Reitnau

Wie Bruno Altherr, seine historische Druckpresse und sein Bart zu ihrem Auftritt im Zwingli-Film kamen

Bruno Altherr zeigt, wie der Buchdruck mit Zwinglis Holzpresse funktioniert.

Bruno Altherr zeigt, wie der Buchdruck mit Zwinglis Holzpresse funktioniert.

Die Filmemacher wurden auf ihrer Suche nach einer historisch authentischen Druckpresse im Suhrental fündig: Die Presse, die im Film Zwingli zu sehen ist, gehört Bruno Altherr aus Reitnau. Der Auftritt im Zwingli-Film war für den frisch pensionierte Elektromechaniker ein Zückerli.

Reitnau hat einen Filmstar. Ohne sie wäre der Film Zwingli, der momentan im Kino läuft, nicht der gleiche. Denn damit der Zürcher Reformator auf der Leinwand seine Schriften an die breite Masse verbreiten konnte, musste eine historisch authentische Druckpresse her. Ein rund 500 Jahre altes Gerät, bei dem auch der erste Buchdrucker Gutenberg gewusst hätte, wie damit umzugehen ist.

Die Filmemacher wurden auf ihrer Suche im Suhrental fündig: Die Presse, die im Film Zwingli zu sehen ist, gehört Bruno Altherr aus Reitnau. Der frisch pensionierte Elektromechaniker und Offsetdrucker führt das Museum «Gutenberg Werkstatt Reitnau».

Bruno Altherr hat mit seiner historischen Buchdruckpresse im Zwingli-Film mitgespielt.

Bruno Altherr hat mit seiner historischen Buchdruckpresse im Zwingli-Film mitgespielt.

Das «Uroriginal» abgezeichnet

Ganz so alt wie Gutenberg oder Zwingli ist die Presse nicht. «Die Eichenbalken sind ungefähr 300 Jahre alt», sagt Bruno Altherr. Aber die Technik, die ist à la Gutenberg. Altherr ist extra nach Mainz gereist, um dort im Gutenberg-Museum das «Uroriginal» einer Druckpresse abzuzeichnen und als Vorlage zu verwenden. Das war vor ungefähr 30 Jahren. «Ich habe sie für eine Gewerbeausstellung nachbauen lassen», sagt er.

Seither sei er mit der Druckpresse schon durch die halbe Schweiz gereist, um sie vorzuführen. Zweimal war sie schon im Landesmuseum ausgestellt. Jetzt ist die historische Holzpresse zum Filmstar geworden. Und ihr Besitzer ebenfalls. Bruno Altherr hatte einen Einsatz als Statist.

Der Auftritt im Zwingli-Film war für den 65-Jährigen Reitnauer ein Zückerli. Doch die Filmemacher waren auf den Fachmann angewiesen. Denn jemand musste den Schauspielern zeigen, wie man das Gerät bedient.

Die Gutenberg-Druckpresse ist auch für Laien leicht durchschaubar: Die Farbe wird mit einem Druckstempel aus Hundeleder – «das einzige Leder ohne Poren» – auf die gesetzten Buchstaben aufgetragen. Dann wird das Papier darauf gelegt und das Ganze unter die Spindel geschoben. Mit dem Drehen dieser Spindel wird ein Gewicht auf das Papier gedrückt. «Daher kommt der Name Druck», sagt Altherr. Begeistert spricht der freundliche Mann im Strickpullunder über seine historische Presse.

«Der Auftritt im Film war eine hoch spannende Sache», sagt Bruno Altherr. Nachdem sie einen Tipp erhalten haben, seien die Filmemacher nach Reitnau gekommen, um die Presse zu inspizieren. Den Transport der 200 Kilogramm schweren Maschine nach Stein am Rhein übernahm die Firma. «Ich habe gesagt, mit meinem Rücken mache ich das nicht.» Profis seien das gewesen, die Transportleute. Altherr musste sich keine Sorgen machen um sein Bijou.

«Zwingli» – der Trailer zum Film

Der Bart ist echt

Auch er selber wurde inspiziert. Monate vor seinem Einsatz musste er in Zürich zum sogenannten Fitting antraben. Dort wurde er ausgemessen und fotografiert. «Offenbar hat denen mein Gesicht gepasst», sagt er und lacht. In Zürich habe man ihm einen Bart angeklebt, weil seiner kurz war.

Bis zum Dreh hatte er noch Zeit zum Wachsen und siehe da, er war lang genug. «Im Film ist alles Naturbart», sagt Altherr stolz. Gedreht wurde an einem Karfreitag, dreizehn Stunden im Kloster St. Georgen in Stein am Rhein. Kalt sei es gewesen, aber die Verpflegung sehr gut. Auch Fleisch habe es gegeben, passend zur Filmszene, in der Zwingli in der Druckerei mit einem Salamirädli das Fasten brach. Wie die Druckpresse seien auch die Gewänder der Schauspieler und Statisten historisch gewesen. «Gegessen wurde nur mit Plastikmänteln», sagte er. Parfüm oder Schwitzen war verboten.

Im Film ist Bruno Altherr nur wenige Sekunden zu sehen. Doch das macht ihm nichts aus. Im Gegensatz zum kurzen Auftritt der Druckerei. «Es hat mir wehgetan, dass eine so schöne Druckerei eingerichtet wurde, aber der Druck gar kein Thema war», sagt der Fachmann. In Altherrs Räumen in Reitnau hängen wie zum Trocknen alt aussehende Papierbögen. Sie stammen aus der Film-Druckerei. «Die konnte ich denen abläschele», sagt er zufrieden. Es sind Nachdrucke, Altherr hat sie vor dem Altpapier gerettet.

Neben seiner Presse hat er den Filmemachern auch mehrere historische Bibeln anvertraut, mit denen Zwinglis Studierzimmer ausstaffiert wurde. Der Reitnauer Drucker hatte schon vor dem Film einen engen Bezug zum Zürcher Reformator. «Es ist gewaltig, was er geleistet hat.» Ohne Zwingli wäre Zürich heute nicht die gleiche Stadt.

Presse ist zurück im Museum

Die «Gutenberg Werkstatt Reitnau» hat noch mehr zum Film beigesteuert als die Presse und ihren Besitzer: Für die Drucke war ein Satz in der Schrift Alt-Schwabacher nötig. Diesen hat Bruno Altherrs Mitarbeiter, Buchdrucker Jean-Charles Bart, besorgt. «In Bischofszell konnte ich einen in der richtigen Grösse auftreiben», sagt er. Er hat darauf den gedruckten Text, der im Film zu sehen ist, eigenhändig gesetzt. Darauf ist er stolz.

Jetzt steht die Gutenberg-Holzpresse wieder in Altherrs Museum und Werkstatt in Reitnau. Mit ungefähr 30 anderen Maschinen, die zusammen über 500 Jahre Druckgeschichte abbilden. Die Presse funktioniert nach wie vor. Besucher können selber etwas drucken oder das hölzerne Fabeltier bewundern, das eigentlich zur Druckpresse gehört und zuoberst angebracht ist. Anders als Altherr und sein Bart hat es das geflügelte Wesen nicht in den Film geschafft, weil es für die Filmemacher ein Symbol für Druckpressen aus Deutschland war.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1