohl der Gerichtspräsident wissen will, was es mit einer solchen Performance auf sich hat. Zollinger, der Konzeptor der Performance, sieht einen Zusammenhang zwischen nackter Wiese und der Nacktheit der Darsteller. Er hat Erfahrung mit Körpern im Raum. Maria Regula Merz beschreibt ihre Handlung auf der Wiese als ein Segnen von Platz und Pflanzen. Absolut still sei es gewesen, jeder habe seine Sache gemacht: «Was kann daran lätz sein?» Ist es der Ort des Geschehens? 

Die drei Performenden weisen darauf hin, dass sie nie daran gedacht hätten, jemanden stören zu können. Um Nackte aus 250 Metern Distanz als solche zu erkennen, hätte man einen Feldstecher benützen müssen, sagt Zollinger. «Und vorbeikommende Wanderer?», will Märki wissen. Just um Spaziergänger aufzuklären über das Geschehen, sei König Bruno am Rande seines Grundstücks gestanden, sagt Merz. 

«Wer in der Öffentlichkeit durch ungebührliches Verhalten Ärgernis erregt, wird bestraft», steht im Polizeireglement der Gemeinde Schöftland. Darum die Busse. Ob das auf die drei Personen zutrifft, darüber hat Christian Märki zu befinden. In seiner Urteilsbegründung geht er auf die drei relevanten Begriffe dieses Paragrafen ein: Öffentlichkeit, ungebührliches Verhalten, Ärgernis. Öffentlichkeit? Das wäre möglicherweise zu begründen, meint er. Beim ungebührlichen Verhalten werde es schon schwieriger. «Nicht sexuell motivierte Nacktheit ist keine Strafnorm», sagt Märki. 

Szenen der Performance «Nudeland» im August 2017 in Schöftland

Szenen der Performance «Nudeland» im August 2017 in Schöftland

Der Begriff «Ärgernis» sei interpretationsbedürftig. Sein Fazit: Da liegen unbestimmte Rechtsbegriffe vor. Ohne genügend bestimmte Gesetze keine Strafe. So sei der Begriff Ärgernis von der Polizei nicht abgeklärt worden: Sorge? Angst? Märki: «Der objektive Tatbestand des Ärgernisses fehlt mit Sicherheit.» Zudem lägen weder eine Sorgfaltspflichtverletzung vor, noch der Wille, Ärgernis zu erregen. Das Urteil spricht die drei Nackt-Performenden frei; die Verfahrenskosten übernimmt der Staat. Eine Umtriebsentschädigung von 200 Franken, wie Zollinger sie gefordert hat, lehnt Christian Märki ab. Zollinger ist dennoch zufrieden: «Ich wollte damit zeigen, dass eine Performance mit Aufwand verbunden ist.»

Weiterzug unwahrscheinlich 

Und was sagt der Schöftler Gemeindeammann Rolf Buchser zum Urteil? «Ich glaube nicht, dass wir den Fall weiter ziehen; wir haben wichtigere Geschäfte.» 

Die Nacktkünstler wurden freigesprochen. Was halten bei der Verhandlung Anwesende vom Urteil?