Kirchleerau
Winterliche Fuchs- und Marderjagd: Dieser Kirchleerber wurde mit einem Trapper-Gen geboren

Der Kirchleerber Landwirt Kurt Lüscher ist Felljäger – jetzt im Winter stellt er Fuchs und Marder nach. Den Fuchs jagt er im Wald mit der Flinte. Den Steinmarder in der Siedlung mit selbst gebauten Kastenfallen.

Rahel Plüss
Drucken
Mit selbst gebauten Kastenfallen fängt Kurt Lüscher die Steinmarder in Scheunen oder auf Dachböden.

Mit selbst gebauten Kastenfallen fängt Kurt Lüscher die Steinmarder in Scheunen oder auf Dachböden.

Rahel Plüss

Im Wald ist es still. Es schneit. Die Tierspuren der Nacht sind schon weitgehend zugedeckt. Für Kurt Lüscher sind sie trotzdem noch lesbar. Hier ging ein Fuchs seines Wegs. Die in einer Linie liegenden Abdrücke verraten ihn. Unverkennbar. «Der Fuchs schnürt», sagt der Jäger deshalb auch dazu.

Seit 33 Jahren geht der Kirchleerber Landwirt Kurt Lüscher auf die Jagd, ebenso lange ist er Jagdaufseher – in verschiedenen Revieren, aktuell bei der Jagdgesellschaft Schöftland West. In diesem Amt rückt er aus, wenn ein Tier angefahren wurde, ist Wilderern auf der Spur, führt nachts mit Scheinwerfer Zählungen bei Hasen und Rehen durch. Wenn Bauern ihre Wiesen mähen, so schlägt er weisse Flaggen ein, um Rehgeissen und ihre Kitze abzuschrecken.

Als Jäger liebt es der 64-Jährige, wenn es ihm das Wild nicht zu einfach macht. So wie der Fuchs oder der Marder. «Der Fuchs ist schlau», so Lüscher, «der Marder ist intelligent.» Während sich der Fuchs durch Futter oder Geräusche, beispielsweise Paarungsrufe, anlocken lasse, könne man den Marder kaum ködern. Das Raubwild erfolgreich zu bejagen, erfordere viel Erfahrung, aber auch Zeit und Geduld. Und List.

Zum 51. Mal am «Fäälimärt»

Der Winter ist Lüschers Jahreszeit. Jetzt stellt er Füchsen und Steinmardern nach, der seltene Baummarder ist im Aargau geschützt. Kurt Lüscher ist einer der wenigen noch aktiven Felljäger der Schweiz. Im Februar reist er zum 51. Mal an den «Zentralschweizer Fäälimärt» nach Sursee – mit rund einem Dutzend Fuchs- und Marderbälgen im Gepäck. Die Veranlagung zum «Trapper» hat er geerbt. Schon als Bub durfte er seinen Vater, auch ein erfahrener Jäger, auf seinen Streifzügen begleiten.

Des Geldes wegen muss man nicht Felljäger sein. Während er als Bub für seinen ersten Marderbalg noch gegen 200 Franken bekommen hat, ist es heute noch ein Bruchteil davon. Lüscher schätzt, dass er heuer am «Fäälimärt» vom Händler etwa zehn Franken für einen Marderbalg und sechs bis acht Franken für ein Fuchsfell bekommt. Die Preise werden nicht im Voraus bekannt gegeben. Obwohl Kurt Lüscher schon Hunderte Füchse und Steinmarder abgebalgt hat, schaffe er es nicht in einer Zeit unter 40 Minuten pro Tier.

Am zeitaufwendigsten und schwierigsten sei die Bearbeitung der Pfoten. Die Haut muss bis zu den Krallen sauber ausgebeint werden. Passiert das nicht, fangen die Pfoten früher oder später an zu faulen und lassen Haare. Gut ausgearbeitete Pfoten sind deshalb ein Qualitätsmerkmal des Marder- oder Fuchspelzes, auch wenn der Kürschner später für die Stola oder die Mütze nur den Rücken braucht.

Hochwertiges Naturprodukt nutzen

Er töte Füchse und Steinmarder nicht einfach nur so zum Spass, sagt Lüscher. Als Jäger und Jagdaufseher sei es seine Aufgabe, Überpopulationen entgegenzuwirken. «Fuchs und Steinmarder haben keine natürlichen Feinde mehr», so Lüscher. Zu viele Tiere brächten Seuchen mit sich, so wie die – auch für Haustiere hochansteckende – Fuchsräude.

Seit zwei Jahren grassiert sie im Revier Schöftland West wieder. Die Felle der kranken Füchse sind dann nicht mehr verwertbar, der direkte Gang zur Kadaversammelstelle unvermeidlich. Das ist nicht im Sinn von Kurt Lüscher. Für ihn ist klar, wenn man die Tiere schon tötet, soll man das Fell als hochwertiges Naturprodukt auch nützen. «Das ist jedenfalls gescheiter, als das Tier fortzuwerfen und einen aus Erdöl hergestellten Kunstpelz zu tragen», findet er.

Den Fuchs jagt er im Wald mit der Flinte. Den Steinmarder in der Siedlung mit selbst gebauten Kastenfallen. Lebend. Die Fallen stellt er in Scheunen, Garagen oder auf Dachböden auf. Überall dort, wo der Marder zum Ärgernis wird oder Schaden anrichtet, weil er Hausisolationen beschädigt, Autoschläuche durchbeisst oder den Menschen den Schlaf raubt.

Mit seiner grossen Erfahrung hat sich Lüscher quasi als «Ghostbuster», als Vertreiber der lästigen Vierbeiner, einen Namen gemacht – nicht nur in der Region. Mittlerweile reist er in Marder-Mission als Berater weitherum. Längst nicht immer fängt und tötet er die Tiere. Schliesslich geht es hierbei in erster Linie darum, die Liegenschaften nachhaltig vor Mardern zu schützen.

Würde man die Tiere nur entfernen, wäre schnell wieder der nächste Marder da.
Kurt Lüscher kennt mittlerweile diverse Tricks, die Schlupflöcher der Marder zu finden und die Tiere aus den Häusern zu bekommen. «Man muss denken wie ein Marder», sagt Lüscher und schmunzelt. «Nein, natürlich nicht.» Aber man müsse wissen, wie sie sich bewegen, was sie mögen und was nicht. Und doch sei immer auch Glück dabei, ob die Jagd gelinge – wer diesmal listiger sei, Tier oder Mensch.

Aktuelle Nachrichten