Unterkulm
«Yee-haw!» – Für dieses Fest wird eine ganze Stadt gebaut

Ende April steigt die sechste Auflage des «Old West». Unterkulm wird zum Treffpunkt für Westernfans aus halb Europa.

Rahel Plüss
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Mit Pferden, Steckbriefen, einer Gefängniszelle und natürlich Cowboys – beim «Old West» ist alles so, wie man es aus alten Westernfilmen kennt. (Archiv)

Mit Pferden, Steckbriefen, einer Gefängniszelle und natürlich Cowboys – beim «Old West» ist alles so, wie man es aus alten Westernfilmen kennt. (Archiv)

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Herbert Leuenbergs Look ist verändert. Er, der sonst nie einen Bart trägt, lässt sich gerade das Gesichtshaar wachsen. Nicht etwa wild drauflos. Schnauz und Kinnbart sind exakt getrimmt und erinnern zusammen mit dem seitlich gescheitelten Haar an den einstigen US-Präsidenten Abraham Lincoln – auch wenn der 57-jährige IT-Fachmann zum Medientermin in Hemd und Pulli erscheint. Kein Zufall, sondern minuziöse Vorbereitung. Herbert Leuenberg ist Präsident des «Old West» in Unterkulm, jenem dreitägigen Fest vom 27. bis 29. April, zu dem sich Vollblut-Wild-West-Fans aus der ganzen Schweiz und dem benachbarten Ausland treffen. Vergleichbare Anlässe gibt es kaum in der Schweiz.

Old West Unterkulm von 2014 Old West Unterkulm von 2014
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Old West Unterkulm von 2014 Old West Unterkulm von 2014
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Old West Unterkulm von 2014 Old West Unterkulm von 2014
hinter dem Hof von Landwirt und Vorstandsmitglied Beat Häfeli kommt „Old West Unterkulm“ zu stehen. Gelände für „Old West Unterkulm“
Old West Unterkulm von 2016: Der Vorstand des Vereins "Old West Unterkulm": v.l. Präsident Herbert Leuenberg, Felix Hunziker, Beat Häfeli und Lukas Vonwil. Oldwest Unterkulm von 2016
Old West Unterkulm von 2014 Old West Unterkulm von 2014
Herbert Leuenberg, Präsident des Vereins „Old West Unterkulm“ Herbert Leuenberg, Präsident des Vereins „Old West Unterkulm“

Old West Unterkulm von 2014 Old West Unterkulm von 2014

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Noch deutet auf der Wiese hinter dem Hof von Landwirt und Vorstandsmitglied Beat Häfeli wenig darauf hin, dass hier in gut einem Monat eine Westernstadt steht. Ein verwitterter Totempfahl wacht über das Gelände, ein paar zusammengeschnürte Pfähle liegen bereit. Seit 2008 bauen hier alle zwei Jahre jeweils rund 40 Freiwillige eine Wild-West-Kulisse auf – mit Mainstreet, Saloon, Ladengeschäften, kleinen Werkstätten und sogar einer Gangway. Eine Riesenarbeit. «Ich habe es aus Jux mal ausgerechnet», sagt Leuenberg. «Mit den Holzbrettern, die wir verbauen, könnten wir einen Steg von Unterkulm bis nach Aarau an die Aare auslegen.»

Sogar Schienen werden verlegt

Die Gebäude werden jedes Mal neu erstellt. Nicht nur, weil die Lagerung solch grosser Bauteile schwierig ist. «Die Stadt soll immer wieder anders aussehen», sagt Leuenberg. Darum wird man sich heuer auch nicht wie bis anhin in «Dove Town» wiederfinden, sondern in «Silver Creek» – einem Städtchen mit Bahnanschluss. Ja, es werden tatsächlich Schienen verlegt, damit die angekündigte Dampflok aufs Festgelände kann: Western-Atmosphäre pur.

«Silver Creek» ist aber mehr als Holzkulisse. Die Westernstadt lebt. In den Shops wird allerlei feilgeboten. Sattler, Schmied oder Barber zeigen ihr Handwerk. Natürlich gibts auch Verpflegung und jede Menge Musik. Das Festzelt ist das Reich der Country-Fans und Linedancer. Reenactors, also Westernfans, die es richtig authentisch lieben, richten sich im Zeltlager ein und führen während dreier Tage ein Leben wie damals – oder jedenfalls fast. So ganz genau nimmt man es dann doch nicht. Indianer und Cowboys genehmigen sich friedlich zusammen ein Bier, während die Südstaaten-Infanterie nebenan Zugschule hält. Fallen Schüsse, erschrecken höchstens die Pferde. «Es ist ein fröhlicher Mix an Vereinen und Einzelpersonen mit Freude an historischen Kleidern, Waffen oder Handwerken, der hier zusammenkommt», so der Präsident. Zu Zwischenfällen sei es noch nie gekommen. «Das ist mit Abstand das friedlichste Völkchen, das ich je gesehen habe.»

Trotzdem. Für ihn und für viele Authentiker ist der Anlass mehr als Theater, das Outfit nicht nur Verkleidung. «Ich lebe drei Tage in einer anderen Welt», so Leuenberg. Der Computerspezialist wird zu Bat Masterson, der sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Amerikas Westen unter anderem als Revolverheld und Ordnungshüter einen Namen gemacht hatte. Warum? «Vielleicht, weil ich für einen Moment aus der Alltagshektik ausbrechen kann.»

Wildwest-Romantik hin oder her: Der Verein hat mit durchaus aktuellen Problemen zu kämpfen. Wie vielerorts fehlt es an Mitgliedern, die sich ehrenamtlich engagieren wollen. Und die beiden letzten Austragungen des «Old West» mussten bei Hudelwetter stattfinden – was sich alles andere als positiv auf die Kasse ausgewirkt hat. An den Besucherrekord von 5000 Leuten im Jahr 2012 ist man bei weitem nicht mehr herangekommen. Zum ersten Mal wird darum heuer für den Besuch des Festgeländes für Erwachsene Eintritt verlangt.

Old West vom 27. bis 29. April. Infos und Programm auf www.oldwest-unterkulm.ch

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